Lina

 
Lina hat vor 3 Jahren eine Hyperemesisschwangerschaft durchlebt.Sie hat mit starker Übelkeit noch ihre Abschlussprüfungen durchgestanden! Jetzt ist sie zum zweiten Mal schwanger und die Übelkeit ist dieses Mal nicht ganz so stark wie beim ersten Mal. (19.01.2010)
 
Hallo,
meine erste Schwangerschaft ist jetzt schon fast 3 Jahre her und trotzdem habe ich das Bedürfnis, hier von meinen Erfahrungen zu berichten.
Ich werde versuchen mich kurz zu halten, obwohl ich 100 Seiten schreiben könnte, weil die Zeit so lang schien.
Im Moment bin ich zum 2. Mal schwanger (im Moment in der 9. Woche). Es geht mir schlecht. Ich breche jeden Tag und liege den ganzen Tag im Bett. Aber diese Schwangerschaft ist längst nicht so schlimm wie die erste, ich würde es diesmal eher als stärkere Schwangerschaftsübelkeit beschreiben. Deshalb will ich von meiner ersten Schwangerschaft berichten.
Ich stand kurz vor dem Ende meines Studiums. Schon lange hatte ich den Wunsch nach einem Kind und es war alles super geplant. Zum Ende des Studiums schwanger werden, schwanger die Prüfung machen (schließlich ist eine Schwangerschaft ja keine Krankheit) dann ein Jahr Pause und dann das Referendariat.
Mein Mann hatte Krebs und wir hatten Angst, ob es überhaupt klappt bei uns (nur 1/3 der Männer sollen nach einer Chemo noch Zeugungsfähig sein). Aber es klappte und ich war soooo glücklich.
Doch diese unbeschwerte Freude hielt nur eine Woche, da ging die Übelkeit los. Mein Arzt gab mir Vomex, aber ich wollte keine Medis nehmen in der Schwangerschaft. Ich konnte nix essen und nix trinken. Brechen musste ich noch nicht, aber es ging nix rein. Wog ich schon vor der Schwangerschaft nur so 49/50 Kilo, so nahm ich rapide ab und nach einer Woche wog ich nur noch 46 Kilo. Mein Arzt mache noch Scherze aber mir ging es schlecht. Irgendwann lag ich mit Migräne zitternd auf dem Sofa, rief meinen Mann im Dienst an, dass er herkommen soll und mich ins Krankenhaus bringen soll. Ich konnte nicht mehr aufstehen und so kam ich mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus. Dort wurde mir erst einmal Blut abgenommen, was zu viel für mich war. Ich klappte zusammen und es dauerte wohl relativ lange, bis ich wieder zu mir kam. Ich erhielt dann etwas was das Blutvolumen wieder verbessern sollte und Infusionen. Ich blieb eine Woche im Krankenhaus. Da ich aber nicht brechen musste hieß es, dass es schlecht sei, wenn Magersüchtige Frauen schwanger werden. Ich wurde mit Vomex vollgestopft. Davon ging aber die Übelkeit nicht weg, ich wurde nur benommen, denn 300 mg Vomex täglich bei 46 Kg war wohl zu viel. Ich konnte nicht mehr sprechen oder mich alleine anziehen.
Zuhause lag ich dann 6 Monate alleine in meinem Bett. Es meldeten sich keine Freunde (oder nur ganz selten). Meine Mutter rief alle 2 Tage an und meine Schwiegereltern waren einfach nur scheiße. Ich durfte mir anhören, ich soll mein Studium abbrechen, sonst wäre ich schuld wenn ich das Kind verliere.
Zuhause dosierte ich das Vomex als Kinderzäpfchen selber, so dass ich wieder denken konnte. Langsam fing ich auch an zu erbrechen (was ich als erleichternd empfand). Nebenbei lernte ich für meine Abschlussprüfungen. Meine Hebamme kam täglich und probierte alles (Homöopathie, Akupunktur, Fussreflexzonenmassage,…) aber nix half. Ich hatte Tage an denen ich alle 15 Minuten Galle spukte obwohl ich weder aß noch trank. An diesen Tagen lernte ich nicht für meine Prüfungen, sie endeten meist in einem Migräneanfall. Mein Mann massierte mir dann Stundenlang den Kopf. Insgesamt war es für ihn sehr hart. Einerseits mich so zu sehen, andererseits das organisatorische (Arbeiten, Haushalt, jeden Tag neues Einkaufen, was ich probierte zu essen, in jeder Mittagspause nach Hause kommen um mir etwas zu bringen,…).
Wir waren sehr isoliert in dieser Zeit, denn niemand verstand die Situation.
An den Tagen an denen ich mündliche Prüfungen hatte stand ich um 5 Uhr morgens auf, um bis um 12 Uhr irgendwie in die Uni zu kriechen (mein Mann nahm an diesen Tagen Urlaub und brachte mich hin). Dort musste ich die Treppen kriechen (lag ja sonst nur noch im Bett). Vor der Tür stand mein Mann mit Brechschüssel und ich machte meine Prüfungen. Ich schaffte alle 4 mündlichen ohne zu brechen (wie man sich in solchen Situationen doch beherrschen kann) und bestand alle Prüfungen.
An den Tagen nach den Prüfungen ging immer nix mehr, da erbrach ich wieder im 15-Minuten-Takt.
Ich war im 6 Monat als ich die Prüfungen geschafft hatte und langsam wurde es besser. Konnte wieder essen und nahm rapide zu (wog selbst nach der Schwangerschaft noch fast 70 Kilo).
Da es mir so gut ging machte ich dann auch noch meine geplante Erweiterungsprüfung. Sobald ich dafür wieder lernte, fing ich auch wieder an zu erbrechen, aber nicht mehr so schlimm.
Vier Wochen vor dem Entbindungstermin war ich dann endlich fertig. Ich genoss die letzten Wochen unendlich.
Meine Tochter kam 5 Tage nach dem Entbindungstermin gesund und normalschwer auf die Welt und sie ist wunderschön.

Jetzt bin ich wie oben beschrieben wieder schwanger. Ich habe mein Referendariat abgeschlossen, habe einen festen Job und keinen Stress mehr (bin krank geschrieben). Es geht mir trotzdem schlecht, aber nicht so extrem. Ich glaube der Stress war bei mir wirklich ein verstärkender Faktor, aber eben nicht der alleinige Auslöser.

Das Schwerste an dieser Zeit war das Unverständnis des Umfelds. Ohne meinen Mann hätte ich es nicht überstanden. Er hatte auch mehr Angst als ich, dass diese Schwangerschaft wieder so werden konnte.