Stefanie

 
Die zweite Schwangerschaft hat sie noch mehr an ihre Grenzen gebracht.Das Leben zog an ihr vorbei. Jetzt ist sie dankbar und glücklich es geschafft zu haben (19.09.2017)
 
Liebe Chrissi,am 14.7.2014 wurde hier ein Erfahrungsbericht von mir veröffentlicht. Ungefähr drei Jahre später schreibe ich hier wieder. Wer hätte das gedacht?! Ich möchte kurz berichten, wie es nach dieser Zeit weiter ging und wie es mir in der zweiten Schwangerschaft erging.Mit den Wochen und Monaten nach der Geburt meines ersten Kindes im April 2014 verblassten die Erinnerungen an HG. Ich möchte nicht sagen, dass ich nicht mehr wusste, was für ein Horror es war, aber es war nun einfach nicht mehr so präsent. Als mein Sohn dann 1,5 Jahre alt war, kam der Kinderwunsch auf. Ein sehr starker... "Zum Glück", wurde ich zum gleichen Zeitpunkt sehr krank. Diese Krankheit führte dazu, dass ich ein Medikament nehmen musste, welches 1 Jahr lang jegliche Schwangerschaft ausschloss. Dieses Jahr Wartezeit war wohl meine Rettung, denn eine HG-Schwangerschaft mit so kleinem Kind wäre dann doch nochmal eine ganz andere Hausnummer.Wie viele HG-Frauen, wollte ich mich auf meine zweite Schwangerschaft vorbereiten. Ich kaufte mir die verschiedensten Medikamente und Mittelchen mit dem Vorsatz schon ab positiven Test loszulegen (ich habe mich an Deiner Homepage (Chrissi) orientiert). Ich suchte mir die beste Frauenärztin in der Gegend (ich wohne ländlich, viel Auswahl gibt es nicht, wenn man nicht ewig fahren will. Und wir wissen alle, mit HG kann man nicht weit fahren). Mein Mann hatte für diese Schwangerschaft über Monate Überstunden aufgebaut. Mein Papa (schon in Rente) war eingeweiht, dass er von Anfang an auf unseren Sohn nachmittags aufpassen muss, in der Krippe wurden die Stunden erhöht. Ich hatte Hörspiele für meinen Sohn gekauft, Filme und neue Bücher - alles zur Beschäftigung, falls ich wieder völlig außer Gefecht sein werde. Ich hatte sogar Geburtstagskarten für das komplette Jahr 2017 vorgeschrieben, damit ich in der Zeit der völligen Hilflosigkeit nicht wieder jeden und alles vernachlässige...Irgendwann kam der Tag des positiven Tests. Der 24.12.2016.... Ich freut mich wie ein Honigkuchenpferd... Mir war nicht schlecht. Mein Mann freute sich nicht, denn er wusste, dass es jetzt ernst wurde... Ich hatte ein super Gefühl, nahm gleich meine Medikamente und besuchte eine Hebamme alle zwei Tage zur Akupunktur. Ich war der festen Überzeugung, diese 9 Monate werde ich überstehen, komme was wolle. Diesmal bin ich stark, was sind schon 9 Monate im Vergleich zum restlichen Leben?!Es kam anders, leider... Schon kurz nach dem positiven Test, wurde mir sehr übel. Bei 5+4 konnte ich nicht mehr und die Kotzerei ging los. Mein Papa (meine Betreuungsperson für unseren Sohn (2,75 Jahre) wurde sehr krank und lag über zwei Monate im Krankenhaus. Mein Sohn erkrankte Anfang Januar selbst für 5,5 Wochen an einer schweren Magen-Darm Erkrankung und musste selbst ins Krankenhaus. Es war die pure Hölle... Mein Mann hatte dadurch seine Überstunden sofort abgebaut. In der 9. Woche lies ich mich ins Krankenhaus einweisen, ich konnte nicht mehr. Ich hatte wahnsinniges Glück mit diesem Krankenhaus. Man kümmerte sich rührend um mich und ich hatte sogar ein kostenloses Einzelzimmer. Wie dankbar ich dafür war. An meinem Zustand änderte es nicht viel, aber zumindest seelisch baute es mich auf, dass mich scheinbar jeder verstand. Sogar die Putzfrau, die jeden Morgen kam, war sehr lieb und verständnisvoll. Nach einiger Zeit kam ich wieder nach Hause, ich bekam depressive Gedanken (aber nicht so schlimm wie in der ersten Schwangerschaft)...