Birgit

 
Birgit hat ein glückliches,gesundes "Hyperemesisbaby" und kann sich nicht vorstellen das ganze nochmal zu erleben (08.03.2007)
 
Hallo Chrissi



Erstmal möchte ich dir für deine hompage danken, denn die hat mir in meiner Schwangerschaft immer wieder Mut gemacht und ich habe festgestellt, dass ich nicht alleine bin. Ich muss allerdings schon sagen, dass ich im Vergleich zu anderen Frauen ja fast noch einigermaßen „normal“ leben konnte. Meine Geschichte fing im Februar 2006 an. Nur wenige Tage, nachdem ich den Schwangerschaftstest gemacht habe ging es mit meiner Übelkeit los. Anfangs dachte ich noch, es ist ein Magen-Darmvirus, weil mein Mann zur selben Zeit damit zu kämpfen hatte und es eben nicht die typische Morgenübelkeit war, sondern ich den ganzen Tag mich übergeben musste. Tja und dann blieb aber dieser Zustand. Bei mir war es so, dass mir generell den ganzen Tag über schlecht war und es sich gegen Spätnachmittag immer mehr gesteigert hat, so dass ich abends dann nur über der Kloschüssel hing.



Mein armer Mann….er hat mich noch nie so fertig erlebt…. denn tagsüber auf der Arbeit ging es einigermaßen, aber zuhause hing ich nur noch heulend auf dem Sofa oder im Bett. Dann kam das erste Wochenende, wo ich mir die Seele aus dem Leib gekotzt habe und innerhalb von zwei Tagen über drei Kilo abgenommen habe. Ich konnte vor allem auch nichts trinken, nicht mal Wasser, alles hat in mir Übelkeit hervorgerufen. Mein Mann hat mich ins Auto gepackt und ins Krankenhaus gebracht. Ja und hier muss ich sagen habe ich richtig Glück gehabt im Gegensatz zu vielen anderen Frauen. In der Klinik in der ich war, wurde ich mit meiner Übelkeit absolut ernst genommen, die Ärztinnen und Ärzte haben ganz klar gesagt, dass es sich hier um hyperemesis gravidarum handelt und man auf jeden Fall versuchen wird, mich wieder auf die Beine zu stellen. Mit Vomex A wurde auch ich behandelt und es hat bei mir in der Klinik ganz gut angeschlagen. Nach drei Tagen durfte ich gehen und ich fühlte mich wieder einigermaßen fit. Tja leider war dies nur von kurzer Dauer. Zwei Wochen später stand ich dort schon wieder auf der Matte, wobei „stehen“ kann man nicht gerade sagen, hängen trifft es wohl eher. Die Ärzte kannten mich noch und meinten scherzhaft, dass sie mich eigentlich erst im Oktober wiedersehen wollten, nämlich wenn ich mein Kinde kommen sollte. Naja nun war ich halt schon wieder da, wieder für drei Tage und wieder bin ich bestens behandelt worden. Auch das hat mir ein Stückchen Mut gemacht, nämlich ernst genommen zu werden.



Tatsächlich hat mein Umfeld, mein Mann, meine Freunde, die Ärzte mich ernster genommen als meine eigene Mutter, die erstmal davon ausging, dass ich mir die Übelkeit ja nur einbilde, und außerdem sind die Frauen von heute ja gar nicht mehr belastbar. Tja das musste ich mir von meiner eigenen Mutter erzählen lassen…..



Bei mir war es immer dasselbe Muster, tagsüber konnte ich es ganz gut aushalten, ab dem Nachmittag ging gar nichts mehr. Immer hatte ich die Hoffnung ..ja ja ab dem dritten Monat wird es besser, ja ja spätestens ab dem fünften Monat usw. aber ich hatte bis zur letzten Sekunde permanente Übelkeit und Erbrechen. Ohne Vomex A kam ich gar nicht klar. Ich hatte mal versucht es zu reduzieren oder abzusetzen aber das ging in die Hose und mir war noch schlechter und ich habe mich noch mehr übergeben. Die einzige Zeit, in der es mir tatsächlich etwas besser ging, war im heißen Juli zur Fußball WM, da konnte ich es immerhin schon mal bis neun Uhr abends aushalten ohne mich hinlegen zu müssen um die Übelkeit zu lindern. Oft war ich sehr verzweifelt und hätte mein Mann mir nicht so sehr zur Seite gestanden und mich so liebevoll unterstützt…tja keine Ahnung. Der Arme musste sich von mir einiges gefallen und anhören lassen, und dann immer dieses flehende Gesicht, wenn man mal wieder zum Kotzen auf`s Klo geht.



So habe ich mich also von Februar bis Mitte Oktober tatsächlich mehr oder weniger durchs Leben gequält, zusätzlich noch mit der Belastung ständig Tabletten zu nehmen, auch wenn mir die Ärzte versichert haben, dass Vomex A absolut ok sei, so ganz frei machen konnte ich mich nicht . Das finale Erbrechen hatte ich dann tatsächlich im Kreissaal kurz bevor unsere Tochter das Licht der Welt erblickt hat….und dann war alles vorbei und zwar sofort.



Es war unglaublich, das hätte ich nie gedacht. Ich habe mich so gefreut und mit Genuss erstmal einen Kaffee getrunken (seit Februar ist mir schlecht davon geworden) Oh war das schön. Von Wochenbettdepression bei mir keine Spur, ich war so glücklich über unsere Tochter und darüber dass es mir wieder gut ging und ich alles essen konnte, was ich sonst früher auch gegessen habe. Unsere Nina hat es im Übrigen überhaupt nicht gestört, dass mir schlecht in der Schwangerschaft war, sie ist ein gesundes und vor allem superliebes Mädchen. Nun habe ich die Belohnung für alle das Leid bekommen, ich muss aber auch hier an dieser Stelle ganz klar sagen: Das mache ich nicht noch einmal mit. Es war die schlimmste Zeit in meinem ganzen Leben und ich habe allergrößte Hochachtung vor allen Frauen, den es genauso ergangen ist und so geht und sich entscheiden, dies alles für ein weiteres Kind in Kauf zu nehmen. Ich habe mich entschlossen, dies nicht zu tun.



Diese homepage hat mir tatsächlich immer wieder auf`s Neue Kraft gegeben, diese Monate zu überstehen, und es hat geklappt und dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken.



Lieben Gruß



Birgit