Jennifer

 
Jennifer hat in ihrer zweiten Schwangerschaft 12kg abgenommen und wurde dennoch von einigen Ärzten nicht ernst genommen.Der Umgang mit ihr als Patientin ist mitunter erschütternd (20.12.2017)
 
Die meisten, die das lesen, suchen vermutlich gerade einen Ausweg. Daher möchte ich aus meiner Erfahrung heraus allen Betroffenen, denen bislang nicht geholfen wurde und die verzweifelt und kraftlos sind, raten:rnrn rnrn1. Schickt euren Angehörigen und Freunden einen Link zu Chrissis Erfahrungsbericht. Niemand kann verstehen, was wir durchmachen und wir haben nicht die Kraft, es zu erklären. Diese Berichte auf Chrissis Seite helfen den Außenstehenden ungemein, sich hineinzuversetzen!rnrn2. Es gibt Hilfe. Es gibt mehr als Flüssigkeitsversorgung per Infusion und Vomex intravenös. Wenn das nicht hilft und die behandelnden Ärzte nicht von sich aus eine andere Therapie vorschlagen, dann sucht euch woanders Hilfe oder bittet eure Familie/Freunde darum, das in die Hand zu nehmen!!! Nicht alle Ärzte reagieren kompetent bei Hyperemesis, wie ihr auch in meiner Geschichte lesen könnt, man darf sich damit aber nicht abfinden.rnrn3. Es gibt eine Website der Berliner Charité, sie lautet www.embryotox.de. Dort kann man sich als Schwangere informieren und auch kostenlos am Telefon beraten lassen, welche Medikamente gegen Übelkeit in der Schwangerschaft geeignet sind. Auch Ärzte und Apotheker können dort anrufen und sich beraten lassen. Dort wird zum Beispiel Agyrax als DAS Mittel der Wahl empfohlen. Da es aber aus rein wirtschaftlichen Gründen in Deutschland nicht mehr verfügbar ist, behandeln viele Ärzte und Krankenhäuser nicht damit. Man kann es aber ganz einfach besorgen! Entweder ein Privatrezept vom Hausarzt ausstellen lassen und von einer Apotheke importieren lassen (relativ teuer) oder selbst bei einer online Apotheke in Belgien bestellen (mir wurde diese empfohlen: www.zwitserseapotheek.com/de/) oder einfach jemand über die Grenze schicken und das Medikament selbst in Belgien (rezeptfrei) oder Frankreich (ich glaube rezeptpflichtig) oder in der Schweiz (da weiß ich es nicht) besorgen.rnrn4. Stellt einen Antrag auf Haushaltshilfe! Krankenkasse anrufen oder online ein Formular runterladen, ausfüllen, vom Arzt ausfüllen lassen und dann am besten persönlich bei der Krankenkasse vorbeibringen (vom Partner z.B.). Der persönliche Kontakt hat sich als sehr prozessbeschleunigend herausgestellt :-).rnrn5. Lasst alle Freundinnen ihre Gynäkologen abtelefonieren und rausfinden, wer bereits Hyperemesis Schwangerschaften erfolgreich behandelt hat und wechselt alsbald möglich (meist zum neuen Quartal) den Gynäkologen.rnrn rnrnNun meine Geschichte, zunächst ein paar Fakten zu mir. Ich bin 34 Jahre alt, verheiratet und habe bereits einen 3,5-jährigen Sohn. Meine erste Schwangerschaft verlief relativ normal, ich hatte im ersten Trimester ein paar Wochen lang mit großer Übelkeit zu kämpfen, musste mich mehrmals täglich übergeben und lag abends nur noch auf der Couch, völlig unfähig, diese zu verlassen. Ein paar wenige Male habe ich ganz dunkles Blut erbrochen. Ich war aber in der Lage, vollzeit in einem stressigen Beruf zu arbeiten und ich habe auch kein Gewicht verloren. Es war nicht schön, aber es war auszuhalten und es ging nach Woche 12 langsam weg.rnrn rnrnDieses Jahr haben mein Mann und ich das zweite Kind in Angriff genommen und es hat tatsächlich auf Anhieb geklappt. Wir waren zunächst ziemlich überrascht, dass es