Kira

 
Eine Hyperemesisschwangerschaft zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz (08.10.2012)
 
Eine Europareise mit HyperemesisrnMeine Schwangerschaften von Juni 2009 - August 2012rnDiese Seite ist ein Segen für alle, die eine Schwangerschaft mit Hyperemisis überstanden haben bzw. noch mitten drin stecken...Mein Name ist Kira und ich habe 2009/2010 die schrecklichsten Monate meines Lebens gehabt......Anfang 2009 beschlossen mein Freund und ich, wir packen alles ein, und siedeln nach Frankreich über. Mein Freund ist Franzose und wir leben seit einigen Jahren zusammen in Deutschland. Für mich stand schon immer fest,irgendwann müssen wir in seinem Heimatland leben damit ich auch endlich richtig französisch lerne. Also, gesagt getan!rnIch kündigte meinen Job und die Wohnung. Mein Freund wurde gerade mit seinem Studium fertig und war bereits auf Jobsuche im Internet in Toulouse (dort sollte es hingehen). Nur zwei Wochen nachdem ich gekündigt hatte und alle Segel Richtung Frankreich gesetzt waren, wurde ich unerwartet schwanger.Natürlich haben wir uns riesig gefreut und irgendwie ist nie der richtige Zeitpunkt für eine Schwangerschaft und so sagten wir uns, wir wagen es trotzdem. Letzte Zweifel blieben dennoch, war es so schlau schwanger in ein anderes Land zu ziehen? Wo Du niemanden kennst und hast? Die Abenteuerlust siegte über unsere Vernunft. Es konnte dort ja auch noch keiner ahnen welchen schwierigen Weg wir noch gehen sollten. Bis zur achten Schwangerschaftswoche ging es mir wunderbar aber dann fing das Grauen an. Ich war bei einer Freundin in Hamburg zu Besuch und wachte morgens mit einem flauen Gefühl im Bauch auf. Im Laufe des Morgens wurde mir speiübel und ich musste mehrmals zur Toilette rennen. Noch war es nur ein würgen ohne Erbrechen und noch lachten wir ein wenig und meine Freundin sagte, „…das geht vorbei, ging mir auch so in den ersten Wochen!“. Leider sollte sie nicht Recht behalten. Schon am nächsten Morgen musste ich, kaum die Augen auf, zur Toilette und bis zum Mittag blieb es dabei. Ich meldete mich zwei Tage krank und hoffte auf baldige Besserung. Doch die Übelkeit hielt an mir fest und wurde von Tag zu Tag schlimmer. Bald übergab ich mich 20 bis 30 Mal am Tag und jeglicherGeruch drehte mir den Magen um und brachte mich noch mehr zum würgen. Am schlimmsten waren Waschmittel, Duschgels und Cremes aller Art, mein Freund durfte nur noch mit Wasser duschen, sonst hätte er mich gleich wieder auf die Toilette getrieben mit seinem frisch geduschten Geruch. Kein einziger Schluck zu Trinken blieb in mir weder konnte ich essen. Mein Freund schleppte jedes Getränk an was er finden konnte und ich probierte tapfer alles durch, nur um es dann doch wieder auszuspucken. So langsam dämmerte uns, das kann nicht normal sein. Nach zwei Wochen, die ich nur auf der Toilette oder im Bett verbracht hatte, stand fest so geht es nicht weiter und mein Freund brachte mich ins Krankenhaus. Dort angekommen wurde ich gleich an den Tropf gehängt und mit Vomex außer Gefecht gesetzt. Ich schlief endlich und hatte eine kurze „Übergebenspause“. Leider ging mein Leiden weiter. Dachte ich erst noch mutig, in ein paar Tagen bin ich hier wieder raus und daheim auf dem Beinen, merke ich doch bald, dass dem nicht so sein wird. Über drei Wochen blieb ich im Krankenhaus und entließ mich schließlich, aus eigener Verantwortung und gegen den Rat der Ärzte, selber. Dank