Irene

 
Irene hat schreckliche Dinge während ihrer Hyperemesisschwangerschaft erlebt: Erstickungsanfälle, eine Blinddarm OP; einen Pleuraerguss.... (07.12.2012)
 
rnrnKeine einzige meiner Schwangerschaften war normal, beim Erstgeborenen hatte ich eine Salmonellenvergiftung und aufgrund dessen ab der 22. Woche bis zur Geburt vorzeitige Wehen, mit 2 Monaten Krankenhaus, 35 Liter Wehenhemmer und Bettruhe bis zur Geburt, an die ich mich aber zum Schluss nimmer gehalten hab....rnDie zweite Schwangerschaft war meine erste Hyperemesis Gravidarum Erfahrung....damals wusste ich noch nicht was das ist, auf jeden Fall meine erste Berührung mit der Kotzerei die mich damals 11 Kilo gekostet und 22 Wochen gedauert hat...aber danach gings einigermaßen...und wieder vorzeitigen Wehen...rnrnIn dieser Schwangerschaft wurde ich anders als bei der anderen, wo es langsam anfing, von der Kotzerei überrumpelt... ich hab vom ersten mal übergeben weg, bis zu 20 mal täglich erbrochen und innerhalb der ersten 10 tage 6 Kilo verloren. Ich habe mich nicht nur übergeben, ich konnte auch nicht essen und trinken (nicht mal Wasser) , mir wurde von allem übel (Gerüche, Geräusche....), ich konnte meine Kinder nicht riechen, meinen Mann nicht...gewisse Räume nicht betreten...das war der Zeitpunkt wo ich meine Infusionstherapie begonnen hab... täglich ein Liter Kochsalzlösung mit Paspertinampullen....was die ersten drei Tage gut funktioniert hat, aber schon bald gings gleich weiter wie zuvor... hier endet mein erster Bericht den ich an Chrissi geschickt habe...ich war voller Freude und dachte es wäre vorüber...rnrnNach etwa einer Woche Infusionen hatte ich insgesamt 10 Kilo abgenommen und konnte mich nimmer allein auf den Beinen halten.... sich so oft zu übergeben und nicht zu essen und zu trinken bedeutet dass man nicht nur abnimmt sondern auch andere Probleme bekommt....mein Stoffwechsel war nicht mehr existent ich hatte +++ Ketone, +++ Eiweiß, und die Leukozyt-werte weiß ich nimmer.... auf jeden Fall hätte ich mein Pipi als Nagellackentferner verkaufen können :-Drnder Körper kann sich nicht von alleine erholen, man bekommt Mangelerscheinungen, und kann nimmer schlafen... mein Tagesablauf war von der Kotzerei bestimmt, ich konnte die Wohnung nimmer verlassen...nicht mehr duschen...nicht mehr schlafen, bzw. bin ich oft aufgewacht weil mir der Speichel schon aus dem Mund geronnen ist und ichs manchmal nicht mehr bis zum Klo geschafft hab... wenn man sich so oft übergibt ist die Speiseröhre wund und man blutet und bekommt Nasenbluten weil durch die Anstrengung die Adern platzen. Die Zähne tun weh weil die Magensäure den Zahnschmelz wegätzt. Ich hab Vaginalblutungen bekommen, wohl durch die Muskelanspannungen beim Beckenboden während des Kotzens meinte einer der Ärzte später im KH. Ich war kaum mehr in der Lage zum Arzt für die Infusionen zu fahren, also hab ich mir dort nur den Zugang legen lassen und mir die Infusionen selbst verabreicht... schon ein komisches Gefühl... Die Flaschen hab ich auf einen Nagel über der Couch an der Wand gehängt wo unsere Kinderzeichnungen angebracht sind... Schade dass ich kein Foto davon habe :D wäre wohl ein abartiges Bild :DrnrnNachdem sich meine Situation nicht gebessert hat, wäre ich fast verdurstet. Mein Hausarzt hat gesagt dass es nun an der Zeit ist dass ich stationär ins KH gehen weil er mir nimmer helfen kann und nicht mehr