doch so schnell ging und dass das "Abenteuer 2. Kind" jetzt plötzlich real wird. Den ersten Anflug von leichter Übelkeit verspürte ich Anfang der 6. Schwangerschaftswoche, es war eine schöne Bestätigung der Schwangerschaft und ich habe es nicht als unangenehm empfunden. Überhaupt dachte ich, dass es diesmal vermutlich viel besser laufen wird, da ich inzwischen in Teilzeit in einem ruhigen Job arbeite und die Nachmittage mit meinem Sohn und Freunden verbrachte, was ich sehr genossen habe. Die Übelkeit der ersten Schwangerschaft war bestimmt nur das Produkt des großen Stresses, dem ich mich damals mit dem Vollzeit Job ausgesetzt habe. So dachte ich. Diesmal wollte ich es also ruhig angehen lassen, ich nahm mir am frühen Nachmittag immer eine Auszeit auf der Couch, statt mich um den Haushalt zu kümmern. Gen Ende der 6. Woche war die Übelkeit schon unangenehm und auch das Erbrechen hatte begonnen. Ich musste zum ersten Mal für 2 Tage der Arbeit fern bleiben. Nach dem langen Wochenende fühlte ich mich Montags wieder in der Lage, die Arbeit aufzunehmen und ahnte noch nicht, dass bereits der Folgetag der letzte Arbeitstag vor wochenlanger Krankheit sein sollte. Es sollte auch der letzte Tag sein, an dem ich mich ansatzweise um mein Kind kümmern konnte.rnrn rnrnDa es auf Chrissis Seite so viele Berichte darüber gibt, was man bei Hyperemesis erleidet, wie man sich fühlt und was man denkt, versuche ich, diesen Aspekt kurz zu halten und möchte mehr von meinen ernüchternden Erfahrungen mit Ärzten erzählen und wie ich dann am Ende einen Weg aus meinem Sumpf fand.rnrn rnrnIch erlebte 6 Wochen, die alles beinhalten, was Hyperemesis zu bieten hat. Vergleichsweise kurz aber heftig würde ich meine Bekanntschaft mit der Krankheit nennen. Fast alles Verzehrte wieder erbrechen, pausenlose Übelkeit, endloses Erbrechen trotz leeren Magens, Erbrechen von Galle und anschließend immer wieder von Blut, völlige Kraftlosigkeit, Verlust von 20% meines Körpergewichtes (von 61 auf 49 kg) sind meine Highlights. Ich hatte keine Kraft zu sprechen, schon gar nicht um meinen Zustand zu erklären. Jeder Reiz war mir zu viel und ließ mich wieder erbrechen: Gerüche, Geräusche, Stimmen, mein Handy oder auch der Fernseher. Das einzige, was ich konnte, war Bücher lesen und aus dem Fenster starren. Ich wusste nicht mehr, was für meinen Körper richtig und was falsch ist, ob und wie viel ich essen und trinken sollte und welche Mengen unweigerlich zu Erbrechen führen oder ob ich mich bewegen oder doch besser nicht anstrengen sollte. Und so isolierte ich mich über Wochen hinweg immer mehr. Mein Mann vergleicht mich rückwirkend mit einem Zombie. Ich konnte am Ende fast nicht mehr laufen, starrte vor mich hin, flüsterte nur noch, litt unter Herzrasen und Atemnot, wenn ich doch mal zur Toilette gehen musste. Erbrochen habe ich in der schlimmsten Phase in einen Eimer neben dem Bett, aber einmal am Tag konnte ich tatsächlich noch Urin lassen, übel riechend und dunkel orange. Das Erbrechen tat teilweise so weh, dass ich dachte, meine Speiseröhre löst sich auf. Ich konnte mich weder um mein Kind kümmern, noch konnte ich einen Fingerschlag im Haushalt tun, noch konnte ich mit irgendetwas meinen Mann entlasten - im Gegenteil, er musste mich auch noch versorgen und zu allen Terminen Fahren. Unser Leben lag einzig auf seinen Schultern. Neben seinem Vollzeitjob, versteht sich. Natürlich ging es mir nicht sofort so schlecht, sondern ich habe diesen Zustand