Lili

 
Lili ist gerade in der 18 SSW und hat schon "üble" Zeiten im KH zugebracht.Sie ist jetzt auf eigene Verantwortung zu Hause und schafft sich so durch den Tag.Duschen und Haare waschen sind "Tagesaufgaben".Das kennt jede Hyperemesisschwangere...leider (04.02.2008)
 


Deine Seite hat mir sehr geholfen. Zu lesen, dass es anderen Frauen ähnlich geht macht Mut.
Da Schwangerschaftsübelkeit stets mit psychischen Problemen in Verbindung gebracht wird, habe ich schon langsam an mir selbst gezweifelt. Klar bin ich sehr unausgeglichen, der Grund dafür ist aber, dass ich seit fast 4 Monaten unter wahnsinniger Übelkeit und starken Erbrechen leide.

Ich bin 28 Jahre alt, am Ende meines Studiums, seit fast 8 Jahren in einer glücklichen Beziehung und in der 18.SSW. Seit der 6.SSW leide ich unter Hyperemesis. Von einem Tag auf den anderen hat es mich völlig umgehauen. Mir war 24 Std. am Tag richtig übel, ich konnte kaum was essen und Flüssigkeit erbrach ich sofort. Ich war in Panik und die „tröstenden“ Worte meiner Umwelt: „Nach der 12.SSW ist alles vorbei“ lösten Heulkrämpfe aus. Nie würde ich diesen Zustand noch 6 Wochen aushalten... davon war ich damals fest überzeugt.
Ich konnte nicht aufstehen, nicht reden, nicht lesen und obwohl der Fernseher manchmal lief, bekam ich nichts mit. Ich lag in den Armen meines Freundes und heulte. Regelmäßig unterbrochen durch den Würgereiz und das Kotzen.
Meinem Freund sagte der Apotheker, dass er Vomex auf keinen Fall einer Schwangeren geben würde, also nahm ich mir vor das alleine durchzustehen. Das von ihm vorgeschlagene Ingwermittelchen probierte ich allerdings nur einmal aus. Es war so unangenehm es zu erbrechen, dass ich mich nicht traute es ein weiteres mal einzunehmen. Mir ging es so schlecht, dass ich nicht die Kraft hatte, nach anderen Mitteln zu suchen. Ich wollte nur da liegen und warten bis es vorbei war.
Meine Mutter, die übrigens sowohl bei der Schwangerschaft mit mir wie auch bei meiner Schwester unter starker Übelkeit, die bis zur Geburt anhielt, litt, schlug vor, dass ich ins Krankenhaus gehen sollte. Ich war anfangs unsicher und dachte sie schicken mich wieder heim, schließlich war ich nicht krank sondern „nur“ schwanger.
Nach 10 Tagen fühlte ich mich allerdings so ausgetrocknet, dass mein Freund mich ins Krankenhaus brachte. Schon bei der Anmeldung wurde ich mit dem Kommentar begrüßt: Ja ja, das ist ganz normal. So gehts jeder Schwangeren.
Nach einer unangenehmen Stunde im Wartebereich, stellte die Ärztin gleich eine starke Austrocknung des Körpers fest und ich musste dableiben. Die Therapie bestand aus Infusionen mit Vomex. Mir ging es schnell besser. Zwar musste ich mich noch jeden Tag mehrmals übergeben, und mir war auch noch ständig übel, aber zumindest hatte ich jetzt keine Angst mehr um das Baby, da ja wieder Flüssigkeit in meinem Körper war. Alle Ärzte beteuerten, dass es nach der 12. SSW schlagartig gut gehen würde und das Vomex für das Baby unschädlich war und so wurde ich nach 5 Tagen wieder entlassen, sobald die Infusionen meine Urinwerte verbessert hatten.
Zu Hause ging es mir sofort wieder viel schlechter. Die Vomex- Tabletten hatten nicht die gleiche Wirkung wie die Vomexinfusionen und ich fing wieder an 5-15mal am Tag zu erbrechen. Und wieder war es vor allem Flüssigkeit, wie Getränke oder Suppe die sofort in meinen Eimer wanderten.
So kam es, dass ich nach 8 Tagen wieder ins Krankenhaus fuhr. Wie erwartet war ich auch dieses mal stark ausgetrocknet, die Urinwerte waren sehr schlecht und so wurde ich wieder mit Infusionen und Vomex versorgt.
