Corinna

 
Corinna hat ihre Hyperemesisschwangerschaft in der Karibik erlebt und dort leider auch keine besseren Erfahrungen gesammelt als in Deutschland (13.08.2008)
 
Liebe Chrissi,

Deine Homepage “hyperemesis.de” hat mir in meiner bisher schwersten Zeit enorm viel geholfen, deswegen schreibe ich Dir einfach mal meine Geschichte.

Als erstes vorweg: ich habe eine gesunde Tochter bekommen, trotz der wirklich schweren Schwangerschaft.
Ich hole ein bisschen aus, da auch die Umstände bei mir eine Rolle gespielt haben.
Ich habe im Jahr 2006 mein Lehramt Studium abgeschlossen und Mitte des Jahres 2006 bin ich dann gemeinsam mit meinem Mann (wir hatten im April 2006 geheiratet) nach Trinidad (Trinidad& Tobago, Karibik) gegangen. Es war für uns beide klar, dass dies nur befristet für maximal 1,5 Jahre war. Mein Mann sollte dort vor Ort ein Projekt betreuen.
So starteten wir im Juli 2006 in die Karibik, wo wir bis zum März 2007 auch ein supertolles Leben hatten. Wir hatten jeder einen Job (ich unterrichtete an zwei Schulen), unsere neu gewonnenen Freunde und natürlich super Wetter satt und reichlich. Schon Ende des Jahres 2006 hatten wir beschlossen, dass wir in 2007 ein Kind wollten und so setzte ich dann im Januar 2007 die Pille ab. Unser Wunschkind konnte sich jetzt auf den Weg machen ;)
Wie der Zufall wohl wollte wurde ich schon Ende Februar schwanger (dort war gerade Karneval, an dem wir auch feierlich teilnahmen). Ich machte zwei Tests und beide positiv. Ich und mein Man freuten uns riesig. Ab da war uns klar, dass wir spätestens im August wieder zurück nach Deutschland kehren würden. Genau eine Woche lang war alles super, ich fühlte mich gut und freute mich über die Schwangerschaft.
Dann fingen die ersten Anzeichen an. Ich hatte Hunger auf Pizza und wir fuhren los, um eine zu holen. Als ich im Laden war wurde mir ziemlich übel von dem Geruch. Essen konnte ich die Pizza aber ohne Probleme. Diese Geruchsempfindlichkeit wurde nach zwei Tagen aber so quälend, dass ich kaum noch was essen konnte.
Dann fing das Erbrechen an. Da zu der Zeit dort eine Magen Darm Grippe umging brachte ich dies erst nicht mit der Schwangerschaft in Verbindung. Und zu Beginn musste ich auch nur bei bestimmten Lebensmitteln brechen. So versuchte ich, eine Woche lang, mich mit Wasser, Zwieback und Tee über Wasser zu halten, was mir nur schwer gelang, da ich ja jeden Tag brechen musste. Zum Schluss wurde es so schlimm, dass auch das Wasser wieder herauskam und mein Magen auch die Magensäure wieder loswerden wollte. Ich verbrachte somit jeden Tag über dem Klo, konnte natürlich nicht mehr arbeiten gehen.
Nach einer Woche kam dann das Unvermeidliche: mein Mann brachte mich ins Krankenhaus, weil ich nichts mehr zu mir nehmen konnte und diese quälende Übelkeit auch mit handelsüblichen Tabletten nicht wegzubekommen war. Dort stellte man dann fest, dass ich dehydriert war, also wurde ich an den Tropf gehängt und bekam drei Mal täglich 2 Spritzen gegen die Übelkeit. Ich lag beim ersten Mal 4 Tage im Krankenhaus. Es war schlimm, ich kannte niemanden, mein Mann musste ja weiter arbeiten, ich bekam ein Einzelzimmer, weil ich ja ein gut zahlender Privatpatient war. Das isolierte mich allerdings noch mehr. Während dem Krankenhausaufenthalt bekam ich die ersten Tage nichts zu essen, sodass mein Magen sich erholen konnte. Nach 4 Tagen wurde ich entlassen mit einem Rezept für Tabletten, die gerade mal lange genug drin blieben, um sie wieder zu erbrechen.