Verantwortung dafür übernehmen kann.rnrnSo bin ich Mitte September das erste mal ins KH, wurde Gott sei dank gleich aufgenommen und künstlich ernährt...ich hab auch ein wirksameres Medikament als Paspertin bekommen und so konnte ich zum ersten mal wieder ein paar Bissen essen... das weiß ich noch als obs gestern gewesen wäre... ich hab über meine Marmeladensemmel geweint....rnIch glaub ich war 4 Tage dort, die Urinwerte gleich schlecht, aber ich hab geschafft schon 200 ml am Tag selber zu trinken. Ich konnte auch wieder gut alleine aufstehen... dann haben meine vermeintlichen Rückenschmerzen begonnen, wo ich anfangs dachte das es wohl vom KH Bett kommt....ich wurde untersucht obs vielleicht die Nieren sind...hab ein Schmerzmittel bekommen und wurde nach 1 Woche entlassen. Ich hatte große Schmerzen aber die Erklärung des Arztes dass das wahrscheinlich ein extremer Muskelkater vom vielen Kotzen und einfach eine Erschöpfungserscheinung war, hat total plausibel geklungen...rnrn2 Nächte war ich daheim in denen sich mein Zustand rapide verschlechtert hat und ich nicht mehr atmen konnte, weil meine Lunge nicht mehr aufging... beim Kotzen bin ich fast erstickt weil die Krämpfe dafür gesorgt haben dass ich die Würgebewegung nicht mehr machen konnte und mich an meiner Spucke fast verschluckt hab.rnIch wurde Montag Nacht mit so einer Art spastischen Krämpfen wieder, nur diesmal mit Blaulicht, ins KH gebracht. Der diensthabende Arzt wusste nicht recht was er mit mir anfangen sollte und ich wurde erst mal mit verschiedenen krampflösenden und Schmerzmitteln für glatte und quergestreifte Muskulatur ruhig gestellt damit ich untersucht werden konnte... man hat aber nichts gefunden. rnIch hatte weder Fieber noch irgendwelche Auffälligkeiten die meinen Zustand erklärt hätten... nach zwei Tagen waren meine Entzündungswerte bei 231 (5-10 ist normal). Am Mittwoch bei der Visite haben sie dann den Stationsleiter gerufen weil sie nicht mehr wussten was sie machen sollen...Ich hab natürlich schon im Vorfeld prophylaktisch intravenös Antibiotikum bekommen... Der Stationsleiter hat mich zu den Internisten geschickt, die als erstes die Nieren untersucht haben....eh schon zum zweiten mal. Das war natürlich deren erster Verdacht wegen dem Flüssigkeitsmangel... aber da war alles in Ordnung... wenn sie damals beim Sono nur 5 cm höher geschaut hätten, hätten sie den Pleuraerguss schon entdeckt... der Übeltäter war nämlich zur Überraschung aller eine Entzündung der Lungen und der Pleura... das wurde aber erst später festgestellt als sie die Lungenfachärztin gebeten haben mich ab zu horchen... auf jeden Fall konnte ich jetzt gut behandelt werden. Ich hab zwar extrem viele Medikamente bekommen, aber die haben mir mein Leben ganz erträglich gemacht... Wer schon jemals einen Pleuraerguss hatte weiß wovon ich rede...rnrnIch war körperlich am Ende. Mein Mann hat gemeint für ihn wars das Bild einer 90 Jährigen die sich am Tropf festkrallt und sich in Zeitlupe fortbewegt.rnrnEssen konnte ich immer noch nicht, aber die Flüssigkeit die ich selber trinken konnte war schon ein halber Liter pro Tag. Damals hab ich täglich 4- 6 Liter intravenös Glucose, bzw. NaCl, Vitamine und Mineralstoffe sowie Medikamente bekommen. Zusätzlich oral 11 Tabletten täglich: die Entzündungswerte gingen rasch runter und die Übelkeits Medikamente haben dafür gesorgt dass ich nach Hause konnte