Über Wasser hielt mich die ersten 12 Wochen nur der Gedanke daran, dass ich das Kind abtreiben könnte. Jederzeit konnte ich diesen Horror beenden. In dieser Zeit war mein Mann eine tolle Stütze, der zu mir meinte, dass er es verstehen würde, aber es dann auch nie wieder ein weiteres Kind geben würde und ich doch schon so lange durchgehalten hätte. Auch meine Eltern waren toll, ich konnte jederzeit bei ihnen übernachten. Sie putzen für mich das Bad (HG lässt grüßen), sie wechselten und wuschen die Wäsche. Eine schwere Magen-Darm Erkrankung bei kleinen Kind ist sehr zeitintensiv. Außerdem hatte ich diesmal das Gefühl von meinen Eltern verstanden zu werden. Meine Mama hat ganz viel im Internet über Hyperemisis Gravidum gelesen. Das hatte sie in der ersten Schwangerschaft nicht. Dank dieser Unterstützung entschied mich also jeden Tag von Neuem für das Kind.Die Übelkeit wurde diesmal in der 16. ssw tatsächlich besser (ich spuckte nur noch 4-5 Mal täglich, darunter leider oft Blut). Ich ging sogar wieder Arbeiten, mit Verbesserung der Übelkeit kam aber ein anderes Leiden hinzu, extremer Speichelfluss. Dies war absolut ekelhaft. Ich hatte immer ein Handtuch bei mir, da es mir unmöglich war zu schlucken. Die Handtücher waren innerhalb kürzester Zeit durchnässt. Es war mir äußerst peinlich, aber es lies sich nicht ändern. Ungefähr 6 Wochen litt ich unter dem Speichelfluss.. In dieser Zeit ekelte ich mich oft vor mir selbst.Nach dieser schlimmen Zeit wurde es wieder besser. Die Übelkeit blieb, aber die Kotzerei wurde weniger. Ja, sie stellte ich in der (ungefähr 30.ssw) total ein. Welch ein Wunder, hatte ich mich doch in der ersten Schwangerschaft bis in den Kreissaal übergeben müssen. Ich besuchte die Kloschüssel nur noch an Tagen, die anstrengend für mich waren. Was bedeutet anstrengend? Staubsaugen des Wohnzimmers oder meinen Sohn einen Tag komplett betreuen oder Spiegel putzen oder Spülmaschine ausräumen.... Jede einzelne dieser Kleinigkeiten führte zum absoluten Ausnahmezustand. Also lies ich es und ich tat den ganzen Tag fast nichts. Mein Haushalt war dramatisch vernachlässigt Ich war absolut kraftlos, ich schaffte es vom Bett aufs Sofa. Von Sofa auf die Gartenbank.... Aber mir ging es deutlich besser wie in der ersten Schwangerschaft....Der große Unterschied, den ich allerdings absolut unterschätzt hatte, war mein Sohn. Es ist eine wahnsinnige Belastung eine HG-Schwangerschaft mit Kind durchzustehen. Ständig hat man das Gefühl, dass das Kind darunter leidet. Man kann nicht so viel Einsatz geben, wie man möchte. Durfte mein Sohn bisher noch gar kein Fernsehen schauen, setzte ich ihn in den ersten Wochen (der Schwangerschaft) sehr lange vor den Fernseher. Ich hatte zum Glück schon vor meiner Schwangerschaft Videos herausgesucht, so dass er sich wenigstens nicht den größten Schrott ansehen musste. Ich war sehr froh, dass mein Sohn schon etwas "älter" war. Er war alt genug, dass er sich auch mal 30 Minuten allein beschäftigen konnte, er war alt genug, dass ich ihn auch mal kurz, spontan alleine im Wohnzimmer lassen konnte, wenn ich doch schnell ins Bad stürmen