Sarah

 
Sarah berichtet von ihrer Schwangerschaft und dem Gefühl, dem Tod näher zu sein als dem Leben (16.05.2006)
 
Hallo Chrissi,

endlich finde ich die Zeit, dir eine Mail zu schreiben und mich für deine wunderbaren Internet-Seiten zu bedanken.
Mein Sohn ist jetz 8 1/2 Monate alt, gesund und munter - trotz einer grauenhaften Hyperemesis-Schwangerschaft. Die Informationen auf Deiner Seite haben mir während meiner Schwangerschaft - ich habe ab etwa der 6. Woche bis noch im Kreißsaal gekotzt - Mut gemacht und mir das Gefühl gegeben, nicht allein auf der Welt zu sein mit dieser für alle so unerklärlichen Krankheit.
Auch ich habe das volle Programm hinter mir, von dem auch in vielen Berichten auf deiner Seite die Rede ist: Kotzen ohne Ende, dramatische Gewichtsreduktion, Einlieferung ins Krankenhaus, hilflose und unfähige Ärzte etc.
Wieder einmal habe ich erlebt, dass man sich selbst helfen muss und glücklicherweise gibt es ja das Internet. Meine Ärzte hatten so etwas wie mich noch nie erlebt in ihrer Laufbahn und waren felsenfest der Überzeugung, die Übelkeit und der nicht enden wollende Brechreiz müssten spätestens nach der 12. Woche verschwinden. Der mich betreuende Arzt in der Klinik wagte sogar die Behauptung, wenn die Übelkeit nach dem 3. Monat nicht nachließe, müsse er mich zum Therapeuten schicken, da sie dann psychisch bedingt sei. Mir war aber von Anfang an klar, dass dem nicht so sein konnte, sondern dass dies nur ein hilfloser Erklärungsversuch war. Denn noch nie zuvor im Leben war meine Situation physisch wie psyichisch so gut: Ich hatte gerade mein 2. juristisches Staatsexamen mit Erfolg abgelegt, war glücklich verheiratet, finanziell abgesichert und freute mich riesig auf unser Wunschkind. Außerdem hatte ich noch nie Probleme mit dem Magen gehabt, sondern immer alles gegessen, worauf ich Lust hatte. Übelkeit, Erbrechen oder ein nervöser Magen war bisher nie ein Problem gewesen. Die Hyperemesis stellte mich vor ein rätselhaftes und vollkommen unerklärliches Phänomen. Wie gesagt, ich erbrach noch im Kreißsaal, als ich kein Vomex mehr nehmen durfte. Doch die Übelkeit war wie weggeblasen, als mein Sohn dann auf der Welt war. Ich bin deshalb felsenfest der Überzeugung, dass meine Übelkeit eine organische Ursache hatte.

Geholfen hat mir während der Schwangerschaft Vomex, und zwar die Retardkapseln. Von den Zäpfchen wurde ich immer zu benommen, die Verdauung wurde auch lahmgelegt wegen der sedierenden Wirkung. Dasselbe passierte durch die Infusionen im Krankenhaus, abgesehen davon, dass diese äußerst unangenehm waren. Die Retardkapseln hingegen geben den Wirkstoff langsam ab und nicht auf einmal, was den betäubenden Effekt auf den Gesamtorganismus deutlich abschwächt. Auf die Retardkapseln hat mich aber keiner der Ärzte hingewiesen, man gab mir nur Zäpfchen und Infusionen. Ich verbrachte 11 Tage im Krankenhaus mit Infusionen, ohne dass eine Besserung zu verzeichnen gewesen wäre, im Gegenteil, ich nahm noch mehr ab. Man entließ mich schließlich ungeheilt und auf eigene Gefahr. Wahrscheinlich hätten sie mich noch bis zur Entbindung im Krankenhaus am Tropf liegen lassen. Weil den Ärzten im Krankenhaus aber nichts einzufallen schien, um mir zu helfen, beschloss ich, mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Über das Internet fand ich heraus, dass Vomex auch als Retardkapseln dargereicht wird. Dank Vomex (eine Kapsel am Morgen und eine am Abend) habe ich doch noch eine halbwegs erträgliche Schwangerschaft verlebt. Ich habe noch einige Male versucht, Vomex abzusetzen, da ich mir auch Sorgen über die Auswirkung auf mein Kind machte. Allerdings kehrte die Übelkeit dann mit gewohnter Heftigkeit und wiederum unstillbarem Erbrechen zurück. Eigentlich habe ich bisher immer versucht, so gut wie ohne Medikamente durchs Leben zu kommen, aber der Firma Yamanouchi, die Vomex poduziert, bin ich überaus dankbar. Ohne Vomex hätten entweder mein Kind oder wir beide das Abenteuer Schwangerschaft wohl nicht überlebt.
Für mich und meine Familie war die Schwangerschaft bestimmt eines der schlimmsten Erlebnisse überhaupt. Doch wenn ich meinen Sohn heute sehe, weiss ich, dass sich die Hölle gelohnt hat. Er ist gesund, allerliebst anzusehn, goldig, süß, lieb - einfach der wundervollste Sohn der Welt!
Durch die Hyperemesis weiß ich jetzt, wie es ist, wenn man sich dem Tod näher fühlt als dem Leben. Ich lebe intensiver als zuvor und versuche, meine Träume nicht mehr auf später zu verschieben, sondern sie zu verwirklichen. Und ich hänge noch stärker am Leben als zuvor! Die Schwangerschaft hat mich stärker gemacht.
Viele Grüße, nochmals herzlichen Dank für die Informationen auf deiner Seite und die allerbesten Wünsche für dich und deine Familie!

Sarah