und mich nur noch ein paar mal pro Tag übergeben hab.rnrnIch hab mich langsam erholt, was bedeutet hat dass ich ohne fremde Hilfe aufstehen und kotzen gehen konnte...essen ging ein wenig, trinken ganz gut...Harnwerte waren gleichbleibend schlecht. rnrnEs war ein Freitag, zwei Wochen nachdem ich das letzte mal mit der Rettung ins KH gebracht wurde, und drei Tage nach meiner Entlassung, als ich in der Früh am Klo zusammen gebrochen bin: Wieder mit der Rettung ins KH...Wieder verdacht auf die Niere... Entzündungswerte waren wieder erschreckend hoch....rnrnDer diensthabende Oberarzt hat gemeint: es ist zwar extrem unwahrscheinlich, aber es könnte der Blinddarm sein und es WAR der Blinddarm, ich wurde ein paar Stunden später notoperiert.rnIch hatte solche Angst um das Baby, es war in der 12.-13. Woche...Die Ärzte haben mir gesagt zu der Zeit würden sie niemals operieren und schon gar nicht bei einer bestehenden Lungenentzündung und schon gar nicht bei Hyperemesis.... na, toll. Die Anästhesistin hat mir kurz vor der OP geraten mich noch so oft wie möglich zu übergeben, weil ich ja nicht „nüchtern“ war, damit man alle mögliche Risiken verringern kann...also das Kotzen war ja nun wirklich kein Problem für mich :DrnrnAlle haben sich wahnsinnig bemüht und waren so nett zu mir.... Ich wurde unter einer Blitznarkose operiert, das bedeutet dass man den Körper nicht mit Medikamenten drauf vorbereitet dass er einschlaft sondern soweit ich das mitgekriegt hab bekommt man quasi alles gleichzeitig um die Zeit des Schlafes für das Baby und die Plazenta möglichst gering zu halten. Ich hab noch eine echte alte Blinddarmnaht bekommen, weil die Lapraskopie zu lang gedauert hätte.rnrnDas kotzen war vorher schon echt schmerzhaft wegen der Lunge....aber jetzt mit einem zusätzlichen Loch im Bauch...oh mein Gott, ich dachte ich muss sterben...ich habs mir zu der zeit wenn ich ehrlich bin auch jeden Tag gewünscht. Die Ärzte haben gesagt ich muss locker lassen... und das ist mir mehr schlecht als recht gelungen...wenn man sich um sein Kind sorgt, und sei es noch so klein...dann schaltet sich die Vernunft aus....rnrnEnde der 13 Woche hab ich mir dann gedacht: wenn das Baby bleiben will bleibts, wenn nicht, dann verlässts uns halt...Schicksal... rnrnMittlerweile hab ich mich nur noch 5 mal am Tag übergeben, unter echt schlimmen Schmerzen. Kotzen ging nur unter husten bzw. schreien...ich musste trainieren meine Pleura so zu überlisten dass sie genug aufgeht um ein würgen, sprich erbrechen möglich zu machen... die, die das mal gehört haben, sorry liebe Nachbarn, wissen dass es nicht so toll war... meine Kinder haben mir am meisten leid getan...ich weiß vom Großen dass er es fast nicht ausgehalten hat und die Schreie für ihn das schlimmste waren....rnrnIch wollte am liebsten nur noch sterben: ich hab oft an die Narkose gedacht...es wäre so schön zu wissen jetzt schläft man ein und wenn man aufwacht ist alles vorbei. Das hätte ich mir für die Schwangerschaft auch gewünscht.rnrn15 Kilo hatte ich bereits abgenommen und mit dem letzten KH Tag war auch die künstliche Ernährung vorbei. Ich konnte fast schon einen dreiviertel Liter selber trinken und etwa 200 Gramm feste Nahrung pro Tag zu mir nehmen. Von einer Gewichtszunahme war ich weit entfernt, aber in erster Linie ging es darum nicht weiter abzunehmen.rn rnAb der 17. Woche habe ich festgestellt, dass mir meine