Kim

 
Kim ist gerade zum 2ten Mal Hyperemesisschwanger.Die vielen Wochen,die sie mit der Übelkeit im KH zugebracht hat, fühlte sie sich eher verwahrt und lebendig gehalten, als liebevoll betreut.Jetzt gegen Ende der Schwangerschaft geht es ihr ein wenig besser (25.11.2007)
 
Hallo liebe Chrissi!

Ich möchte mich wirklich von ganzem Herzen bedanken, dass Du auf die Idee gekommen bist, diese Homepage zu schaffen! Sie hat mir von jeglicher Betrachtungsseite am meisten geholfen!

Ich würde gerne mit meinem Bericht dazu beitragen, wenn ich darf.

Ich bin zum zweiten Mal schwanger und litt beide Male unter Hyperemesis. Leider musste ich die Erfahrung machen, dass die fachkundlichen Mediziner, nicht so recht begreifen können, welche Ausmaße dieses Leiden annehmen kann.

Bei meiner ersten Tochter litt ich ca. ab der 4/5 Woche unter Hyperemesis. Meine FÄ verschrieb Vomex, leider wurde es noch schlimmer. Nach einer Woche entschloss ich mich noch einmal zum Arzt zu gehen, denn ich lag nur noch apathisch auf der Couch. Ich habe dann sogar aufgehört zu trinken, damit ich am nächsten Tag den Weg zum Arzt schaffe. Ich wurde dann ins KH eingeliefert und bekam Peremesin in Tablettenform. Das hat zumindest das Erbrechen drastisch reduziert und nach insgesamt fünf Wochen war ich soweit, dass die Übelkeit erträglich war und ich wieder arbeiten konnte. Im Nachhinein muss ich sagen, die Übelkeit war schlimmer als die Geburt und der Verdacht auf das HELP-Syndrom, das ich hatte. Die Geburtsschmerzen wurden irgendwann schwammig und nicht mehr nachvollziehbar, an die Hyperemesis konnte ich mich jedoch noch Jahre später mit Grauen erinnern. Das rückte einfach nicht in die Ferne.

Meine zweite Schwangerschaft ließ mich dagegen völlig verzweifeln. Wir wollten ein zweites Kind und auch sonst ist unsere familiäre oder wirtschaftliche Lage entspannt. Ein paar Monate lang haben wir ab und an streßfrei geübt.

Diesmal bemerkte ich meine Schwangerschaft schon durch die Übelkeit.
Anfänglich war sie gut zu ertragen und zu beherrschen. Ich machte dann einen positiven Test. Zwei Wochen später hatte sich die Übelkeit wieder ins unerträgliche gesteigert. Meine FÄ verschrieb wieder Vomex.
Wieder erfolglos. Ich brach - keine Ahnung - bis zu 50 Mal täglich, alle Farben des Regenbogens, denn mit dem Essen war es gänzlich vorbei. Meine Ärztin schrieb mich jeweils nur für drei Tage krank, obwohl ich gar nicht mehr in die PRaxis kommen konnte und zum Klo kroch. Meine netten Arbeitskolleginnen (alles Mütter) hatten für meinen Mann auch nur so nette Kommentare übrig, wie es sei nunmal so, dass einem dann übel ist und selbst die Arzthelferinnen rieten meinem Mann, ich solle spazieren gehen! Spazieren gehen! Ich konnte nicht mal mehr allein in die Stube laufen. Das alles hat mich so wütend gemacht, ich kam mir vor wie ein Hypochonder oder eine Simulantin und litt doch so unbeschreiblich! Ich trocknete aus und kam ins KH. Dort war ich in dieser SS insgesamt 3 Mal deswegen, jedes Mal über mehrere Wochen.

