Melanie

 
Melanie ist zum zweiten Mal schwanger. In der ersten Schwangerschaft hatte sie überhaupt keine Übelkeit. Jetzt kämpft sie sehr mit Übelkeit (15.02.2011)
 
Ich heiße Melanie, bin 28 Jahre alt, habe bereits einen Sohn Felix, der wird nächste Woche 6 Jahre alt und mein Mann heißt Jan und wird demnächst 24.
Ich bin Verwaltungsfachangestellte in unserem Rathaus und arbeite dort im Fachdienst Schulen, Jugend und Freizeit - alles für die lieben Kinder.
Leider sehe ich mein geliebtes Büro momentan nur noch selten, nämlich dann wenn ich mich mal nicht krankschreiben lasse bzw. meinen Arzt überredet bekomme mich doch arbeiten zu lassen - Probeweise :o) Ich gehöre zu den Menschen, die ihre Arbeit lieben und gerne hingehen und ich sage mir dann immer:
"Im Rathaus gibt es auch Toiletten und zur Not habe ich ja meinen Mülleimer unterm Schreibtisch".
Aber jetzt gerade sitze -nein eigentlich liege ich- krank zu Hause und halte mich mit Vomex-Zäpfchen und Atosil-Tropfen am Leben und qüäle mir Tee, Leitungswasser, Milch, Äpfel und Zwieback rein.

Alles begann als ich mir mit schwindender Periode am 18.10.2010 meine Spirale nach fast 5 Jahren ziehen lies, um Felix seinen größten Wunsch, nämlich "Endlich großer Bruder zu werden", zu erfüllen.
Natürlich wollten mein Mann und ich nun auch gern ein 2. Kind :o)

Am 13.11.2010 kam meine sonst so pünktliche Periode nicht, am 20.11. erster Schwangerschaftstest negativ, gleich noch 2 (Sicher ist Sicher!) alle negativ.
Gut, eine Woche später nochmal 3 - ALLE positiv!!!
Schwanger *Juhu* Das ging schnell...
Meine Frauenärztin stellte unter einem Grinsen fest, dass ich halt immer kriege, was ich will...

Meine Freundin sagte, dass das nur ein meiner megaweiblichen Figur liege (92-67-102).
Ja, an mir war einiges dran, bei einer Größe von 180 cm habe ich auch fast 80 Kilo auf die Waage gebracht, eine gesunde Größe 38/40 getragen.

Dann kam Nikolaus, der 06.12.2010, ich hatte abends noch eine Sitzung mit Ratsherren und -Damen, bei der ich Protokoll führte und mir war den Tag über schon komisch und ich hatte nur ein trockenes Brötchen und Wasser zu mir genommen - die Sitzung zog sich bis 22 Uhr, dannach ab zum Auto und bloß nach Hause ins Bett - ich kam auf den Parkplatz und habe mir bestimmt 5-10 Minuten die Seele aus dem Leib gekotzt.

"Okay, Du bist schwanger, diesmal halt mit Kotzerei!" - war mein Gedanke.
Bei Felix hatte ich nichts - nicht ein einziges Mal war mir schlecht oder habe ich gekotzt, ich habe in 42 Wochen fast 30 Kilo zugenommen (von 60 auf 90 Kilo :o) und war eine glückliche und schlemmende kugelrunde Schwangere, die bis zum Schluss im Job und Privatleben funktioniert hat - DAS WAR soooo SCHÖN!!!

Naja, es ging die Nikolaus-Nacht munter weiter und ich habe ca. 11 mal Galle gespuckt.
Nächsten Morgen Anruf bei der Chefin: "Bin krank..."
Ab zum Doktor: "Bestimmt Magen-Darm - AU bis Freitag!"
Es kam aber kein Durchfall dazu, lediglich Fieber...
Ich habe die gesamte Woche Tag und Nacht nur gespuckt, teilweise im 30-Minuten Takt und bis zu 35mal in 24 Stunden :o( Ich hatte richtig Angst zu essen, also habe ich nur Leitungswasser und Centrum sowie meine Jodtablette genommen - für´s gute Gewissen.

Das Wochenende, der 60. Geburtstag von meinem Mann´s Patenonkel stand an - Hingeschleppt...3mal Kotzen auf der Party später wieder heim ins Bett.

Naja, was soll ich sagen, ich habe mich die Woche drauf wieder zur Arbeit geschleppt, bin heimlich zum Spucken auf´s Klo geschlichen und DAS bis zu 10mal in 8,5 Stunden! Bei mir waren die Nächte aber schlimmer, da ging es dann richtig los - Galle spucken im Stundentakt - Gerädert wieder zur Arbeit. Zwischendurch mal nen Tag frei gemacht und Überstunden abgebummelt, damit keiner merkt wie schlecht es mir eigentlich geht...