Im Gegensatz zum ersten Krankenhausaufenthalt ging es mir diesmal aber kaum besser. Besonders litt ich unter den blöden Sprüchen der Krankenschwestern und mancher Ärzte: „Sie müssen sich ablenken, gehen sie doch mal mit Freunden weg.“ (Gehen konnte ich zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr. Ich schaffte es kaum die 3 Meter vom Bett zum Klo). „Sie müssen mehr trinken. Denken Sie an ihr Baby.“ (Jeder Schluck Tee oder Wasser verursachte sofortiges Erbrechen.) „Ja ja, mir war auch schlecht als ich schwanger war. Das gehört eben dazu, aber ich war tapfer und bin nicht ins Krankenhaus.“ Und besonders nett, waren die wohl motivierend gemeinten Worte, dass ich doch mal aufhören sollte zu erbrechen, schließlich sei es hier gerade so voll und es gäbe richtig kranke Menschen, die Anspruch auf den Platz haben. Manchmal war ich auch einfach fassungslos über Sprüche wie: „Ich glaube Sie haben gestern was schlechtes gegessen und müssen deshalb heute erbrechen“ (???). Die gleiche Schwester meinte auch: „ Also mir wäre es am liebsten wenn sie mal einfach anfangen würden selbst zu trinken und zu essen und wir die Infusionen weglassen könnten“ (Jaaaaa, das wäre mir tatsächlich auch am liebsten gewesen.)
Was mich auch sehr belastete, war der allgemeinte Klinikalltag. Das sofortige Aufstehen nach dem Wecken um die Betten machen zu können, führt dazu dass ich jeden morgen sofort nach dem Wachwerden über der Kloschüssel hing um auf leeren Magen etwas Magensäure herauszuwürgen. Ich musste mich auch vor jeder Mahlzeit übergeben, kaum brachte die Schwester das Tablette mit dem Essen herein. Unerträglich waren die Blumen oder Wurstbrote, die meine Bettnachbarinnen von ihren Besuchern erhielten. Und obwohl ich den Tag gerne mit einer Vomexinfusion gestartet hätte, musste ich manchmal bis Mittags warten, bis die Schwester Zeit fand mich an eine anzuhängen. Andererseits habe ich manchmal über den ganzen Tag verteil nur einmal Vomex bekommen und als den Schwestern das abends einfiel, waren gleich zwei Ampullen in dem Tropf, obwohl es mir gegen Abend immer besser ging und das die einzigen wenigen Stunden waren, wo ich mich mal erholen konnte. Erstens war dann Vomex überflüssig und zweitens musste ich nach Vomex immer sofort schlafen und hätte dann meinen kostbaren Abend einfach verpennt. Manchmal hatte ich keine Kraft mehr mich zu wehren und oft waren die Schwestern auch so unfreundlich, dass ich gar keine Chance hatte. Obwohl die Ärzte mir in den drei Wochen in denen ich im Krankenhaus war, jedes mal 2 L Infusion pro Tag verschrieben, musste ich den zweiten Liter in langen Diskussionen bei den Schwestern erkämpfen. Jeden Tag aufs Neue.(Sie hatten es entweder falsch übertragen oder sich bei der Übergabe ausgerichtet, dass ich bereits zwei Liter bekommen habe. Solche Erklärungen kamen dann immer am nächsten Tag bei der Visite raus. Aber jeden Tag aufs neue diese blöden Diskussionen). Es war so anstrengend und ich bin auch eigentlich nicht der Typ für sowas.
Zu allem übel habe ich auch sehr schlechte Venen und so musste täglich ein neuer Zugang gelegt werden, da die Venen immer nach 1-2 Infusionen verstopften, die Flüssigkeit in den Arm lief o.ä. Da es mit jedem Tag komplizierter wurde eine passende Stelle zu finden, mussten die Ärzte immer 3-6 mal „versuchen“ bis sie eine Vene fanden. Meine Arme taten weh und waren übersäht mit großen blauen Flecken.
Nach drei Wochen Aufenthalt, an Heiligabend, bin ich einfach auf eigenen Wunsch nach Hause. Ich war so fertig, fühlte mich so unwohl und wollte keinen Tag länger dort bleiben.