Im KH war es leider auch nur so, dass ich dort verwahrt und lebendig gehalten wurde. Ich bekam regelmäßig einen Tropf, stumpf weiter Vomex und alle zwei Stunden einen Blick von der Schwester, ob ich noch lebe oder vielleicht am Erbrochenen schon erstickt bin. Ich kann diese Zeit in meinem Leben kaum in Worte fassen. Ich fühlte mich wie ein im sterben liegender, schwerstkranker Mensch. Ich war nicht mehr Herr über mich selber, sondern wurde beherrscht. Ich konnte nicht lesen und nicht fernsehen, so übel war mir. So etwas hatte ich noch nie erlebt.
Die Hyperemesis hat mich nervlich wirklich labil gemacht. So bin ich normalerweise nicht. Ich wollte nur, dass es aufhört und starrte die Decke an. Ich überlegte sogar, ob es eine andere Krankheit ist, weil es so unbegreiflich für mich war. Und die ganze Zeit dachte ich an meine Tochter, die nun so zurückstecken musste und auf mich verzichten und ich auf sie! Es war wirklich die schrecklichste Zeit in meinem Leben. Vielleicht kann ein Außenstehender es nicht nachvollziehen, wie es ist, wenn einem jeden TAg, jede Minute unendlich übel ist, aber ich fühlte mich verloren, weil ich das GEfühl hatte, keiner bemühte sich zu helfen und man wartete halt, solange es halt auch dauern würde.

Irgendwann fand ich die Kraft und beschwerte mich und es wurden endlich andere Medikamente ausprobiert. Ingwerkapseln, zwei Arten von Tropfen und irgendwann hat ein Arzt wohl doch mal Bücher gewälzt und Mitleid gehabt und hat dann Postadoxin bestellt. Das reduzierte wieder nicht die Übelkeit, aber das Erbrechen, sodass sich meine Leberwerte etwas erholten.

Die Gynäkologen im KH sprachen immer wieder von Überlastung und psychischen Ursachen. Das war für mich absolut nicht nachvollziehbar.
Abgesehen davon bin ich kein Mensch, der auf Verdrängung setzt. Und überlastet war ich ohnehin nicht mehr, seit Wochen lag ich nur noch rum und tat nichts mehr. Ich war wirklich wütend. Diese Einstellung hatten so viele Ärzte und ich fühlte, dass mir nichts ferner war, als diese Begründung. Eine Begründung für etwas, dass sie nicht erklären können. Ich empfand das als lächerlich für mich persönlich udn sehr schwach!

Irgendwie überlebte ich die vergangenen Monate und im Laufe des 6.
Monats war sie soweit abgeschwächt und verschwand dann nach und nach.
Ich fühlte mich so unendlich befreit. Einfach aufwachen und sich normal fühlen, das war ein großer Luxus für mich. Wieder am öffentlichen Leben teilnehmen können, raus gehen, einen Supermarkt betreten, laufen, sich mit Freunden treffen, etwas unternehmen, endlich Umstandsmode shoppen. Lebensqualität!

Diese Zeit bleibt für mich präsent. Auch wenn Hyperemesis durch den Tropf heute nicht mehr lebensgefährlich und Schwangerschaft keine Krankheit ist, mein Gefühl sagt mir, ich war schwer krank. Und was wäre früher gewesen, vor - keine Ahnung - 200,300 Jahren? Wäre man da
- bei exzessivem Verlauf - womöglich an der Schwangerschaft oder an der Hyperemesis gestorben? Wohl eher letzteres. Ich finde auf diesem GEbiet müsste vielmehr Forschung betrieben werden.

Mittlerweile bin ich im 8. Monat schwanger und es besteht leider wieder der Verdacht des HELP-Syndroms. Ich habe starke ORganschmerzen und hatte auch schon eine Kolik. Alle Beschwerden und auch alle Zipperlein empfinde ich als ertragbar und nicht so schlimm, denn all diese Schmerzen und Wehwehchen sind nichts für mich im Vergleich zur Hyperemesis.

Aber auch ich habe es geschafft diese Zeit zu überstehen und bin nicht daran zerbrochen! Ich habe mich gut erholt und bin wieder zum selbstbestimmten, stabilen Menschen zurückgekehrt. Ein drittes Kind würde ich dennoch nicht mehr bekommen wollen. Es ist zwar kein Trost, wenn man gerade unter Hyperemesis leidet, aber irgendwann wird es vorbei sein und ihr werdet Euch wieder gut fühlen, so weit weg es Euch jetzt auch erscheinen mag!

LIebe Grüße von Kim