Cora

 
Cora hat zwei ganz gräßliche Hyperemesisschwangerschaften hinter sich.Z.T. hat sie 50-60 Mal am Tag erbrochen und hatte das Gefühl zu sterben (13.09.2007)
 
Hallo Chrissi,

ich freue mich, deine Seite entdeckt zu haben, für mich leider zu spät :-(
Aber ich bin froh, dass du dir diese Aufgabe gestellt hast und vielleicht kann doch wenigstens einigen Frauen geholfen werden, die sich hier informieren.

Ich habe zwei gräßliche HG-Schwangerschaften hinter mir. Mein großer Sohn ist im August 2004 geboren und mein kleiner Sohn im Juni 2007. Sie hatten übrigens auch ein ganz stattliches Geburtsgewicht. Der große 4260 g und 55 cm und der kleine 4230 g und 53 cm. Und sie sind gesund und munter. Gott sei dank!
Ach ja, ich wollte noch sagen, dass ich 35 bin und seit 4 Jahren verheiratet.

Ich muß auch erstmal Dampf ablassen. Ich finde es geradezu unverantwortlich von den Ärzten, dass die HG-Patientinnen so hängen gelassen werden! Manch eine hätte vielleicht nicht abgetrieben, wenn sich mal ein Arzt die Mühe gemacht hätte, genauer hinzuschauen und nachzuforschen und natürlich zu helfen! Bzw hätte für viele die Schwangerschaft erträglicher gestaltet werden können.
Bitte nicht falsch verstehen, ich kann JEDE Frau verstehen, die aus diesen Gründen abtreibt. Bei meiner 2. Schwangerschaft war ich auch ganz kurz davor.
Ich könnte heute noch laut schreien vor Wut und Enttäuschung, wie sich manche Ärzte verhalten haben. Auch ich mußte mir immer wieder anhören, dass ich wohl ein seelisches Porblem hätte usw und der Arzt, mit dem ich die 2. Schwangerschaft durchleiden mußte, wollte mich lieber zum Psychologen schicken, als mal meine Schilddrüsen-Werte zu kontrollieren. Wobei sich jetzt im nachhinein herausgestellt hat, dass meine Schilddrüse keinesfalls in Ordung ist. Und ich bin überzeugt davon, dass es da einen Zusammenhang gibt und inzwischen hab ich auch herausgefunden, dass man sehr wohl in der Schwangerschaft Tabletten einnehmen darf, die die Schilddrüsenfunktion normalisieren. Direkt Hormone darf man wohl glaube ich nicht nehmen, aber das ist wahrscheinlich nicht mal notwendig.

In meiner 1. Schwangerschaft habe ich Peremesin-Tabletten bekommen. Leider werden die nicht mehr hergestellt. Nachdem ich 3 Wochen mit Infusionen im Krankenhaus verbracht hatte, habe ich dann endlich diese Tabletten bekommen und die haben mir geholfen. Die habe ich dann noch bis Ende 6. Monat genommen und dann ging es mir auch ohne Tabletten relativ gut. Mir war zwar jeden Tag noch schlecht, aber in einem erträglichen Maß und ich konnte wieder fast normal essen. Dafür waren die ersten Wochen die Hölle.

Auch mir ging es wie vielen anderen, die hier schon geschrieben haben. Ich war so kraftlos und absolut am Ende. Es war für mich z. B. eine riesen Anstrengung, meine normale Körperpflege aufrecht zu erhalten. Eine zeitlang lag ich einfach auf dem Sofa und habe meinen Kopf nur zum speien über den Sofarand geschoben und das war mir schon zuviel. Ich habe, bevor ich ins Krankenhaus ging, etwa 50 - 60 mal am Tag gebrochen bzw gewürgt. Es kam ja nix mehr raus, nicht mal mehr Speichel weil ich schon ganz ausgetrocknet war. Ich dachte, ich muß sterben. War mir in dem Moment aber auch egal, ich wollte nur, dass es aufhört.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass einige HG-Patientinnen es noch geschafft haben zur Arbeit zu gehen. Das ist ja wirklich eine übermenschliche Anstrengung. Ich hätte es nicht geschafft.