musste. Er verstand sehr schnell, dass es seiner Mama nicht gut ging und er verstand auch schon gut, dass ich oft meine Ruhe brauchte. Und er ging erstaunlich gelassen damit um, obwohl er das absolute Mama-Kind war und ist.... Ich war in meiner "Erziehung" sehr nachlässig. Ich musste ihm viel erlauben (vor allem Süßigkeiten, Dinge nicht aufzuräumen,...), weil ich mich einfach nicht durchsetzen konnte. Ich hatte keine Kraft für ein trotziges Kind, also habe ich den Kampf gar nicht angefangen... Meine größte Sorge war, dass ihm diese fast 9 Monate schaden würden. Im Nachhinein kann ich sagen, es hat ihm definitiv nicht geschadet.rnIm Gegenteil, er hat eine super Beziehung zu seinem Opa bekommen. Der Opa war nach seiner Krankheit 1-3 Mal die Woche bei uns oder wir haben dort übernachtet. Dass man nicht jeden Tag Eis essen darf und man eben Dinge aufräumen muss oder Schuhe an der Türe auszieht, das hat er gegen Ende der Schwangerschaft auch schnell verstanden. In der Krippe wurde mir auch versichert, dass man ihm absolut nichts angemerkt hatte. Meine Sorgen waren absolut unberechtigt. Mein erstes Kind litt nicht unter der HG-Schwangerschaft. Und er liebt sein Geschwisterchen über alles.Auch wenn meine letzte Schwangerschaft nicht so schlimm war wie meine Erste, so möchte ich diesmal definitiv keine weitere Schwangerschaft durchstehen müssen. Das hat mehrere Gründe:rn1) Die Schwangerschaft hat mich diesmal noch mehr an meine Grenzen getrieben. Körperlich war ich so am Ende. Dies kann man sich wohl nur vorstellen, wenn man selbst einmal unter HG litt. Einige Beispiele: Ich konnte die komplette Schwangerschaft nur im Sitzen oder liegen duschen, wenn überhaupt. Nach dem Duschen lag ich teilweise nackt auf dem Boden, habe gefroren, aber es nicht geschafft mich abzutrocknen. Es gab Tage, da habe ich es nicht geschafft aufzustehen und zwei Meter zu gehen, um mir etwas zum Essen zu holen. Es gab Tage, da hatte ich nichts zum Anziehen, da ich es nicht geschafft hatte meine Wäsche zu waschen (mein Mann war durch die Arbeit 70 Stunden die Woche außer Haus und er war noch nie ein guter Hausmann, wenn ich ihm nicht genaue Anweisung gab, was er machen muss, vergaß er es oft). Teilweise saß ich auf dem Sofa und habe es nicht geschafft, das Fenster zu schließen, obwohl es eisig kalt oder die Hitze von draußen kam. Einmal in der 33.ssw habe ich es in DM geschafft, ich wollte mit meinem Sohn einkaufen. Blöde Idee, letztendlich saß ich am Boden und hatte keine Kraft mehr aufzustehen... Ich war 8 Monate lang absolut kraftlos. Ich hatte diesmal ernsthaft das Gefühl, dass mein Körper diesen Ausnahmezustand nicht noch einmal überstehen kann. Ich hatte teilweise sogar das Gefühl, sterben zu müssen. Ich möchte meinem Körper das nicht mehr antun.rn2) Ich konnte die komplette Schwangerschaft über nichts trinken und das, wo es hier von Mai bis einschließlich Juli durchgegehend extrem heiß war. Ich trank zwei Wochen ausschließlich Cola, zwei Wochen ausschließlich Oragensaft, usw. Dann gab es Wochen, wo keinerlei Flüssigkeit in mir blieb und ich mich ausschließlich von Wassermelone ernährte, es gab Wochen, wo ich ausschließlich Eiswürfel mit Geschmack lutschen konnte... Das Gefühl Durst zu haben und zwar so richtigen Durst und nicht nur über ein paar Stunden, aber nichts trinken zu können, das ist furchtbar. Das kann man sich wohl nur