Symphyse zu schaffen macht...anfangs nur bei Belastungen, wie stehen und bücken und gehen.. aber mit wachsendem Kind wurden die Schmerzmomente zahlreicher und schlimmer. Ich hatte in meiner zweiten SW bereits eine leichte Symphysenlockerung, die war aber kaum der Rede wert.rnDieses mal wurde es von Tag zu Tag schlimmer, bis ich eines Tages von der Hüfte an abwärts Lähmungserscheinungen hatte. Die Schmerzen waren derartig qualvoll dass ich nicht mehr geschlafen hab bzw. nur dann, wenn ich vor lauter Erschöpfung zusammengebrochen bin. Im Schnitt hatte ich 1-2 Stunden Schlaf pro Tag und da die Schmerzen permanent, sprich 24 stunden täglich andauerten, bin ich fast verrückt geworden. Manchmal konnte ich, wie gesagt, nicht mehr gehen, ich konnte mich nicht drehen, oder seitlich liegen... die letzten Monate vor der Geburt sollte ich im Bett sitzend verbringen.rnrnHoffnung auf Besserung gabs keine, diese Illusion haben mir die Ärzte recht schnell genommen. Ich hab zwar alles mögliche unternommen, aber erlösen konnte mich nur die Geburt.rnDie starke Hyperemsis hielt sich 30 lange Wochen!!! Die Ärztin bei der ich zu den Kontrollen im KH war, war dermaßen entsetzt über meinen Zustand dass sie mich gefragt hat ob ich nicht einen KS zwei Wochen vor dem Termin haben möchte: Es sei meine Entscheidung, sie würde mir eine Rettungstür aufhalten, aber durchgehen müsste ich selber.rnrnEs war der 29. März, knapp ein Monat vor meinem Entbindungstermin, als ich in der Nacht aufgewacht bin und kein Gefühl mehr in den Beinen hatte: ich konnte weder mit den Zehen wackeln, geschweige denn die gesamten Beine bewegen.In der Früh hab ich meinen Gyn angerufen, der mir gesagt hat ich solle sofort ins KH fahren. „Das Kind ist überlebensfähig, RAUS DAMIT“ Das waren seine Worte...rnIch wurde stationär aufgenommen, von verschiedenen Orthopäden und Neurologen untersucht. Die Gefahr war dass die Symphyse, die vorne aufgeht, die nerven hinten im Kreuzbein einklemmt und ausfallen lässt und ein Ausfall ist dann für immer. Eine Magnet Resonanz wurde angeordnet um zu schauen ob ich bereits bleibende Schäden hätte, Gott sei dank waren die nerven in Ordnung und die Orthopäden haben gesagt dass diese Lähmungen wohl Schmerzblockaden sind. rnrnMein Mann und ich haben uns mit dem Ärzteteam abgesprochen und beschlossen, das Kind so lange wie Möglich noch drinnen zu behalten, und wenn ich gar nicht mehr kann, dann soll es geholt werden.rnrnIch hab gekämpft bis zum Schluss, aufgegeben hab ich am 3. April. Zufällig waren grade während der Visite die Reinigungskräfte am Bett beziehen. Die Ärzte haben mir zugeschaut wie ich „aufgestanden“ bin, sind kurz kurz vor die Tür... ich hab noch Wortfetzen verstanden wie was machen wir mit ihr? rnrn2 Oberärzte kamen zurück und sagten wir holen morgen das Kind um 10...Und so ist es geschehn: unser stolzer Knabe erblickte am Vormittag das Licht der Welt. Glück im Unglück: Er wäre bei einer normalen Geburt wahrscheinlich gestorben, wenn nicht schon früher, weil er einen richtig straffen echten Nabelschnurknoten und diese zusätzlich 2 mal um den Hals gewickelt hatte.rnrnNaja, und dann wars vorbei... Eine der betreuenden Ärztinnen hat mich oft mit einem Kopfschütteln angeschaut und gesagt: „Das darf nicht wahr sein... ich verspreche ihnen dass sie die nächsten 30 Jahre gesund bleiben, wir haben ihnen eh schon fast alles raus geschnitten :D“rnrn