Und ich habe, wie auch viele andere, extrem unter allen möglichen Gerüchen gelitten. Z. B. frisch gewaschene Wäsche riecht ja normalerweise gut oder Duschgel, Parfum usw. In der Schwangerschaft verursachte das bei mir bestenfalls ein Würgen oder ich mußte mich gleich wieder übergeben.
Bestimmte Waschmittel verwende ich bis heute noch nicht wieder. Ich muß natürlich nicht mehr speien davon aber ich mag den Geruch nicht wirklich.

Also wie gesagt, die Tabletten halfen ganz gut und ich konnte dann ab ca 30. Woche eine relativ normale Schwangerschaft erleben. Da hatte ich zwar dann ziemlich heftige Rückenschmerzen, aber die waren ja nichts im Vergleich zu dieser gräßlichen Übelkeit und Kotzerei.

Übrigens stellte in dieser 1. Schwangerschaft schon ein Arzt während meines Krankenhausaufenthaltes fest, dass mit meiner Schilddrüse etwas nicht in Ordnung ist, aber er hat den Bericht an meinen Frauenarzt geschickt und dann ist das im Sande verlaufen. Ich hatte zwar auch nachgefragt und es wurde sogar noch mal Blut genommen und das wars. Es war dann nie wieder die Rede davon. Damals dachte ich, dass es dann wohl nicht so schlimm sein kann, wenn nichts unternommen wird, naja, heute weiß ich das besser...........

Als ich dann das 2. mal schwanger wurde, war ich davon überzeugt, dass es mir in dieser Schwangerschaft glänzend gehen würde. Denn schließlich hatte ich ja einen 2jährigen zu Hause, ein munteres ständig plapperndes Kerlchen, dass immer mit der Mama spielen wollte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich das schaffen würde, wenn die Schwangerschaft wieder so schrecklich verlaufen würde.
Aber es wurde wesentlich schlimmer als die erste!

Ich war so froh, dass mir meine Eltern und Schwiegereltern so geholfen haben. Unser Sohn war manchmal eine ganze Woche am Stück bei meinen Eltern, die leider ziemlich weit entfernt wohnen und er verbrachte auch viele Tage bei meinen Schwiegereltern.
Auch ín dieser 2. Schwangerschaft ging es mir richtig elend. Zeitweise habe ich im Sekunden-Takt gewürgt. Mir tat das Zwerchfell und der Magen weh davon. Mein Arzt hatte sich sogar dazu bereit erklärt, mir die Infusionen in der Praxis zu geben, aber ich schaffte es nicht mal bis dahin.
Also blieb mir nur wieder das Krankenhaus.
Und man stelle sich vor, die ersten Tage bekam ich eine Infusion OHNE Medikament drin. Das war ja geradezu lächerlich! Ich kotzte und kotzte und die Ärzte wunderten sich, dass es mir nicht besser ging, wo ich doch "so eine schöne" Infusion bekam! Hilfe!!!!!!!!!!!!!!
Irgendwann probierte man dann Tabletten aus und ich muß wohl sehr dankbar sein, dass man wenigstens nach den Paspertin, die nicht halfen, noch zu Zofran wechselte, die mir wenigstens etwas halfen.

Allerdings wollte mir mein Frauenarzt die Zofran nicht verschreiben weil sie teuer sind und er gab mir wieder Paspertin. Also bin ich ihm so lange auf die Nerven gegangen, bis er mir wenigstens ein Generikum (schreibt man das so?) zu den Zofran verschrieb; namens Ondansetron. Dazu ließ er sich aber erst herab, nachdem ich bei meiner Krankenkasse nachgefragt hatte und diese hätte mir sogar das teure Zofran bezahlt. Also wieder ein fetter Minus-Punkt für den Doc. Er hat es ja nicht mal auf die Reihe bekommen, mir einen pflanzlichen Hustenlöser zu empfehlen, als ich mich zu allem Übel auch noch über 7 Wochen mit einer fetten Erkältung herumquälte.