über die 6 Wochen „erarbeitet“. Meine Gedanken kreisten darum, ob ich Sterben muss, meistens wenn ich die Waage betrat oder wieder unablässig Blut erbrach. Ich wünschte mir auch oft, das Baby einfach raus zu brechen. Nach einem kleinen Nervenzusammenbruch wollte ich mich von meinem Mann trennen, der mich aus meiner Sicht gar nicht liebte. Und natürlich wurden im Laufe der Zeit auch die Abtreibungsgedanken immer konkreter, es erschienen mir als der einzige Ausweg.rnrn rnrnIch kontaktierte bereits ganz am Anfang meine Gynäkologin, denn ich verlor im Schnitt 2 Kilo Körpergewicht pro Woche. Per Email riet sie mir zu Vomex Zäpfchen, welche bei mir nur die Nebenwirkungen entfalteten (es wirkte einschläfernd und brachte mir Bauchkrämpfe und Durchfall). Als ich ihr schrieb, dass das nichts hilft und ich immer weiter abnehme, riet sie mir, ins Krankenhaus zu gehen. Zu dem Zeitpunkt war ich dafür dankbar, denn ich tat mir schwer damit, meinen Zustand richtig einzuschätzen und neige von Natur aus eher zum Durchhalten. Im Krankenhaus gab man mir Flüssigkeit (Ketone 3 Mal positiv hörte ich die Schwestern sagen) und Vomex intravenös. Es schlug an. Zudem musste ich mich endlich um nichts mehr kümmern, nicht mal um mich selbst. Nach nur einem Tag konnte ich wieder essen, nach 2 Tagen wurde ich entlassen. Zuhause kam nach nur einem Tag der Rückfall und die Krankheit hatte mich wieder voll im Griff.rnrn rnrnKurz darauf, beim nächsten Termin bei der Gynäkologin, dachte ich, dass sie mich nun bestimmt ernst nimmt, immerhin war ich im Krankenhaus, das hatte doch etwas zu bedeuten. Aber weit gefehlt. Sie bot mir Durchhalteparolen und sagte mir, ich habe schließlich keinen Tumor, den sie wegschneiden könne. Ich fragte sie nach einer Kur für Schwangere, denn ich hatte die Homepage vom "Haus an der Sonne" gefunden (http://www.schwangerenkur.de/). Meine Gynäkologin hatte aber noch nie etwas von einer Schwangerenkur gehört, wo ich das denn herhabe. Aus dem Internet, sagte ich ihr und da lachte sie laut auf und sagte „Ja, aus dem INTERNET“, als wäre ich zu blöd, sowas im Internet zu recherchieren. Ich hatte leider zu diesem Zeitpunkt bereits keine Kraft mehr, mich zu wehren und habe einfach angefangen zu weinen. Dies entspricht nicht meinem Charakter, man kennt mich nicht konfliktscheu, ich war aber bereits zu diesem frühen Zeitpunkt (8. Woche) verzweifelt und kraftlos. Die Ärztin wollte dann zu einem „angenehmen“ Thema übergehen, ob wir nicht mal nach dem Baby sehen wollen. Da hab ich mit den Schultern gezuckt, denn das Baby war mir zu diesem Zeitpunkt bereits relativ egal.rnrn rnrnAm nächsten Tag fühlte ich mich wieder so schlecht, dass mein Mann mich zurück ins Krankenhaus brachte. Leider schlug das Vomex diesmal überhaupt nicht an und auch die Infusionen brachten mir nicht die erhoffte Kraft zurück. Nach 7 Tagen wurde ich entlassen, obwohl ich nicht mehr als 2 Gläser Wasser am Tag runter brachte und mich weiterhin übergab. Immerhin konnte ich manchmal Kekse, Zwieback oder Obst in kleinen Mengen essen. Im Krankenhaus fühlte ich mich schon ernster genommen als bei meiner Gynäkologin, immerhin behielten sie mich 7 Tage da. Aber außer Vomex und Infusionen hatte man auch keinen Therapieansatz und meine Berichte über das erbrochene Blut und das unglaubliche Brennen beim Erbrechen wurden mit mitleidigen Blicken achselzuckend hingenommen. Beeindruckt hat das niemanden. Ich glaube, dort im Krankenhaus habe ich die Hoffnung