Ina und Andreas

 
Ina ist z.Zt. in der 17.SSW.Sie hat Hyperemesis in starker Form.Sie wurde auf Helicobacter getestet und wird derzeit mit einem Antibiotikum behandelt. Die Einnahme hilft ihr sehr gegen die Übelkeit. (29.01.2010)
 
Wir:
Andreas, 24 Jahre, kerngesund, Autor dieses Textes und seit 02.10.08 mit Ina verheiratet
Ina, 25 Jahre, leidet unter Angst- und Panikattacken, dazu teilweise Depressionen und hat außerdem seit Jahren häufig Sodbrennen, schwanger in der 17. SSW mit einem Wunschkind
Unsere Geschichte (stand 29.01.2010):
Am 16.11.2009, Ina war bereits einige Tage ‘drüber, fuhr ich einen Schwangerschaftstest holen, den Ina zu Hause auch sofort machte. Mit Tränen in den Augen und vor Rührung mit einer Hand vor ihrem Gesicht wedelnd kam sie aus der Toilette, sah mich an und sagte überglücklich: „Ich bin schwanger!“. Ich umarmte sie und wir freuten uns, dass es endlich geklappt hatte.
Wenige Tage später, bestätigte der Gynäkologe uns die Schwangerschaft und verschrieb Ina bereits zu diesem Zeitpunkt Nausema, da sie bei ihm über starke Übelkeit geklagt hatte. Wir wären in der 6.Woche und das sei völlig normal. Die Nausema Tabletten halfen ihr jedoch nicht, denn zu der immer noch bestehenden Übelkeit kam nun ein extrem unangenehmer Geschmack im Mund und tierischer Mundgeruch. Zusätzlich hatte ich ihr Rennie gegen ihr starkes Sodbrennen geholt, was aber auch nicht wirklich wirken wollte.
Keine 3 Tage vergingen und es ging los, Ina übergab sich zum ersten Mal, jedoch nicht morgens, sondern abends. Von da an stieg die Zahl der Toilettenhänge täglich an, meistens war es abends ab 21 Uhr am heftigsten, innerhalb von 2 Stunden erbrach sie 7 Mal und kam aus dem Würgen gar nicht mehr ‘raus. Wir fuhren erneut zum Gynäkologen, der ihr nun VOMEX A Dragees verschrieb. Diese halfen ihr meistens über die Nacht, wenn es eh ruhiger wurde, denn tagsüber landeten sie im Klo, bevor Inas Körper den Wirkstoff aufnehmen konnte. Sie bekam weder ein Glas Wasser noch trockenes Zwieback herunter und wenn doch, erbrach sie es kurz darauf wieder.
Ich war völlig verzweifelt, einerseits dachte ich es sei normal während der Schwangerschaft zu erbrechen, andererseits war mir klar, dass diese Häufigkeit nicht normal sein konnte. In meiner Unwissenheit versuchte ich sie ständig zum ‘rausgehen zu animieren, wegen der Bewegung und der frischen Luft, oder mal etwas zu essen. Aber alles was sie konnte war im Bett liegen oder spucken. Den Versuch zu essen hatte sie längt aufgegeben.
Am 04.12.09 fuhr ich sie dann endlich in die nahegelegene Geburtsklinik, sie war völlig entkräftet und hatte bereits 7 Kg Gewicht verloren. Sie wurde direkt stationär aufgenommen und an einen Tropf mit Nährstoffen, Flüssigkeit und VOMEX angeschlossen. Am nächsten Tag ging es ihr viel besser, ihr Acetonwert im Urin war wohl 5-fach erhöht, was bedeutete, dass sie kurz vor der Austrocknung stand. Die Tage im Krankenhaus vergingen, tagsüber lag Ina schläfrig im Bett, bekam täglich Schweinebraten, Kartoffeln mit Soße und Bohnen oder ähnliches vorgesetzt, mit dem Hinweis sie solle essen, worauf sie Hunger hätte und aß natürlich nichts davon. Sie übergab sich weiterhin mehrfach am Tag, bekam abends wieder einen Tropf mit VOMEX und schlief ein.