Dann die Lieblingskollegin und Chefin eingeweiht, weil es doch immer schlimmer wurde und zu der Kotzerei wieder Fieber dazu kam - ich hatte fast jede Nacht bis 39,6 ° Fieber und fühlte mich einfach elend!!!
Die rasenden Kopfschmerzen vom Flüssigkeitsmangel mal verschwiegen!!!

Weihnachten näherte sich in großen Schritten - ich fühlte mich aber nicht in der Lage Geschenke zu besorgen, geschweige denn einkaufen zu gehen...
Ein Hoch auf Interneteinkäufe, Hermes und einfallslose Gutscheine :oD

Dann Heiligabend: Wir hatten Eltern und Großeltern abends zum Weihnachtsessen eingeladen, also stand ich ab 10:00 Uhr in der Küche und bereitete ein 3-Gänge-Menü für 13 Personen vor inkl. 2,5 Kilo-Braten *Bäh* Ach so, ich muss erwähnen, dass ich seit fast 15 Jahren strenge Vegetarierin bin und mich vor Fleisch schon ziemlich ekel...
Naja - mit zwischendurch Erbrechen und mal ne Stunde Schlaf hatten WIR um 18 Uhr alles fertig und es war ein wundervoller Abend, nur die Köchin aß nichts und verschwand zwischendurch zum Spucken auf dem Klo...

Am 1. Weihnachtstag waren wir zum Essen geladen, ich habe nur gekotzt und bei Oma auf dem Sofa gelegen, von Nikolaus bis Weihnachten hatte ich mittlerweile schon 4 Kilo abgenommen, außer an den Brüsten (Die sind monströs!).
Abends wurde mir dann schwindelig und ich bin ungefallen - mein Mann wollte mich sofort ins Krankenhaus bringen - ich habe daraufhin mit Scheidung gedroht und bin ins Bettchen verschwunden, dass finde ich auch ohne Augen und Gehör noch...

Nachts musste ich mir dann zum ersten Mal ein Eimerchen ans Bett holen, weil ich den Gang zum Klo nicht schaffte :o( Am 2.Weihnachtstag schickte ich die Männer dann allein zu den Großeltern - ich blieb leidend und heulend im Bett zurück.
Abends, nachdem ich wieder umfiel und weder hören noch sehen konnte und mein Fieber wieder die 39° erreicht hatte, ließ mein Mann dann den Macker raushängen und schliff mich in unsere Klinik - ICH HASSE KRANKENHÄUSER!!!

Der Arzt dort (Ein Penner vor dem Herren!) nahm uns weder ernst, noch fühlte er sich wirklich zuständig und dann erklärte er mir noch, dass ich ja nicht wirklich ausgehungert aussehe...
Schwangerschaft halt, da spucken viele Frauen - ich hatte aber leider nun schon seit 5 Tage weder Essen noch Trinken drinbehalten!!!NICHTS!!!
Ich entschuldigte mich bei dem Doktor, dass ich nicht von jetzt auf gleich nur noch 45 Kilo auf die Waage bringe und so kaputt wie Kate Moss aussehe - er verstand meinen gereizten Humor nicht wirklich, aber er lies mich auf die Gyn aufnehmen, dort bekam ich ein Einzelzimmer und eine Vomex und Vitamin B6-Infusion sowie noch 2 Vollkornbrote mit Butter zum Abendbrot serviert. ICH HASSE KRANKENHÄUSER!!!
Dann also täglich 2-3 Infusionen, je nachdem welcher Arzt Dienst hatte und gute Ratschläge, Zickereien von den Schwestern, wenn ich mein Essen nicht anrührte plus die Erkenntnis, dass Vegetarierinnen sowieso selbst Schuld sind, wenn sie krank werden - bei einer derartigen Falschernährung!!!
Ein Doktor, der eine genaue Anamnese von mir erstellte schob das enorme Erbrechen von bis zu 30mal täglich jetzt auf meine Vergangenheit als Teenager, in der ich unter Bulimie litt = Interessant, Sünden aus der Jugend rächen sich also in der 2. Schwangerschaft!!!