aufgegeben. Ich habe mich damit abgefunden, dass es keinen Ausweg gibt und man es aushalten muss und nur hoffen kann, dass es nicht so lange dauert. Denn sonst hätte ja mal jemand einen Vorschlag gemacht.rnrn rnrnNach diesem zweiten Aufenthalt kam wieder ein Termin bei der Gynäkologin. Ich hatte inzwischen 6 kg verloren, die Woche im Krankenhaus hatte daran nichts geändert, aber auch meine Gynäkologin zeigte sich nach wie vor unbeeindruckt.rnrn rnrnAnschließend habe ich 3 Wochen zu Hause vor mich hinvegetiert. Wir hatten inzwischen eine Haushaltshilfe, die sich um meinen Sohn kümmerte (der sie aber nicht akzeptierte und wollte, dass ich ihn aufs Klo setze, anziehe, bespaße usw., es war nicht sehr erholsam zu Hause). Ich behielt aber gerade so viel Nahrung bei mir, dass ich 2 Wochen verhältnismäßig gut über die Runden kam, bis in der 11. Schwangerschaftswoche wieder eine ganz schlimme Phase kam, die mich dann komplett ins Bett verfrachtete. Es ging gar nichts mehr. Am ersten Tag der 12. Woche hatte ich wieder einen Termin bei der Gynäkologin. Wie immer verbrachte ich eine gute Stunde im Wartezimmer. Ich bat zwar darum, meinen Urin auf Ketone zu testen, da ich davon ausging, dass ich wieder sehr ausgetrocknet war, aber die entsprechenden Teststäbchen gab es in der Praxis gar nicht. Ich war darauf eingestellt, mir die üblichen Durchhalteparolen bei der Ärztin abzuholen und wieder nach Hause zu gehen, doch es kam anders. Als ich mich ihr gegenüber setzte, mit 10 Kilo weniger als 6 Wochen zuvor (von 61 kg auf 51 kg abgemagert), da sagte sie zu mir, dass sie es mir heute zum ersten Mal ansehen könne, dass es mir nicht gut gehe. Natürlich hätte mir bei der dummen Bemerkung sofort der Hut hochgehen müssen, aber ehrlich gesagt, ich war erleichtert. Ich dachte, jetzt bemerkt sie endlich, wie schlimm es um mich steht, jetzt wird sie mir helfen. Aber weit gefehlt. Sie wollte mich danach unbedingt ins Krankenhaus einweisen. Sie habe kein gutes Gefühl mehr dabei, wenn ich ohne Überwachung zu Hause sei. Außerdem bräuchte ich jetzt therapeutische Unterstützung (ob sie damit Durchhalteparolen vom Fachmann meinte oder wie mir Gespräche gegen die Übelkeit helfen sollen blieb offen). rnrnIch wollte aber nicht mehr ins Krankenhaus. Zu Hause lag ich wenigstens in meinem Bett, hatte die meiste Zeit Ruhe, musste nicht den Geruch von Essen im Zimmer ertragen, konnte die Raumtemperatur selbst bestimmen und in einen Eimer brechen und tagsüber schlafen, wenn es nachts nicht ging. Ich habe die Ärztin deshalb gebeten, mir in ihrer Praxis Infusionen zu geben und sie stimmte zu und meinte, ich soll dann mal sehen, ob ich es übers Wochenende schaffe (es war Freitag). Ich ging eigentlich ziemlich motiviert aus der Praxis raus, endlich ernst genommen und um einen Liter Flüssigkeit reicher. Abends war ich wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, Samstag Abend ging es mir wieder richtig schlecht. Ich bat meinen Mann zum Gespräch und sagte ihm, dass ich es nicht mehr lange aushalte. Ich hatte inzwischen ein paar Berichte von Betroffenen gelesen und mir war klar geworden, dass die 12-Wochen-Grenze reine Glückssache war. Ich sagte ihm ganz klar (vorher hatte ich nur angedeutet), dass es für mich eine Grenze geben würde. Ich würde das vielleicht noch 2 Wochen mitmachen, ich war körperlich am Ende, eine künstliche Ernährung und/oder weitere sinnlose Krankenhausaufenthalte kamen für mich einfach nicht mehr in Frage. Mein Mann war