Lana

 
Lana ist noch schwanger (in ca.10 Wochen wird ihr Baby kommen). Sie hat sich alles von der Seele geschrieben, was sie die letzten Monate erlebt hat und schon beim Lesen bekommt man eine Gänsehaut...... (29.12.2014)
 
Ich bin jetzt in der 28 SSW und gehöre zu den Frauen die die Hyperemesis wohl bis zur Geburt mit sich rumtragen. Auf Besserung hoffe ich schon lange nicht mehr. Mein Bericht ist weniger ein chronologischer Ablauf meiner Story als eine Aufzählung von Fakten. Die ersten 4 Monate waren die Hölle. Ich war fast durchgehend in der Klinik. Ich habe nur erbrochen. Die ganzen Tage und die ganzen Nächte. Der Gallensaft war schwarz. An einigen Tagen konnte ich nicht mal Urin abgeben weil ich keinen Urin hatte. Ich habe wochenlang nichts gegessen, habe irgendwann einen Katheter zur künstlichen Ernährung in die Halsschlagader gelegt bekommen. Vor der Schwangerschaft wog ich 52 Kg. Mein schlechtestes Gewicht in der Klinik waren 44 Kg bei einer Größe von 160 cm. Ich konnte mir nicht die Zähne putzen, das hat mein Freund bei mir gemacht und auch nur alle paar Tage, wenn ich das Gefühl hatte ich schaffe es ohne zu erbrechen. Dabei saß ich im Bett und er kam mit meiner Zahnbürste, Kinderzahnpasta, einem Becher Wasser und einer Nierenschale. Ich musste beim Toilettengang gestützt werden, ich musste geduscht werden. Jeden Tag hatte ich schreckliche Schmerzen im Rücken und im Bauch vom Erbrechen, die sich nur mit regelmäßigem Anlegen von warmen Kirschkernkissen bisschen lindern ließen. Ich konnte nur im Sitzen schlafen (wenn überhaupt) und hatte Erstickungsanfälle wegen der Krämpfe in meinem Bauch. Auf Vomex reagierte ich mit Atemnot (was man mir auch nicht sofort geglaubt und womit man mich immer wieder gequält hat!). Ich bekam irgendwann dann 3 mal täglich MCP als Infusion. Das reichte nicht. Eine Psychologin begann mich zusätzlich mich Mirtazapin (Antidepressiva) zu behandeln. Außerdem bekam ich noch Tavor (Eine Art heftiger Stimmungsmacher) . Später wurde mir erst klar was da mit mir versucht wurde. Anstatt mir Zofran oder Kevatril zu geben was nämlich wirklich geholfen hat, haben die mich verarscht und mir Kochsalz - Infusionen mit dem Aufkleber „Kevatril“ verpasst. Die dachten ich bin so eine Bekloppte die sich nur einbildet, dass ihr nichts außer diesen Mitteln hilft (Mein Freund hat mir sehr viel später nach der Entlassung gestanden, dass er darüber informiert war). Wahrscheinlich haben die mir kein Zofran gegeben weil es so schön teuer ist! Heutzutage kaufe ich nämlich für ca. 50 Euro eine Schachtel mit nur 10 Tabletten von denen ich jeden Tag eine nehme und wie es aussieht die Dosis bald auch noch erhöhen muss! Ich wüsste garnicht wie ich überleben sollte wenn mir nicht meine Mutter meine Medikamente bezahlen würde! Ich habe damals gefragt ob ich noch Zofran bekommen kann weil es so gut geholfen hatte, da meinte diese Krankenschwester allen Ernstes zu mir: „Sie bekommen schon alles was Sie bekommen sollen.“ So nach dem Motto, geben Sie sich vertrauensvoll in unsere Hände und achten sie doch bitte selbst nicht darauf was Ihnen gut tut und was nicht, wir wissen hier sowieso alles besser. Von der Theorie mit dem Helicobacter wollten die da schon mal gar nichts hören und haben pampig reagiert. Als das Mirtazapin solche Nebenwirkungen entwickelte, dass ich mit Herzrasen und Muskelkrämpfen mit dem Rettungswagen zurück ins Krankenhaus musste (ich wurde nämlich in den ersten 4 Monaten immer mal wieder entlassen weil`s mir angeblich ja wieder gut ging), hab ich dann auch noch gesagt bekommen, das käme nicht davon und ich soll das schön weiterhin schlucken und außerdem sei das ne Frechheit, dass ich hier wieder so ne Panik mache und mit dem Rettungswagen komme, ich soll gefälligst demnächst mit dem Taxi kommen. Ach ja und angeblich sei meine Mutter auch noch Schuld daran, dass es mir immer so schlecht geht weil sie Panik verbreite und mir einrede, dass es mir nicht gut geht. Dabei war und ist meine Mutter der einzige Mensch der mich wirklich vollständig versteht und so aufopferungsvoll für mich da ist wie niemand sonst. Ich habe das Antidepressivum einfach selbst abgesetzt und die Psychologin angelogen von wegen es ginge mir besser, damit die nicht mehr bei mir anruft und mich zu sich für diese Sitzungen bestellt. Ich habe das Gefühl an mir sei geforscht worden. Mit mir seien