Zu Hause (mittlerweile war die hergesehnte 12. SSW vorbei) ging es mir weiter schlecht. Ich konnte wieder kaum was Essen und Trinken. Nach einigen Tagen schleppte ich mich zu meiner Frauenärztin. Ich hatte solche Angst wieder ins Krankenhaus zu müssen, andererseits machte ich mir auch große Sorgen um das Baby. Die Ärztin konnte mich beruhigen. Dem Baby ging es wie immer gut. Sie meinte, solange ich auch nur ein bisschen Flüssigkeit bei mir behalten könnte, sollte ich es ruhig noch ein wenig zu Hause versuchen. Sie meinte, das Baby würde sich aus meinem Körper ziehen was es bräuchte. Solange ich noch lebe, kann es das Kind auch. Das hat mich wirklich beruhigt.
Zum ersten mal seit Schwangerschaftsbeginn stellte sie mich auf die Waage. Ich hatte 15kg abgenommen.

Ich bin nun mittlerweile in der 18. SSW. Seit drei Wochen hat die Übelkeit ein ganzes Stück nachgelassen. Sie kommt zeitweise noch wieder, aber die meiste Zeit lässt sie mich in Ruhe. Erbrechen muss ich leider immer noch 1-3mal pro Tag. Das ist natürlich ein Fest im Gegensatz zu den ersten Monaten. Allerdings bin ich immer noch völlig geschwächt. Duschen fordert wahnsinnige Kraft, die ich nur einmal in der Woche aufbringen kann. Ich versuche aber regelmäßig Zähne zu putzen. (Haare mal durchbürsten habe ich auf NACH der Schwangerschaft vertagt). Meistens kann ich abends trinken und essen, da dann die größten Chancen bestehen, dass es auch drin bleibt. Ich nehme jeden Morgen eine Vomextablette. Wenn ich diese eine weglasse, muss ich wieder den ganzen Tag erbrechen- so hält sich das meistens wie gesagt in Grenzen. Allerdings sind meine Schlafenszeiten durch Vomex völlig durcheinander. Ich kann nachts nicht einschlafen, dafür verschlafe ich nach der Tabletteneinnahme den halben Tag. Seit einigen Tagen nehme ich glücklicherweise nicht mehr ab, allerdings auch kein Gramm zu. Langsam bekomme ich einen ganz kleinen Babybauch.
Psychisch gehts mir an manchen Tagen okay an anderen wieder sehr schlecht. An manchen Tagen wünsche ich mir sehr, doch nicht schwanger zu sein. Auch die Vorstellung, dass ich mich umbringen könnte, wenn ich wollte und es nicht mehr aushalte, hat mir verrückterweise schon oft geholfen. (Selbstmordgedanken hatte ich vor der Schwangerschaft nie gehabt. Aber so schlecht ist es mir auch noch nie vorher gegangen).
Mein Freund ist der Tollste. Seit fast 4 Monaten kümmert er sich um einfach alles. Er geht arbeiten, versorgt mich und auch unseren Hund. Allerdings glaube ich, dass er auch keine großen Kraftreserven mehr hat. Ich liege immer noch 24Std. am Tag im Bett, weil ich mich sofort übergeben muss, wenn ich mich zuviel bewege. (Z.Bsp. nachdem ich auf dem Klo war).
Ich glaube aber, dass ich das Schlimmste überstanden habe und hoffe immer noch ein bisschen darauf, dass noch Tage kommen an denen ich einfach nur ganz normal schwanger sein kann.

Ich glaube nicht, dass ich mich jemals entschließen werde noch einmal schwanger zu werden. Auf jeden Fall habe ich keine Angst vor der Geburt, sondern freue mich sehr darauf. Denn egal wie schlimm es sein wird, ab diesem Zeitpunkt wohnt das Baby ausserhalb meines Bauches und ich kann meinen Eimer in die Ecke stellen