überfordert, wollte an der Schwangerschaft unbedingt festhalten, sagte für ihn sei eine Abtreibung unvorstellbar. Für mich bedeutete es zu dieser Zeit einfach nur noch Erlösung. Das Gespräch war nicht besonders angenehm und wir gingen traurig auseinander, aber es hatte doch einen positiven Effekt. Denn das Ansprechen einer nicht mehr allzuweit entfernten Abtreibung hat uns beide die Kraft finden lassen, noch mal im Internet zu recherchieren.rnrn rnrnUnd so lasen wir von Agyrax und Zofran und was es nicht alles gibt. Ich hatte das auch vorher mal überflogen, aber kein Arzt hatte mir jemals andere Lösungen als Infusion und Vomex angeboten, also erschien mir das ganze lange wie „Gerüchte“ aus dem Internet. Außerdem schreckte es mich ab, dass das eine Medikament gar nicht in Deutschland erhältlich ist, ein anderes für Chemopatienten gedacht ist und wieder eines ein Antidepressivum ist. Aber an dem Abend haben wir uns intensiv damit beschäftigt und waren dann sicher, dass Agyrax oder Zofran eine Lösung sein könnten. Ich schrieb noch am Wochende meiner Ärztin eine Email, schickte ihr den Link zur Seite von Embryotox, wo Agyrax als Mittel erster Wahl gegen die Übelkeit empfohlen wird, auch wenn es in Deutschland nicht mehr gelistet ist. Und ich schrieb auch nochmal ganz deutlich, dass ich eine Verbesserung meines Zustands brauche, weil ich es sonst nicht mehr aushalte. Ich stand am Montag mit 49 Kilo auf, las als erstes meine Emails. Meine Ärztin hatte geantwortet. Wie ich ja schon selbst rausgefunden habe, sei Agyrax in Deutschland nicht gelistet, sie könne es nicht verordnen. Dann nannte sie mir eine Klinik, die ich mal anrufen könne, ob sie mit Zofran behandeln. Das war niederschmetternd.rnrn rnrnZum Glück hatte ich auch eine Sprachnachricht einer Freundin erhalten. Dieser hatte ich ein paar Tage zuvor den Link zu Chrissis Bericht geschickt und ihr geschrieben, dass es mir wichtig wäre, dass sie mich besser versteht und dass mir dieser Bericht an vielen Stellen aus der Seele sprechen würde. Meine Freundin hat daraufhin am Montag morgen mit ihrem Gynäkologen telefoniert und tadaaa - er hatte bereits Patientinnen erfolgreich mit Agyrax behandelt und war schockiert über den Zustand, in den ich geraten war. Nach dieser Nachricht wusste ich nun mit Gewissheit, dass die „Gerüchte“ aus dem Internet der Wahrheit entsprechen und dass es nicht einfach hinzunehmen war, was ich ertragen musste. Das gab mir eine unglaubliche Energie. Ich rief zunächst bei meiner Ärztin an, um zu fragen, wann ich für die Infusion kommen könne, doch ich wurde von der Sprechstundenhilfe (nach Rücksprache mit der Gynäkologin versteht sich) abgewiesen. Die Ärztin sei nur noch eine Stunde da, die Arzthelferin, die es Freitag gelegt habe, sei heute gar nicht da und die anderen Ärzte machen es nicht.rnrn rnrnWas hätte es meine Ärztin wohl gekostet, bei ihren Kollegen am Zimmer zu klopfen und zu fragen, ob sie ihrer Patientin einen Zugang legen können. Nicht mal das hat sie getan. Ich sah den nächsten Krankenhausaufenthalt schon unabwendbar, denn ich konnte selbst spüren, dass es langsam gefährlich wurde.rnrn rnrnDoch zunächst wollte ich mir das Rezept für Agyrax organisieren und so rief ich als erstes die Beratungshotline bei der Charité an. Dort wurde mir versichert, dass jeder Arzt ein Privatrezept für Agyrax ausstellen kann, dass es bereits vielen Frauen geholfen hat und dass es unbedenklich ist, empfehlenswerter als Vomex. Da es aber