Anna

 
Anna hat inzwischen ihr Wunschkind bekommen, aber ihre Seele hat durch die HG sehr gelitten (09.11.2015)
 
September 2014 stellte ich überglücklich fest, dass unser Wunsch nach einem Kind in Erfüllung ging und ich schwanger war.rnDie Freude hielt 2 Wochen, dann begann mein Albtraum. 4 Tage war mir übel und dann brach ich den ganzen Tag, stundenlang mit dem Kopf über dem Eimer bis nur noch Galle und Schaum kam. Nach 2 Tagen war ich fertig und kurz vorm dehydrieren sodass mich mein Partner um 3 Uhr nachts ins Krankenhaus fuhr. Dort bekam ich die üblichen Vomex Infusionen, die kaum etwas brachten. 2 Wochen lag ich im KH bis ich unbedingt heim wollte. Kaum 12 Stunden daheim in denen ich nur gebrochen habe, musste ich wieder ins KH. Nach einer weiteren Woche in der ich trotz Infusionen nur gebrochen habe wollte ich abermals heim. Damals war der Wille noch ungebrochen und ich dachte in ein paar Wochen wird es besser. Eine Nacht zuhause am Badezimmerboden mit stundenlangem würgen (es kam schon lange nichts mehr) musste ich wieder in die Klinik. Diesmal in ein anderes Krankenhaus mit der Hoffnung dass mir mehr geholfen wird. Ich hatte mittlerweile seit 3 Wochen keinen Bissen gegessen bzw. jeder Versuch scheiterte kläglich da alles wieder kam. Mir war 24 h Stunden üblich und nicht mal mehr der Schlaf erlöste mich. Aber eigentlich ging erst mit KH-Aufenthalt Nr 3 mein Albtraum wirklich los. Bis dahin dachte ich immer wieder, es hört auf. Die Ärzte sagten immer, warten Sie die 12. Woche ab, dann die 14., dann die 16…. Es wurde immer schlimmer. Ich brach Schaum und Blut, der Magen und die Speiseröhre waren entzündet und ich lag nur noch in meinem Krankenhausbett und wollte sterben. Infusionen mit Vomex brachten gar nichts, selbst Zofran/Ondansteron Infusionen mit hoher Dosis halfen kaum. Wochenlang lag ich. Freunde konnten mich nicht besuchen, ich war zu schwach. Mein wunderbarer Freund, der immer für mich da war, kam jeden Abend nach der Arbeit. Und immer ging er ohne mich nach Hause was mir fast das Herz brach. Ich weinte jeden Tag, oft konnte ich vor Übelkeit allerdings nicht mal mehr weinen. Ich lag nur da. Stundenlang. Mein einziger Trost war mein Freund, meine Mutter und meine wunderbare Freundin, die nicht müde wurde mir täglich aufbauende Worte zu schreiben. Wären sie nicht gewesen, dann weiß ich auch nicht. Ich werde es ihnen nie vergessen.rn rnWochenlang lag ich in dem Bett, nichts half. Wenn ich mal nicht kotzte, war mir speiübel und das 24 Stunden lang. Ich verzweifelte allmählich. Ich wollte dieses Kind unbedingt, war jedoch einfach unfähig mich zu freuen bzw. realisierte irgendwann nicht einmal mehr das ich schwanger war. Ich fühlte mich nur noch krank. Manchmal konnte ich nicht einmal mehr fühlen. Ich verlor natürlich massiv an Gewicht und verlor jegliches Körperbewusstsein. Ich hasste meinen Körper, den Zustand der Übelkeit, die Schwangerschaft und die Leute. Leute die sagten oder mir SMS schrieben, ob ich denn schon mal Zwieback in der Früh gegessen habe. Oder Ingwertee getrunken hätte. Ich hasste sie alle aus tiefster Seele. Freunde verstanden nicht warum sie mich nicht besuchen durften, mir wäre ja nur übel… Freundschaften zerbrachen an der Hyperemesis. Irgendwann wurde ich künstlich ernährt. Dieser Albtraum dauerte bis zum 5. Monat an. Dann durfte ich endlich das KH verlassen. Ich hatte panische Angst nach Hause zu kommen und eventuell wieder rein zu müssen. Mich musste man stützen, ich konnte in der Wohnung kaum etwas selbst. Mein Freund half mir bei allem und kümmerte sich sehr. Täglich nahm ich Zofran und Vomex, es half insofern dass ich zuhause bleiben konnte. Übel war mir trotzdem und gekotzt hab ich täglich mehrmals. Ich wartete jeden Tag darauf das der Abend kam und wieder ein Tag rum war. Meine liebe Mama die mich oft besuchte, mein unglaublicher, wundervoller Freund und die Telefonate mit meiner Freundin machten meine dunkle Zeit um einiges heller. Dafür bin ich so dankbar.rn rnDas Erbrechen gehörte zu mir. Ich habe mich keinen Tag normal gefühlt. Natürlich war es besser als mein Zustand im KH und ganz langsam konnte ich auch wieder essen und trinken. Auch enge Freunde besuchten mich. Bei manchen Leuten musste ich mich dann auch noch rechtfertigen wenn ich einen „guten“ Tag hatte. „Es geht doch eh!“ Aber es war trotzdem fürchterlich. Im ca 7. Monat gab ich die Hoffnung auf Besserung auf und ich hatte das Gefühl dass mein Leben an mir vorbeizieht. In der ganzen Wohnung waren Pappnierenschalen verteilt und ich benötigte sie oft. Mittlerweile kotzte ich und schrieb eine SMS währenddessen (an guten Tagen). In die Arbeit ging ich natürlich keinen Tag mehr und war krankgeschrieben. Ich wusste nicht mehr wie es war sich normal zu fühlen.rnUnd das ging so bis zur Geburt. Ich kotzte bei jeder Wehe(mir wurde auch zum Kaiserschnitt geraten aber der Gedanke danach im KH zu liegen widerstrebte mir so und ich wollte wenigstens eine natürliche Geburt.) Und so kotzte und kotzte ich, halluzinierte vor Schmerz (die gewünschte PDA bekam ich nicht, die Ärzte hatten keine Zeit sie mir zu legen…) Irgendwann war er da. Ich bekam einen wunderschönen Sohn den ich über alles liebe. Er kam nachts, in der Früh verließ ich das Krankenhaus. Es dauerte Wochen bis sich mein Körper von der Schwangerschaft erholte.rn rnUnd auch wenn die Hyperemesis vorbei ist, meine Seele ist noch nicht wieder geheilt. Ich fühle mich betrogen um jeden einzelnen Tag einer schönen Schwangerschaft, um das Freuen über das Baby, das Shoppen in Geschäften, einfach alles. Auch jetzt fehlen diese 9 Monate und manchmal bin ich ganz verwirrt dass bald der Winter kommt. Den letzten habe ich verpasst und nicht realisiert. Ich hatte immer den Wunsch nach einer Großfamilie. Das ist für mich das Schlimmste. Aber ein zweites Kind kommt für mich nicht in Frage. Wir werden uns irgendwann um eine Adoption bemühen und vielleicht ist es uns vergönnt auf diesem Wege ein weiteres Kind zu bekommen. Meine Psyche leidet immer noch und ich hoffe wenn mehr Zeit vergeht, dass die Erinnerung an diese Zeit verblasst und meine Wunden besser heilen.rn rn rnAnnarn rn