Silvester durfte ich nach Hause, nachdem ich verschwiegen hatte, dass ich noch immer so häufig breche und nur immer von Besserung sprach...
Mittlerweile waren 7 Kilo weg :o(

Zuhause ging es mir hundeelend und ich wollte sterben, am 3.Januar ab zum Hausarzt, dieser erklärte sich sofort bereit mich ambulant mit Infusionen zu versorgen, so ging es mir tagsüber besser, es blieben auch mal ein paar Mahlzeit und Milliliter Getränke drin.
Abends dann Vomex-Zäpfchen für die Nacht - die Nächte sind noch immer das Schlimmste bei mir...
Der 4. und 5. Januar 2011 waren die bisher schlimmsten Tage bei mir - ich habe nur heulend überm Klo oder Eimer gehangen und wollte eigentlich nur noch sterben, töten oder abtreiben - Bei dem Gedanken an Abtreibung heulte ich dann noch mehr und bemitleidete das arme Krümelchen in mir, dass sich bestimmt völlig ungeliebt fühlen muss und bestimmt schon mit nem RIESEN-Knacks zur Welt kommt, weil Mutti gar keine Lust mehr auf "kotzender-Brutkasten-sein" hat!
Ich werde einfach ein Therapie-Sparbuch anlegen müssen :o)

Mein Mann und Sohnemann stehen mir so süß bei und kümmern sich rührend um mich und hoffen nur, dass ich tapfer bleibe, sind letztendlich aber leider völlig hilflos...

Am 17.Januar durfte ich probeweise wieder arbeiten und hielt eine komplette Woche durch - zwischendurch und nachts ging ich natürlich kotzen, aber alles im Rahmen von 4-8 mal am Tag.
Ich dachte, es wäre überstanden!!!
Einige Kollegen waren ganz lieb und verständnisvoll, einige Damen waren der Ansicht, dass Frauen da durch müssen und ich mich ganz schön anstellen würde und eine fragte sogar nach meinem Diätgeheimnis.

Ich fühlte mich wieder wichtig und sozial, weil ich arbeiten durfte.

Am 25. und 26. Januar ging aber wieder gar nichts und ich musste daheim bleiben, nochmal 2 Tage hingeschleppt und nun seit Samstag liege ich wieder kotzender- und fiebernderweise daheim auf dem Sofa oder im Bettchen - mein Sohn steht mir bei und weigert sich in den Kindergarten zu gehen, wenn es mir so schlecht geht.
Er entwickelt sich zu meinem persönlichen assistenten, er geht ans Telefon, kocht mir Fenchel-Kümmel-Anis-Tee (WIRKLICH!!!) und bespaßt mich mit selbstgemalten Bildern und seinem Nintendo DS.
Wenn ich meine Atosil-Tropfen genommen habe, weiß er, dass Mama nun ganz lange schlafen wird und er verzieht sich in sein Zimmer oder guckt mal ne Stunde Fernsehen oder legt sich einfach dazu.
Erstaunlich wie selbstständig Kinder werden, wenn die Situation es erforderlich macht, er schmiert sich Brote, füttert unsere Katzen, Ratten und Fische und betüddelt mich.

Ich habe jedoch ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber, schließlich bin ich die Mama und sollte mich um ihn kümmern, gegenüber meiner Chefin und meinen Kollegen wegen ständig krank sein und fehlen, gegenüber meinem Mann wegen dem liegen gebliebenen Haushalt und fehlender Dankbarkeit meinerseits und der Familie wegen meiner ständigen Abwesenheit und ihrer Hilflosigkeit.

Ich hasse, dass ich mich aufgrund der Hyperemesis in eine unzuverlässige Heulsue verwandelt habe und dass ich eine regelrechte Phobie gegen Essen und Trinken entwickel und mich momentan nicht gesund ernähren kann.
Ich habe immer viel Wert auf meine Gesundheit gelegt, deshalb bin ich Vegtarierin, rauche nicht, trinke und esse keinen Tropfen Alkohol und habe auch noch nie Drogen genommen - auch Kaffee und andere koffeinhaltige Produkte sind tabu.

Aber ich muss gestehen, ich habe während der ersten Kotzphase Cola und Salzstangen ausprobiert - ohne Erfolg!

Aber nun bin ich mittendrin und habe noch 24 Wochen vor mir, aber spätestens im Juli ist alles vorbei und ich habe den Grund für mein Durchhalten im Arm.
Ich versuche immernoch Humor und positives Denken vorzuhalten und sage mir einfach:
"Diesmal wirst Du wenigstens keine 30 Kilo zunehmen!"
oder (auch schön)
"Anderen geht es trotzdem viel schlechter als Dir!"

An schlechten Tagen hasse ich dann die Optimistin in mir und wünsche ihr die Pest an den Hals.
Also munter weiter und immer schon die Toilette sauber halten, die Toiletten in unserem Haus waren noch nie sooo sauber wie in den letzten 9 Wochen...

Liebe Grüße,
Melanie