aus der selben Medikamentengruppe sei, könne sie mir nicht versprechen, dass es besser wirkt als Vomex. Aber in dem Fall gäbe es noch weitere Möglichkeiten, sie zählte noch ca. 4 oder 5 weitere Medikamente auf, man müsse halt einen Arzt haben, der einen begleitet. Anschließend rief ich bei meinem Hausarzt an. Dieser ist, versteht sich ja von selbst, kein Fachmann für Schwangere und er hörte meine Geschichte auch nur am Telefon, er konnte mich Häufchen Elend ja noch nichtmal sehen. Und trotzdem erklärte er sich sofort bereit, mir zu helfen. Noch mit mir am Telefon googelte er Agyrax, damit er die korrekten Daten auf das Rezept schreiben konnte und sagte mir zu, dass ich sofort für eine Infusion vorbei kommen könne. So schwach ich körperlich war, das gab mir einen unglaublichen Energieschub. rnrnMein Vater fuhr mich hin, ich bekam einen Liter Kochsalzlösung (während sie einlief bekam ich Schüttelfrost, weil 1 Liter raumtemperierte Flüssigkeit einfach zu viel für meinen Körper war) und mein Vater wurde losgeschickt, um bei der Apotheke richtige Glycoselösung zu holen, und zwar einen 10er Pack. Mein Hausarzt war also fest entschlossen, mir täglich Infusionen zu geben, obwohl ich stundenlang einen Raum in seiner kleinen Praxis blockierte und er mich zeitlich zwischen seine ganzen anderen Patienten schieben musste. Er hat mich mit seinem Einsatz gerettet. Durch ein bisschen Glück bei der Apotheke hatten wir bereits am Tag drauf das Agyrax Päckchen und nach der Einnahme der ersten Tablette habe ich zum ersten Mal gegessen. Eine Rinderkraftbrühe von meiner Schwiegermutter. Sie hat herrlich geschmeckt und blieb drin. Seit dem kann ich wieder essen, es sind nun über 2 Wochen in denen es stetig bergauf ging.rnrn rnrnIch muss ehrlich gestehen, dass ich denke, ich hatte am Ende auch Glück und die Hyperemesis war fast ausgestanden, denn nach nur einer Woche brauche ich nicht mal mehr Agyrax. Aber für mich steht fest, dass es dieses Medikament war, dass mich endlich wieder essen ließ. Jetzt geht es mir wieder richtig gut, von den verlorenen 12 kg habe ich bereits die Hälfte wieder zurück, denn ich habe so einen Appetit, dass ich buchstäblich für 2 esse. Nur schlafen kann ich noch immer nicht. Ich liege nach wie vor die Nächte wach und muss mich inzwischen mit Schuldgefühlen rumschlagen. Ich empfinde es so, als hätte ich über Wochen hinweg versagt, als Mutter, Ehefrau und Hausfrau. Ich fühle mich schuldig, weil ich mich über die Möglichkeiten einer Abtreibung nach der 12. Woche informiert und dies als Ausweg in Betracht gezogen habe. Und ich kann es nicht fassen, dass meine Ärztin, wenn sie sich mal ein bisschen mit dem Thema befasst hätte, mir so vieles hätte ersparen können. Ich habe ihr vertraut und sie hat mich hängen lassen, sodass ich mich mit meinem Zustand abgefunden habe.rnrn rnrnDas alles stimmt mich sehr traurig und wird mich vermutlich noch etwas beschäftigen. Aus diesem Grund beginnt meine Geschichte mit dem Appell, sich nicht abzufinden, sondern Familie/Freunde einzubinden und gemeinsam Hilfe zu suchen. Allein hätte ich es niemals geschafft, ich bin besonders meinem Mann, meinen Eltern und Schwiegereltern sowie meiner Freundin und natürlich meinem Hausarzt sehr dankbar für ihren Einsatz und ihre Unterstützung.rnrn rnrnIch hoffe sehr, dass dieser Bericht jemandem hilfreich ist und wünsche allen aktuell Betroffenen von Herzen alles Gute und eine baldige Besserung.rnrn rnrnViele GrüßernrnJenniferrnrn