Leider halfen die Tabletten nur für ein paar Wochen und dann nicht mehr und was anderes bekam ich nicht. Und dann passierte noch etwas ganz kurioses. Ich MUSSTE essen, dass ich nicht mehr speien mußte. Ich war völlig perplex. Alle 2 Stunden wurde mir derart speiübel, dass ich dachte ich muß mich wieder übergeben und wenn ich aber trotz dieser heftigen Übelkeit mir etwas zu essen reinzwang, ging die Übelkeit danach etwas zurück. Sie ging natürlich nie ganz weg, aber es wurde erträglicher. Ich hatte zwar absolut keinen Appetit auf irgendetwas und es schmeckte auch alles irgendwie nach nichts, aber um nicht speien zu müssen und die Übelkeit ein Grenzen zu halten hab ich eben gegessen.
Naja, und demzufolge habe ich auch schön zugenommen und das war wiederrum alles was meinen Arzt interessierte. Dass es mir troztdem obereklig ging war ja nicht wichtig.

Zu diversen anderen Schwangerschaftsbeschwerden gesellte sich dann ca 8 Wochen vor der Geburt die Schilddrüsen-Überfunktion. Das wußte ich aber da noch nicht. Ich dachte, dass ich durch dieses Leiden-Müssen langsam wahnsinnig werde, denn ich hatte mit Angstzuständen, Panikattacken, Hitzwallungen, Herzrasen, Zittern, heftiger Unruhe zu kämpfen.

Ich erzählte meinen Freundinnen von meinen Symptomen und die sagten mir gleich, dass das wohl die Schilddrüse sein könnte. Sie haben beide schon Erfahrung damit. Also bat ich meinen Arzt um eine Kontrolle. Aber dieser schreckliche Mensch hatte sich so überheblich, dass er meinte, er sähe keine Veranlassung dazu, das zu kontrollieren, nur weil das meine Freundinnen gesagt hätten. Klar, ihm war ja auch nicht so elend, ich stand Todesängste aus und war völlig daneben und schließlich hatte ich noch den ganzen Tag meinen kleinen quicklebendigen Sohn um mich. Also dieser Arzt ist die absolute Fehlbesetzung, aber ich bin trotzdem hingegangen weil es der einzige in der Nähe war, den ich noch aus eigener Kraft erreichen konnte. Jetzt werde ich mir natürlich einen anderen Arzt suchen.

Jedenfalls kämpfte ich noch bis zur Geburt mit den Angstzuständen usw.
Jetzt habe ich mich an meine Hausärtzin gewandt, die die Sache ernst nimmt und es wird eine Behandlung durchgeführt.
Und ich könnte mir auch vorstellen, dass ich den Helicobacter habe. Das werde ich auch mal testen lassen.

Übrigens, das muß ich auch noch erwähnen, war mein großer Sohn während meiner Schwangerschaft richtig verständnisvoll mit seinen 2 Jahren. Wir spielten eben nur Spiele bei denen ich auf dem Sofa liegen bleiben konnte und er war echt lieb und hat auch immer brav seinen Mittagsschlaf gemacht. Er hat sich für diese Zeit auf jeden Fall ein großes dickes Bienchen verdient. Aber ich war oft niedergeschlagen, weil ich mich nicht so um ihn kümmern konnte, wie ich es gern getan hätte. Das hat mich auch sehr belastet.

Mein Mann war zum Glück auch sehr verständnisvoll und hat sich um den Haushalt gekümmert, wenn ich nicht konnte und hat sich viel mit unserem Sohn beschäftigt, so wie es seine Arbeitszeit eben zuließ.
Und er hatte auch wirklich Mitleid mit mir, auch wenn er sich oft hilflos fühlte, aber dumme Sprüche kamen von ihm nie. Er hat sich also auch so ein großes dickes Bienchen verdient ;-)

Tja, ich könnte jetzt noch weiter und weiter schreiben, zu dem Thema fällt mir wahnsinnig viel ein, klar 2 mal fast 9 Monate so zu leiden, ist ja auch eine lange Zeit.
Ich werde definitiv keine Kinder mehr bekommen, denn für so eine Schwangerschaft habe ich nicht nochmal die Kraft.

Nochmals vielen Dank für diese Seite hier und die ganzen Informationen, die du schon zusammengetragen hast. Und auch ein Dankeschön an die anderen Frauen, die ihre Berichte geschickt haben. Während ich meine Schwangerschaften durchlitten habe (und anders kann man es einfach nicht nennen), hatte ich immer das Gefühl, ich bin die einzige, der es so elend geht.

Grüße von Cora