Evy

 
Evy hatte in der ersten Schwangerschaft stärker mit Hyperemesis zu kämpfen, als in der Zweiten. In der zweiten Schwangerschaft war der \\\"Spu(c)K\\\" nach der 12. Woche vorbei (07.12.2012)
 
Es fing alles mit einem positiven Schwangerschaftstest im Januar 2004 an. Damals war ich 17 Jahre alt. Da mein kleiner "Kotzbrocken" nicht geplant war, dauerte es einen Moment bis ich mich an den Gedanken gewöhnen sollte. 3 Wochen später, in der 7. SSW, sollte sich alles ändern. Ich stand ganz normal morgens gegen 7 Uhr auf und das erste was ich machen musste, war mich zu übergeben. Da es immer heißt, dass es als Schwangere normal ist, habe ich mir nichts weiter gedacht. Allerdings sollte es nicht bei einem Mal bleiben. Es ging immer weiter. Insgesamt hatte ich mich an dem Tag über 40-50 Mal übergeben. Irgendwann hatte ich aufgehört zu zählen. Zu dem Erbrechen kamen fürchterliche Bauchkrämpfe dazu. Ich fühlte mich elendig. Ich war völlig fertig mit der Welt, hatte Bauchschmerzen, mein Hals und meine Speiseröhre brannten wie die Hölle, ich war müde und wollte eigentlich nur noch meine Ruhe haben und dieses Kind auf der einen Seite wieder los werden und auf der anderen Seite hatte ich fürchterliche Angst vor einer Fehlgeburt. Der Vater meines Kindes war damals völlig überfordert mit der Situation und mir überhaupt keine Hilfe. Abends um 22 Uhr erbrach ich mich immer noch. Es war schier unmöglich irgendwas an Flüssigkeit in mir zu behalten. Ich bestand darauf die wenigen Meter zu meinen Eltern zu fahren. Meine Mutter rief sofort den ärztlichen Bereitschaftsdienst an. Die Ärztin konnte mir leider auch nicht helfen und hatte keinerlei Erfahrung. Sie riet mir, umgehend ins Krankenhaus zu fahren. Gegen 23.30 Uhr und nach weiterem Brechen kamen wir in der Notaufnahme an. Und da hatte ich Glück. Die diensthabende Ärztin schätzte die Situation sofort richtig ein. Da mein kompletter Elektrolythaushalt durcheinander war, ich völlig dehydriert war und der Ketonspiegel im Blut jenseits von Gut und Böse war, legte sie sofort eine Infusion mit Elektrolyten und Vomex an. Noch in der Nacht machte sie einen Ultraschall. So dass ich wenigstens die Gewissheit hatte, dass mein Kind in Ordnung ist. Die Infusion sollte ich die nächsten 2 Wochen auch nicht mehr los werden. Nach 2 Tagen fiel durch den Chefarzt zum ersten Mal die Diagnose Hyperemesis Gravidarum. Ich hatte vorher noch nie davon gehört gehabt. Allerdings muss ich sagen, dass ich in dem Krankenhaus super aufgehoben war. Sie nahmen mich und mein Erbrechen ernst. Die Schwestern brachten mir, als ich endlich wieder Essen und Trinken konnte, mehrmals täglich kleine Mahlzeiten und viel Obst aufs Zimmer und bauten mich immer wieder auf. Nach 2 Wochen Aufenthalt dürfte ich wieder nach Hause. Dort hatte ich zwar immer noch mit Übelkeit zu kämpfen, aber das Erbrechen gab erstmal Ruhe. Nach fast 2 Wochen zu Hause, ging es wieder los. Wieder erbrach ich mich den ganzen Tag rund um die Uhr. Weder Vomex noch Elektrolyte sollten etwas daran ändern. Also ging es abends wieder ins Krankenhaus. Und dort fing die ganze Prozedur wieder von vorne an. Wieder Bettruhe und rund um die Uhr Infusionen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon die Schnauze voll von allem. Ich wollte nicht schwanger sein, ich wollte nicht mehr kotzen, ich hasste die Infusionen und die Bettruhe und wollte nur allein sein und meine Ruhe haben. Zusätzlich bekam ich noch einen Atemwegsinfekt mit Fieber. Es war die Hölle. Ich fragte mich, warum ausgerechnet ich das alles ertragen musste. Wieder waren die Ärzte und Schwestern da und kümmerten sich rührend um mich. Zum Schluss des Krankenhausaufenthaltes sah ich aus wie ein Junkie. Meine Venen waren an beiden Armen komplett zerstochen von den vielen Infusionen und Blutentnahmen und ich hatte an beiden Armen blaue Flecken. Nach meiner Entlassung verbrachte ich einige Tage bei meiner Oma. Dies tat mir sehr gut. Die restliche Schwangerschaft hatte ich mit dem Erbrechen keine Probleme mehr. Allerdings gesellten sich später eine Stauniere und Gallensteine dazu. Alles in allen verbrachte ich 42 Tage im Krankenhaus während der Schwangerschaft. Der in meinen Augen einzige Ausgleich ist mein Sohn. Er ist ein wundervolles Kind und ist die ganzen Beschwerden absolut wert gewesen. Eigentlich hatte ich danach geschworen, dass er Einzelkind bleiben würde. Heute, 8 Jahre später, bin ich in der 21. SSW. Irgendwann habe ich dann doch dem Wunsch meiner beiden Männer auf ein Geschwisterchen nachgegeben. Wieder traf mich in der 8. SSW die Übelkeit. Wieder begann ich mich zu erbrechen und bekam wieder schreckliche Bauchkrämpfe. Diesmal wartete ich allerdings nicht mehr den ganzen Tag und fuhr nach dem 3. Mal sofort ins Krankenhaus. Dort kam ich sofort wieder an die Infusion und bekam Bettruhe verordnet. Nach einer Woche wurde ich wieder entlassen. Meine Familie kümmerte sich rührend um mich. Diesmal hatte ich Glück und das Hyperemesis war nicht so stark wie beim ersten Kind. Ab der 12. Woche war es mit der Übelkeit schlagartig vorbei.Mir persönlich war es wichtig, dass meine Sorgen und Beschwerden ernst genommen worden. Man fühlt sich als Betroffene schon hilflos genug. Es ist völlig normal, dass man in so einer Ausnahmesituation ausser sich ist. Letztendlich sollte man auf sein Bauchgefühl hören und das machen was einem gut tut. Spätestens wenn man das kleine Baby im Arm hält, weiß man wofür man das alles überstanden hat.