Nadine

 
Nadine ist 32 Jahre alt; es ist ihre erste Schwangerschaft; sie ist in der 20.Woche, selbst rztin und wird selbst von ihren Kollegen nicht ernst genommen.... (30.07.2008)
 
Liebe Chrissi und alle mit leidenden Frauen,

ein großes Lob für diese Homepage, die mir in meiner Schwangerschaft jeden Tag aufs Neue ein Trost in diesen hoffnungslosen Zeiten ist.

Ich bin 32 Jahre alt - soviel dazu dass HE überwiegend junge Mütter mit "noch unzureichend gefestigter Persönlichkeitsstruktur2 betrifft - und das erste Mal schwanger, mittlerweile in der 20. SSW. Übergeben muss ich mich in schönster Regelmäßigkeit seit der 5. Woche (so habe ich festgestellt, dass ich schwanger bin).
In diesen Wochen, die mir persönlich wie Jahre vorkommen (als wäre ich irgendwo in ein Zeitloch gefallen), habe ich bereits wie die meisten von euch drei Krankenhausaufenthalte, etliche Arztbesuche und quälende Stunden auf den Knien vor der Toilette, Plastiktüte, Kotzschale, einmal sogar meiner Handtasche absolviert.

Und ich finde ich halte mich großartig. Leider sagt einem das niemand. Die meisten Menschen im meinen persönlichen Umfeld wissen nämlich genau was ich so alles falsch mache und überschütten mich mit einer nie enden wollenden Flut guter Ratschläge: öfter kleine Mahlzeiten, viel trinken, sich einfach nicht so anstellen und gehen lassen, mal zusammen reißen, dieses Medikament, jene Globuli, hier ein Säftchen, dort etwas Akupunktur..
Hilft alles nicht. An schlechten Tagen kotze ich alles, wirklich alles wieder raus und dann hilft es mir wenig wenn eine fette Nachtschwester mir sagt, ich solle halt mal was essen, sie habe schließlich drei Schwangerschaften hinter sich gebracht und ihr wäre dabei auch schlecht gewesen, aber sie hätte sich einfach nicht so angestellt. Unglaublich!!

Das lustige ist, dass ich selber Ärztin bin und meine Kollegen mich trotzdem wie eine hysterische Kuh behandeln, obwohl in Fachkreisen seit Jahren (!) hinlänglich bekannt ist, Das HE nicht die psychisch Angeschlagenen sondern die mit zuviel ß-HCG (das ist das Schwangerschaftshormon) böse erwischt. Hat mit keine Sau gesagt, musste etliche Fachbücher wälzen. In denen die Ausbeute übrigens mehr als mager war, bestenfalls fand ich eine kleine Randnotiz. Immerhin leiden 5-15% aller Schwangeren an extremer Übelkeit und Erbrechen, anscheinend ist das aber noch nicht genug um dieses Krankheitsbild gründlicher zu erforschen.

Vomex vertrage ich nebenbei bemerkt wie viele Frauen überhaupt nicht, wundert mich sehr, dass dieser Mist weiterhin verschrieben wird. Na ja, ist halt billig und seit über 40 Jahren im Einsatz mit keinem teratogenem (kindschädigendem) Potential und so ein Pharmaunternehmen hat letztlich immer Angst vor Klagen. Das einzige Medikament was mir wirklich hilft ist und bleibt Zofran. Meine Freundin ist Pharmakologin, die bei sehr dürftiger Studienlage keine Kindsschädigung nach Ondansetroneinnahme (so heißt der Wirkstoff) finden konnte. Allerdings ist der Background wirklich schlecht, weil sich die wenigsten Schwangeren zu einer Studie bereit erklären (ach..) außer in den Staaten weil es da Geld für so was gibt. Ich nehme es wenn ich mal wieder drei, vier Tage nur gebrochen habe und dann herrscht für 24 Stunden Ruhe. Mein persönliches Highlight!

Täglich frage ich mich: Wird es besser? Wann? Ihr ward/seid alle so tapfer und habt diese Sache durchgezogen, was ich sehr bewundere. Ich hoffe, dass ich mich bald zu den glücklichen Frauen mit gesundem Kind zählen kann, denn -mein einziger Trost- dem Wurm in meinem Bauch geht es bei jeder Untersuchung super (toi-toi-toi).

Ganz lieben Gruß, eure Nadine