Mika

 
Mika kann derzeit mit einem Antidepressiva in niedriger Dosierung gegen die Übelkeit geholfen werden und sie kann wieder am Alltag teilnehmen (17.01.2013)
 
Liebe Leidensgenossinnen,rnrnmeine erste Schwangerzeit war von anhaltender Übelkeit geprägt war (7. Woche bis zur Entbindung) und gelegentlichem Erbrechen, bis zur 2. Schwangerschaft habe ich mir 4 ½ Jahre Zeit gelassen. Nachdem ich oft genug den Spruch gehört hatte: „Ach, jede Schwangerschaft verläuft anders…“, hatte ich Hoffnung, dass es besser werden würde. Leider kam es viel viel viel schlimmer.rnrnAb der 6. Woche setzten Übelkeit und Erbrechen ein. Ich war durchgehend bettlägrig und musste mich übergeben, sobald ich mich zuviel bewegte. Ich kotzte nachts, wenn meine Tochter wach wurde und nach mir rief, ich kotzte, wenn sie sich morgens neben meinem Bett anzog und mich unterhielt, ich kotzte, wenn ich auf’s Klo musste.rnrnMein erster Krankenhausaufenthalt war schon in der 8. Woche nötig (Infusionen und Co.), man verpasste mir das Medikament Zofran. Hiermit gelang es mir immerhin, mich zu Hause allein mit Flüssigkeit zu versorgen.rnrnSämtliche homöopathieschen Behandlungsmethoden waren fehlgeschlagen, ebenso Akupunkturen durch meine Hebamme oder die Gabe herkömmlicher Mittel wie Vomex. In meiner Odyssee nach Heilung - ich wollte mich mit meinem Zustand nicht abfinden - empfahl man mir einen Arzt für traditionelle chinesische Medizin, der Akupunktur in tibetischen Klöstern gelernt und noch jede Übelkeit therapiert hätte. Im Zuge dieser Behandlung wurde das Erbrechen so schlimm wie nie zuvor, und ein zweiter Krankenhausaufenthalt war unvermeidlich.rnrnEine engagierte Krankenhausärztin, die mich bereits beim ersten Mal behandelt hatte, war bereit, neue Wege zu gehen, und fand eine Lösung. Eine niedergelassene Kollegin von ihr, die schwangere Depressive behandelt, hatte herausgefunden, dass die Gabe eines bestimmten Antidepressivas Übelkeit und Erbrechen stoppt, sozusagen als Nebenwirkung. Zwar ist die Hyperemesis nicht psychischer Natur sondern körperlicher, jedoch haben viele Antidepressiva praktische Begleiterscheinungen, z.B. auch schmerzstillender Natur.rnrnIch bekomme nun seit ca. 2 Wochen täglich 7,5 mg. des Antidepressivas Mirtazapin; zum Vergleich: die Behandlung von Depressionen erfordert 15-45 mg. täglich. Dieses Medikament ist in der Schwangerschaft schon häufig gegeben worden und scheint unbedenklich zu sein, obgleich es – wie so Vieles andere – nicht explizit freigegeben ist. Seit Beginn dieser Medikation in der 14. Woche habe ich nicht mehr erbrochen.rnrnZwar ist mir nach wie vor übel, teilweise den ganzen Tag, jedoch handelt es sich um eine Art von Übelkeit, die zu ertragen ist. Es ist mir nun möglich, bedingt am Alltag teilzunehmen und mal mit meinem Kind zu spielen, spazierenzugehen, Weihnachtskekse zu backen.rnrnIch hätte mir nicht vorstellen können, die Schwangerschaft weitere 6 Monate unter der Hyperemesis durchzustehen. Wir sind kurz vorher umgezogen, und meine kleine Tochter war aufgrund dessen gerade ohnehin entwurzelt, durch meine Krankheit und meine Krankenhausaufenthalte dann total verunsichert.rnIch selbst war durch eine vorher durchgemachte längere Krankheit noch entkräftet und psychisch / physisch nur begrenzt leidensfähig.rnrnWas für mich in dieser Zeit enorm wichtig war, war der Gedanke an einen Ausweg. Ich habe mir bis zuletzt die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs offengehalten. Allein durch den Gedanken, dass ich mein Leiden beenden kann, war es mir möglich, weiter durchzuhalten. Ich erwähne dies, damit Leidensgenossinnen wissen, dass sie mit diesen Gedanken nicht allein sind. Auf Verständnis stösst man damit jedenfalls oftmals nicht. Die Freundschaft zu meiner ehemals besten Freundin ist daran zerbrochen.rnrnAls sehr demütigend empfand ich generell das mangelnde Verständnis. Fast alle meiner Gesprächspartner konfrontierten mich zunächst mit Sprüchen wie „Das hatte ich auch, glauben Sie mir, ich habe genau das Gleiche wie Sie durchgemacht…“ (Nein, bestimmt nicht!) oder „Für ein Kind würde ICH alles tun…“ (Möge Deine Arroganz auf Dich zurückfallen!) oder „Das gehört eben dazu…“ (Nein!) etc. Was eine Hyperemesis bedeutet, können nur die Betroffenen verstehen; die Belastung ist kaum auszuhalten.rnrnIch bin zutiefst dankbar, dass mein Leben nun wieder halbwegs normal verläuft und hoffe sehr, dass dies auch bis zur Entbindung Anfang Juni 2013 so bleibt; wünscht mir Glück!rnrnHier nun die Adressen, wo ich Hilfe fand:rn- Klinikum Pinneberg, Gynäkologie, Frau Dr. Braun, Fahltskamp 74,rn25421 Pinneberg, Tel. 04101-217-0, www.klinikum-pinneberg.dern- Dr. Almut Dorn, rnSchwerpunkt: Gynäkologische Psychosomatik,(keine Gynäkologin) Beselerstraße 8, 22607 Hamburg, Tel. 040-8816 9903, www.almutdorn.de (Achtung: Dies ist eine Privatpraxis, die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Ich selbst habe Frau Dorn nie kennengelernt; sie ist es jedoch, auf dessen Empfehlung die Krankenhausärztin die Medikation mit Mirtazapin begonnen hat.)rnrnIch wünsche Euch alles Glück, Durchhaltevermögen und Kraft und hoffe, dass mein Tipp auch Euch hilft!rnrnMikarn