irgendwelche Experimente gemacht worden. Eigentlich bin ich mir da ziemlich sicher, denn ich habe auch noch so nen psychologischen Wisch unterschrieben in dem es um die Aufnahme meiner Daten auf anonyme Weise in die Datenbank ging. Mein Wunsch nach einem Schwangerschaftsabbruch wurde einfach zurückgewiesen. „Nur weil Ihnen schlecht ist, bringen wir hier keine gesunden Kinder um“. Dabei war ich noch innerhalb der 12 Wochen Frist und hätte verdammt noch mal das RECHT auf einen Abbruch gehabt! Ich fühle mich seitdem wie vergewaltigt, als ob mit dem Eintritt dieser Schwangerschaft jeder über meinen Körper bestimmen kann wie er will nur ich nicht. Ist dieses Stück nun hier und umsorgt mich, kauft meine Medikamente und verhindert dass ich Suizid begehe??? Ach so schön moralisch hat sie das einfach mal entschieden, dass ich mein Kind nicht abtreiben darf und nun ist meine Mutter diejenige die ihren Job aufgeben musste und mir jede Woche mein Zofran kaufen muss! Ich war in einem so schrecklichen Zustand, ich brauchte Hilfe um aufs Klo zu gehen, denen war da klar, dass ich nen Dreck aufstehen und einfach mal aus der Klinik rausmarschieren kann um mir jemanden zu suchen der so nett ist mich von meinem Leiden zu erlösen! Das Essen war ein absoluter Witz! Es ist doch klar, dass man sich mit dieser Störung nicht von dem Zeug ernähren kann was die da anbieten! Irgendwann kam der Tag an dem ich für mich verstanden habe, dass ich wohl sterben werde. Das hat auch keiner ernst genommen. Klar, bei Essgestörten wird gleich die Alarmglocke geschlagen weil die nichts essen und bei einer Schwangeren die dazu auch noch nichts trinken kann und deren Blutgefäße schon so vertrocknet und kaputt sind, dass eine Kanüle kaum länger als paar Stunden hält und ständig neu gelegt werden muss, da lachen die einen regelrecht aus wenn man Todesangst hat. Die Psychologin die mich behandelt hat, hat mir die Diagnose „Angststörung“ angehängt. Außerdem habe ich mitbekommen wie die da eine im 8 Monat schwangere Patientin ENTLASSEN wollten, die sich aber gewehrt hat und gebettelt hat noch zur Beobachtung bleiben zu dürfen, die sie Ewigkeiten nicht untersucht haben und irgendwann kam dann raus, dass sie Krebs hat. Ich habe überhaupt kein Vertrauen mehr und habe das Gefühl als Schwangere wird man abgestempelt, man bilde sich nur ein körperliche Beschwerden zu haben. Nach meinem letzten Aufenthalt in dieser sogenannten „Klinik“ habe ich mir geschworen nie wieder dahin zu kommen, egal was auch kommen mag. Zusätzlich zum Zofran nehme ich mehrmals täglich Iberogast gegen Schmerzen im Magen und Darm. Gegen Sodbrennen hat mir Gaviscon sehr gut geholfen. Jeden Tag zwinge ich mich zu essen, denn ich habe überhaupt keinen Appetit. Ohne Zofran erbreche ich pausenlos Galle. Zur Zeit bin ich viel am googlen was das Thema Frühgeburten und geplante Kaiserschnitte betrifft. Von allen Seiten ( außer von meiner Mutter, der heiligen Frau) ernte ich nur Unverständnis, klar die sollen mal 2 Wochen mit dem Zustand leben, in dem ich mich seit 7 Monaten befinde und dann reden wir nochmal über deren moralische Ansichten von denen ich Gott weiß auch sooo viele hatte, bevor mir diese Hyperemesis widerfahren ist! Mit dieser Hyperemesis musste ich irgendwie meinen Antrag auf Hartz 4 und die Baby- Erstausstattung über die Bühne bringen. Mit dieser Hyperemesis musste ich mich mit anderen Behörden und der Krankenkasse rumschlagen, die alle nicht begreifen, dass ich eigentlich unfähig bin auch nur aufzustehen an manchen Tagen. Mit dieser Hyperemesis lebe ich, kotze ich, esse wieder, weine, lege mich schlafen und stehe wieder auf. Im Krankenhaus habe ich mal eine Zeile geschrieben, die ich letztens in meiner Schublade wiedergefunden habe. „ Mein Körper ist ein Konzentrationslager und meine Seele ein Gefangener“. Es ist ein Leben mit täglichen Schmerzen und mit täglichen Qualen. Und dieses eine Mal ziehe ich das irgendwie durch und ich will dieses Baby. Aber ich will nie wieder schwanger werden dabei habe ich mal von einer großen Familie mit vielen Kindern geträumt. Ach ja und allen die ein Baby planen und vermuten sie könnten von einer Hyperemesis getroffen werden: plant es nicht im Sommer! Bei Hitze trocknet man sehr viel schneller aus und wenn man nicht „nachfüllen“ kann wegen der schlimmen Übelkeit, dann ist man innerhalb weniger Stunden dehydriert.