Nach etwa einer Woche, begannen sämtliche Ärzte und der hauseigene Pastor auf sie einzureden, dass das Spucken an ihrer Psyche läge, da sie ja vorbelastet sei und das Kind wahrscheinlich gar nicht wollen würde. Was völliger Schwachsinn war, denn zu dem Zeitpunkt ging es ihr psychisch eigentlich gut, nur das Spucken zermürbte sie. Am Kind konnte es auch nicht liegen, es ist ein absolutes Wunschkind, immerhin waren wir über ein Jahr erfolglos geblieben mit unseren Versuchen schwanger zu werden.
Da Ina früher schon einmal Akupunktur bei Rückenschmerzen bekommen hatte, nahm sie die Gelegenheit im Krankenhaus wahr, sich gegen das Spucken Nadeln setzen zu lassen. Die ersten beiden Male half es ihr recht gut.
Nach etwa 12 Tagen, in denen sie fast nichts aß, weil es trotz ihres Erbrechens und mehrfacher Meldung bei den Schwestern täglich Vollkost gab, nahm ich sie wieder mit nach Hause, da sie 2 Tage lang nicht gespuckt hatte und sie es probieren wollte Hause zu sein.
Ganze 3 Tage war sie bei mir zu Hause, spuckte aber weiterhin, dann ging es abends zur Akupunktur ins Krankenhaus. Wir winkten noch nett bei den Schwestern, bevor wir gingen. Anscheinend durch eine neue, falsch sitzende Nadel, verbrachte Ina den Rest des Abends auf unserem Klo, erbrach etwa 15 Mal eine Mischung aus Wasser, Schaum und Galle und brach danach völlig erschöpft zusammen. Morgens bekam sie beim Gynäkologen einen Heulkrampf, weil sie das Spucken so belastete und sie Angst um das Kind hatte. Wir bekamen eine Überweisung und fuhren erneut ins Krankenhaus…
Die Prozedur wiederholte sich, fettige Vollkost, VOMEX-Tropf oder Zäpfchen gab es nur auf Nachfrage, tägliches Erbrechen bis zu 20 Mal und immer wieder kam von Ärzten der Hinweis auf ihre Psyche. Jeden Tag besuchte ich sie und sah wie es ihr immer schlechter ging. Sie hatte mittlerweile gut 10 Kg Gewicht verloren. Dann stieß ich auf diese Seite, las von Nausema, VOMEX und Nux-Vomica, die sie zwischenzeitlich auch bekommen hatte, die jedoch keinerlei Wirkung zeigten…
Heiligabend durfte ich sie für wenige Stunden mit zu meinen Eltern nehmen, damit wir wenigstens etwas Zeit für uns hatten. Wir verbrachten das restliche Weihnachten und Silvester dennoch getrennt voneinander, sie im KHS, ich allein zu Hause. Sie fehlte mir total, ich sehnte mich nach Nähe und machte mir Sorgen um meine Frau und das Kind.
Nach über 3 Wochen hatte Ina vom Krankenhaus die Schnauze voll, sie wurde seit einigen Tagen bei der Visite ausgelassen, die Schwestern machten einen genervten Gesichtsausdruck wenn sie mal wieder klingelte und statt Braten mit Soße nach Zwieback fragte, sie hatte Bettnachbarn, die rund um die Uhr Horden von stark parfümiertem, rücksichtslos lautem Besuch empfingen, der außerdem , die auf dem Gang liegende Patiententoilette blockierte, wenn Ina spucken musste…
Anfang Januar ging es ihr kurzzeitig besser und sie wollte nur noch nach Hause. Da die Ärzte immer noch der festen Überzeugung waren, es läge an ihrer Psyche, wurde sie nicht nach Hause gelassen, sondern am 04.01.10 in eine 50km entfernte psychosomatische Spezialklinik verlegt. Ich kam natürlich mit, weil ich sehen wollte wo meine Frau hinkommen sollte. Schon beim Betreten des Gebäudes kam uns eine Rauchwolke entgegen, da das Raucherzimmer direkt gegenüber dem Eingang lag. Ina musste sich erst einmal Übergeben…