vorstellen, wenn man es selbst erlebt hatte.rn3.) Ich fand diese Schwangerschaft wieder so wahnsinnig ungerecht. Acht komplette Monate meines Lebens sind an mir vorbeigezogen. Während andere Schwangere Umstandskleidung kaufen, Babysachen shoppen, ins Freibad gingen, am See lagen, abends im Biergarten saßen oder im Winter eine Schneewanderung machten, während all diesen tollen Dingen, lag ich im Bett, auf dem Sofa oder versuchte irgendwie das Leben nicht komplett aus den Rudern laufen zu lassen. Ich konnte nicht einmal einen Supermarkt betreten, ich konnte kein Eis mit meinem Sohn essen gehen, es ging über Monate, da konnte ich meinem Kind nicht einmal seine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen....rnEs ist so unfair und ungerecht und das lässt sich nicht leugnen: 8 Monate meines Lebens vergeudet. Der tolle Winter, ein schöner Frühling, ein heißer Sommer, alles habe ich mehr oder weniger an mir vorbei ziehen lassen müssen. Natürlich lässt sich sagen, ich habe ein wunderbares Baby. Aber sind wir ehrlich, andere haben dieses Glück auch und haben am Ende ein tolles Baby in den Händen, aber bei weitem nicht so gelitten. Andere sind schwanger haben die üblichen kleinen Wehwehchen wie Rückschmerzen, Sodbrennen, Wassereinlagerungen, mit denen man als HG-Schwangere auch zu kämpfen hat, aber diese sind eine Kleinigkeit zu dem Rest, den man durchleben muss.... Ich fand es diesmal einfach unendlich unfairrn4.) Diese Schwangerschaft hat mich an die Grenzen meiner Beziehung zu meinem Mann getrieben. Wir hatten 2017 unser 12-jähriges Beziehungsjubiläum. Aber trotz 12 toller Jahre, wollte ich mich Ende der Schwangerschaft ernsthaft von meinem Mann trennen. Er war nicht mehr Herr der ganzen Sache, er war nicht mehr Herr des Haushaltes, alles wuchs ihm über den Kopf, er gab sein bestes, aber er schaffte es nicht. Ich war allerdings nicht in der Lage ihn zu verstehen. Ich war sogar neidisch und eifersüchtig auf ihn, weil er sein Leben für unser Baby nicht so verschwenden musste. Hormone können einfach schrecklich sein.rn5. Mein Papa wird bald 70. Er war für mich die wichtigste Entlastung über die Schwangerschaft. Ob ich mich in 3 Jahren noch darauf verlassen könnte, dass er jederzeit 120 km fährt?rn6. Weitere Gründe gibt es noch, aber die haben nichts mit HG und der Schwangerschaft zu tun. Arbeit, Geld, Größe der Wohnung/Autos...Ich bin dankbar und überglücklich ein zweites gesundes Kind bei mir zu haben. Ich habe mein Glück ein zweites Mal herausgefordert, aber nun möchte ich Leben, ich möchte meinem Körper Ruhe gönnen. Ich möchte glücklich sein und nicht mehr so undankbar und neidisch auf andere, die diesen Weg nicht gehen mussten....Ja, auch diesmal muss ich sagen, es lohnt sich durch die Hölle zu gehen. Und ich kann nur jeder werdenden HG-Mama empfehlen durchzuhalten, denn ich kann nur sagen:rn"Das Glück noch einer HG-Schwangerschaft ist unbeschreiblich, aber die Hölle davor leider auch...."Und kurz möchte ich noch Dir Chrissi Danke sagen. Danke für Deine Homepage. Sie hat mich auch immer wieder über Wasser gehalten. Danke, dass Du diese Homepage noch pflegst, obwohl so viele Jahre seit Deinen Schwangerschaften in Land gezogen sind. Auch wenn wir uns in den vergangenen Monaten nie geschrieben haben, so hast Du einen Teil dazu beigetragen, dass hier neben mir ein wenige Tage altes süßes Baby liegt. rnLiebe Grüße Stefanie