meines Hausarztes konnte ich weiter ambulant mit Infusionen versorgt werden. Ich wurde abwechselnd von meiner Mutter, Schwester und meinem Freund in die Praxis gefahren und bekam dort meinen Tropf mit allen wichtigen Nährstoffen und natürlich Vomex in rauen Mengen. Meine Schwangerschaft ist mir nur nochwie durch einen Schleier in Erinnerung. Entweder ich habe im Dunkeln gelegen, deprimiert und zu schlapp zum reden oder über der Toilette. Es war die Hölle auf Erden und keiner konnte es verstehen. Wie auch? Kennen diernmeisten doch nur die normale Morgenübelkeit der ersten drei Monate und sindrnes auch nicht leid dieses immer wieder als vermeintliche Aufmunterung zu erwähnen, völlig ignorierend, dass man dieses Stadium der Schwangerschaftschon seit mehreren Wochen überschritten hat! Das Übergeben nahm seinen weiteren Lauf und die Welt drehte sich woanders, nur nicht für mich, weiter.Zwischen diesem ganzen Drama, begann mein Freund unsere gemeinsame Wohnung zu räumen und den Umzug nach Toulouse zu planen. Wir konnten es nicht mehr rückgängig machen, dafür waren wir schon zu weit in der Planung fortgeschritten. Anfang meines fünften Monats musste mein Freund dann ohne mich umziehen und die neue Wohnung in Toulouse einrichten und alles für meine Ankunft vorbereiten. Ich blieb bei meiner Mutter im Bett, reise fähig war ich noch nicht und die Übelkeit und das Erbrechen nahm kein Ende.Bis zum sechsten Monat musste ich aushalten und erst dann konnte ich meinem Freund folgen. Auch das nicht, ohne alle fünf Minuten meinen Kopf in die Kotzbeutel der Lufthansa zu stecken, um endlich am Ziel anzukommen.Erst dann ging es langsam bergauf. Ich konnte endlich wieder essen und trinken, wenn auch immer mit Vorsicht und Bedacht, was denn am bestenohne große Schmerzen wieder raus kommen würde! Die Übelkeit bliebt mein ständiger Begleiter und es sollten bis zum Schluss meiner Schwangerschaft immer wieder Tage kommen, die ich ans Bett und ans WC gefesselt war. Und selbst als es fast vorbei war, im Kreißsaal, verbrachte ich meine letzten schwangeren Stunden „Kopfüber“ dem Eimer. Mein erster Gedanke als mein kleiner „Kotzbrocken“ von über vier Kilo zu Welt kam war: So fühlt es sich an,keine Übelkeit zu verspüren!rnZweieinhalb Jahre und ein Land weiter, schreibe ich diesen Bericht im Krankenhaus in Luzern (Schweiz), wieder mit einer Nadel im Arm, die mich mit Medikamenten und Flüssigkeit versorgt und mit der nagenden Angst davor, dass es bei dieser, meiner zweiten Schwangerschaft, wieder genauso schlimm wird wie bei der Ersten! Wir sind nach zwei Jahren in Frankreich berufsbedingt in die Schweiz gezogen und wohnen nun seit knapp einem Jahr in Luzern. Ich bin in der achten Woche und die Hyperemisis hat mich seit zehn Tagen wieder in ihren unnachgiebigen Klauen. Schaffe ich es ein zweites Mal? Werde ich aufgeben? Was mache ich mit meinem Kleinen? Geht es ihm auch ohne Mama gut? Werde ich meinen Job behalten, wenn ich so lange krank und danach in Mutterschaft gehe? Geht es dem Kind gut? Das und noch tausend andere Sachen gehen mir zurzeit durch den Kopf und doch weiß ich dieses Mal, was mich am Ende des Tunnels erwartet und wofür ich diese Mühe auf mich nehme.Ich weiß, dies ist nur ein schwacher Trost für alle mit mir Leidenden und auch für mich, dennoch, jede Sekunde, die es mir gut geht, halte ich an diesenpositiven Gedanken fest und hoffe insgeheim, dass Ihr das vielleicht auch könnt!