Ich versuchte wieder eine Woche lang zu Hause, mich über Wasser zu halten, schließlich wollte ich auf keinen Fall mehr ins KH zurück. Aber auch Wasser kam wieder heraus und ich hockte Tag und Nacht über der Toilette. Da die Tabletten nicht wirken konnten und auch Zäpfchen ihren Dienst versagten blieb mir nichts anderes übrig, als auf Spritzen zurückzugreifen. Wir mussten uns jeden Tag in der Notaufnahme neu anmelden, um eine Spritze zu bekommen. Ich war total fertig und lag fast vor der Sekretärin im KH, aber bevor das Geld nicht auf dem Tisch lag wurde ich nicht behandelt. Noch heute könnte ich vor Wut platzen, wenn ich an dieses Verhalten zurückdenke.
Unsere Frauenärztin war dann so freundlich, uns zu helfen bei dieser Prozedur. Sie schrieb uns ein Rezept für die Ampullen auf, wir bräuchten dann nur ins KH auf die gynäkologische Station gehen, wo man mir die Spritze geben würde. Soweit lief dann auch alles problemlos ab. Bis wir einmal zwar das Rezept hatten, aber dieses noch nicht eingelöst hatten. Mein Mann bat dann die Schwester, eine Ampulle aus dem Krankenhausschrank zu nehmen, er würde sie ersetzen, sobald er zu einer Apotheke fahren würde. Die Schwester weigerte sich beharrlich. So musste mein Mann über die halbe Insel fahren, bis er eine Apotheke gefunden hatte, die diese Ampullen hatten. Als er dann endlich kam war ich total fertig.
Essen und Trinken ging trotz Medikamente kaum und so landete ich an Ostersonntag wieder im KH. Wieder war ich dehydriert, wieder musste ich an den Tropf, ich bekam freundlicherweise das gleiche Zimmer wie beim ersten Aufenthalt. Und immer noch gab man mir ständig Spritzen, anstatt die Medikamente in den Tropf zu geben. Diesmal entließ man mich mit Steroiden, in der Hoffnung, diese würden helfen. Nachdem ich den Beipackzettel gelesen hatte wollte ich das Medikament kaum noch nehmen, denn Erbrechen war eine Nebenwirkung davon. Wie paradox!! Naja, ich tat, wie die Ärzte mir sagten, und kam mir vor, wie auf Drogen. Ich lief zwei Tage lang wie bekloppt durch das Haus, kam gar nicht mehr zur Ruhe, konnte nachts vor Wadenkrämpfen nicht mehr schlafen. Eigenmächtig setzte ich diese dann ab.
Und wieder landete ich im KH, weil nichts im Magen blieb. Aber dieses Mal war man dann so freundlich, mir die Medikamente in den Tropf zu geben, nach der scherzhaften Bemerkung, dass mein Po ja schon aussieht wie ein Nadelkissen. Ich konnte nicht mehr lachen. Und zu aller Krönung sagte mir die Ärztin dann noch, dass das Baby zu klein wäre. Als ob ich nicht genug durchmachen würde.
Und immer wieder sagten die Ärzte mir: das ist normal und geht nach der 12. Woche von selbst wieder weg. Und so warteten wir. Die Zeit verging, ich kam in die 13. Woche, dann in die 14. Immer noch das Gleiche. Und dann entschlossen wir uns, so schnell wie möglich zurück nach D zu fahren.
In D angekommen wog ich 43kg von anfangs 54kg, als die Schwangerschaft festgestellt wurde.
Insgesamt erholte ich mich aber hier schon. Mein Mann musste leider noch 2 Monate ohne mich in der Karibik arbeiten. Alles in allem habe ich bis zur 24. Woche fast täglich gebrochen, danach nur noch sehr selten. Und am 8. November 2007 brachte ich dann unsere völlig gesunde Tochter Lorraine zur Welt. Alles ohne Probleme. 5 Stunden lag ich im Kreißsaal, dann war sie da. Sogar ohne Schmerzmittel.

Dank deiner Homepage habe ich die schreckliche Anfangszeit der Schwangerschaft überstanden, ich weiß nicht, was geworden wäre, wenn ich nicht deine Geschichte gelesen hätte. Und so möchte ich auch für andere Frauen ein Vorbild sein und ihnen Mut machen, dass man für die kleinen Menschen dieser Welt unendlich viel ertragen kann.
Ganz liebe Grüße von Corinna