Katrin

 
Katrin ist glückliche Mutter einer Tochter.Während der Schwangerschaft gab es immer wieder Momente in denen sie dachte, dass entweder sie oder ihr Baby dies nicht überleben.Heute hat sie das gut verarbeitet (10.12.2018)
 
Meine Tochter ist inzwischen 7 Jahre alt und genauso lange kämpfe ich mit den unmittelbaren Folgen dieser Schwangerschaft. Nie werde ich diese leidvolle Zeit vergessen. rnrnEs begann im August 2010. Mein Mann und ich hatten beschlossen zukünftig zu dritt zu leben. Das Baby war gewünscht und hat lange auf sich warten lassen. Nach einem Jahr bin ich erst schwanger geworden, kurz nachdem mir mein Frauenarzt weitere Untersuchungen prophezeit hat. Das war am 24. August, am 31. hatte ich bereits meinen ersten Termin bei meinem Gynäkologen. In dieser Zeit war ich glücklich, mir war nicht übel und froher Hoffnung, dass es so bleibt. In meiner Familie gab es so etwas bislang noch nicht.rnAm 31. hab ich also die Bestätigung meiner Schwangerschaft und auch meinen Mutterpass bekommen. Und genau an diesem Tag begann auch das Elend. Ich wusste es nur noch nicht.rnrnAls mir an diesem Tag nachmittags zum ersten Mal schlecht war, hab ich es auf den reichhaltigen Kuchen geschoben, den es zur Feier des Tages nachmittags noch gab. Das konnte meine Freude in keiner Weise trüben, ich hab es als gutes Zeichen interpretiert. rnrnVon da an begann die Zeit, in der ich mehr von mir gegeben als zu mir genommen habe. Mir war durchgehend übel. Ich habe mich nicht nur schlecht gefühlt sondern sprichwörtlich zum Kotzen. Der Tag begann und endete damit. Ich war zu nichts mehr fähig und habe mir schon in der 10. Woche gewünscht, dass dieser Zustand schnell endet. Egal, wie.... Ich muss gestehen , dass ich daran gedacht habe, unser Wunschbaby abtreiben zu lassen. Das blieb allerdings nur eine Option, die sich schon von vornherein erledigt hatte. Ich war nicht mal mehr fähig, das Haus zu verlassen. Innerhalb von 4 Wochen war ich nur noch ein Schatten meiner selbst. Zuvor selbstbewusst, voll mit Optimismus und Freude hatte ich mich in ein Häufchen Elend verwandelt, dass man entweder über der Kloschüssel oder zusammengekauert in irgendwelchen Ecken des Hauses fand. Meine Nahrung bestand aus verdünntem Fencheltee und Vitamintabletten, wenn beides überhaupt drin blieb. rnrnNur ganz selten gab es Tage, wo es mir etwas besser ging aber die konnte ich rückblickend an 10 Fingern abzählen. So vergingen die ersten 12 Wochen Schwangerschaft, nach denen vieles besser werden sollte. SOLLTE! Mir war immer noch nicht ganz klar, dass die nächste Zeit aus mehr Tränen und Verzweiflung, denn aus Freude bestehen sollte.rnEs verging Woche 13, 15 und 18 und 20, ohne dass sich irgendetwas geändert hätte. Unsere Partnerschaft hat sehr darunter gelitten. Essen gehen, Kaffee trinken, Kino oder einfach mit dem Hund spazieren gehen waren nicht mehr möglich. Mein Mann hatte sich nur schwer damit abgefunden, dass ich ihm keine schöne Gesellschaft mehr war. Dennoch hatte er Geduld wie ein Esel und den Haushalt geschmissen. Wenn er gekonnt hätte, hätte er mir mein Leid wenigstens tageweise abgenommen. Ich brachte es nicht über mich, meinem Frauenarzt von diesem Zustand zu berichten. Zu groß war die Angst, den Rest der Schwangerschaft an Schläuchen im Krankenhaus zu verbringen.rnMein Mann brachte mir regelmäßig einen Vorrat an Vomacur mit. Ein Mittel gegen Brechreiz und Übelkeit, dass allerdings extrem müde macht. Nachdem ich in der ersten Euphorie einen Teller Spaghetti verschlungen habe, kam die Rechnung eine halbe Std später. Als die nämlich wieder hoch kamen, bin ich fast an ihnen erstickt. Fortan beschränkte ich mich auf breiige Kost. Griesbrei, Kartoffelpürree und Apfelmus. Es war weit weniger anstrengend, wenn das wieder hochkam. Das kam trotz Vomacur häufig vor. Das blieb so bis zum Ende. Es gab immer wieder Zeiten, in denen ich mir sicher war, dass entweder die Kleine oder ich dabei drauf gehen.rnrnUnserem Baby ging es trotz alledem gut. Ein Wunder, wenn ich bedenke, dass es gerade in der ersten Zeit fast nichts abbekommen hat. Die Bewegungen waren wirklich schön.rnWann immer es ging, las ich in der ersten Zeit jeden Artikel über Schwangerschaft, den ich finden konnte, ließ es aber ziemlich bald wieder bleiben. Die glückliche, gutaussehende Frau, die da beschrieben wurde hatte nicht das Geringste mit mir zu tun. Mein Spiegelbild kam mir vor wie das einer Hexe. Die Haut fahl, die Haare stumpf und struppig wie das Fell eines kranken Tieres, dunkle Augenringe und die Zähne ruiniert von der Magensäure.rnrnUnsere Tochter lag bis zum Schluss in Beckenendlage, weswegen ein Kaiserschnitt geplant wurde. Auch auf die Gefahr hin, dass mein Mittel vorzeitige Wehen auslösen kann, nahm ich es weiter. Eine Frühgeburt war mir immer noch lieber als dieses Elend. Unsere Tochter hielt es aber bis zum Ende aus und wurde am 20. April 2011 auf die Welt geholt. Noch auf dem OP Tisch habe ich mich übergeben. Einige Stunden nach der Op kam es aber zu unstillbaren Blutungen, die Gebärmutter wurde in der Nacht in einer Not-OP entfernt. rnrnNachdem ich wieder halbwegs bei Kräften war, hatte ich Zeit, meine Situation zu realisieren. Ich war 27, hatte gerade erst ein erstaunlich gesundes Baby bekommen, wäre fast gestorben und vor die Tatsache gestellt, dass das mein einiges Kind bleiben wird. Bis heute gibt es immer wieder Phasen, in denen ich nicht weiß ob das Glück war oder nicht.rn