Wir durchliefen die normale Aufnahmeprozedur und die Dame zeigt uns ihr Zimmer. Selbst mir wurde bei dem Anblick schlecht, denn es war ein etwa 8m² großes Doppelzimmer, bei dem die Betten höchstens 50cm voneinander entfernt standen, die Möbel waren abgegriffen, als hätten sie Jahrzehnte in einer Jugendherberge gestanden, die Bettwäsche wurde nicht gewechselt, auf dem Boden lagen überall lange schwarze Haare, im Waschbecken war noch Zahnpasta und die Glaskaraffe mit der sie sich Wasser holen sollte, war mit Kaffeesatz verdreckt…
Ina hatte ein kurzes Gespräch mit der Psychologin, übergab sich noch 7 Mal und bat mich dann unter Tränen darum, dass wir wieder nach Hause fahren. Ich zögerte keinen Moment, denn in diesem Drecksloch auf einer Station mit suizidgefährdeten, sich selbst verletzenden Leuten die laut schreiend über die Gänge liefen, hätte nicht mal ich bleiben wollen.
Zuhause war sie erst erleichtert, doch abends wurde es heftiger als jemals zuvor, sie übergab sich Stundenlang bis in die Nacht hinein. Auch am nächsten Tag wurde es nicht besser, in diesen 2 Tagen übergab sie sich insgesamt bestimmt 70 Mal, bis nachts plötzlich Kaffeesatzartiges schwarzes Zeug im Eimer landete, das nach ihrer Aussage nach Blut schmeckte. Nach kurzem Googlen und der Bestätigung, dass es sich dabei um Magenblutungen handelte, griff ich zum Telefon und rief erneut bei dem Krankenhaus an, in dem sie bereits 2 Mal war.
Ich schilderte was passiert war, fragte was wir nun machen sollten und die Ärztin regte sich erst einmal darüber auf, dass meine Frau nicht in der psychosomatischen Klinik sei. Ich nahm ihr den Wind aus den Segeln und sagte, dass so ein Drecksloch für sie nicht in Frage kommt. Dann fing die Ärztin wieder an: „Ja klar sie können ihre Frau jetzt hier her bringen, aber wir können nichts tun gegen ihre Psyche, wir können nur einen Tropf anschließen und Akupunktur hat sie auch bekommen, wir haben alles gemacht was wir können, aber verstehen sie ihre Frau und ihre Psyche“ Mir platzte fast der Kragen und ich erwiderte „Meine Frau hat 3 Wochen lang bei ihnen gelegen, täglich gekotzt, aber dennoch Braten mit Soße vorgesetzt bekommen, musste um VOMEX betteln und hat von der Akupunktur noch mehr gekotzt und wenn sie jetzt noch einmal was von ihrer Psyche sagen…sie hat 15 Kg abgenommen in nicht mal 4 Wochen!“ Naja die Ärztin riet mir, Ina in eine andere Klinik zu bringen, da diese eine psychiatrische Station im Nebengebäude hätte. Ich verkniff mir die Ärztin mit den diversen bösen Worten die mir auf der Zunge lagen zu beschimpfen und legte auf.
Etwa eine Viertelstunde kämpfte ich, um Ina, die völlig entkräftet und ausgetrocknet war, überhaupt vom Sofa bei -12°C ins Auto zu bekommen. In der anderen Klinik angekommen, gab es mal wieder Ultraschall und als ich sah, wie das Kind sich bewegte und am Daumen lutschte, beruhigte es mich etwas. Ina übergab sich zwischenzeitlich immer wieder.
Die Behandlung verlief anfangs ähnlich wie zuvor, doch die Ärzte schienen sich viel mehr Zeit zu nehmen. Als einer der behandelnden Ärzte Ina auf ihre Psyche Ansprach und wieder versuchte sie in „das Drecksloch“ abzuschieben, wurde sie laut und sagte in sehr energischem Ton: „Wissen sie was mein Problem ist?! Ich drehe fast durch, weil ich seit Wochen am Kotzen bin und alle mich in eine Klapse stecken wollen, statt mich zu und mein Erbrechen zu behandeln!“


Mal wieder durchforstete ich in der Nacht diese Seite und stieß auf den bereits 1998 veröffentlichten Bericht, von dem Arzt, der Helicobacter Pylori in über 90% der Hyperemesis Fälle nachweisen und somit als Ursache deklarieren konnte. Sofort druckte ich den Artikel aus, markierte die wichtigsten Stellen und bat am nächsten Tag um ein Gespräch mit dem Arzt.
Ich sagte, ich würde Ina nicht wieder mitnehmen, wenn niemand ihren Magen untersuchen würde, was nach 5 Wochen Dauererbrechens mit Magenblutungen noch niemand gemacht hatte, obwohl sie bereits vorher so häufig Sodbrennen hatte, was die Ärzte auch gesagt bekommen hatten. Außerdem gab ich ihm den Artikel und bat darum, sie bitte darauf zu untersuchen. Er fand es zwar interessant und gut, dass ich mich mit dem Thema beschäftigt hatte, sagte aber, ich solle mir nicht so große Hoffnungen machen, da der Artikel von 1998 sei und sich längst durchgesetzt hätte, wenn da etwas dran wäre…
Wenige Tage später hatte Ina morgens eine Magenspiegelung und das Warten auf das Ergebnis begann. Sie hatte Angst, dass die Ärzte nichts finden würden, während ich eher optimistisch war. Als dann die Ärztin in ihr Zimmer kam und sagte „Wir haben tatsächlich eine erhebliche Anzahl von Helicobacter Pylori Bakterien nachgewiesen, sie bekommen eine Kombibehandlung aus 2 Antibiotika und einem Magensäurereguliere.“ hatten wir beide Tränen in den Augen.
Die Medikamente schlugen sofort an und bereits am 3. Tag aß Ina Nudeln mit Tomatensoße. Nun ist sie seit dem 14.01.10 wieder bei mir zu Hause, hat wieder etwas zugenommen und ist endlich normal schwanger. Sie hat an 1 oder 2 Tagen mal morgens gespuckt, aber das schockt hier niemanden mehr. Wir sind jetzt in der 17. SSW und bekommen hoffentlich am 13.07.2010 einen gesunden Jungen.
Wir möchten uns hiermit bei dir Chrissi und bei allen anderen Bedanken, die auf dieser Seite so viele Informationen zu dem Thema zusammentragen bedanken!
Außerdem möchten wir euch dazu ermutigen, euren Arzt auf Helicobacter hinzuweisen, mittlerweile kennen wir nämlich noch 2 Paare bei denen der Helicobacter ebenfalls schuld an der Hyperemesis war.
Liebe Grüße Andreas und Ina