Anne

 
Anne berichtet von ihrer Zeit, in der sie nur "dahinvegetierte" und ihre Umwelt kaum noch erlebte (30.05.2010)
 
Meine 9 Monate mit HE

Kurz zu mir, ich bin 24 Jahre alt, verheiratet und im Rettungsdienst tätig.
Mein Elend begann letztes Jahr anfang September, es war Freitag und ich hatte meinen letzten Arbeitstag und dann endlich 3 Wochen Urlaub, irgendwie war mir an dem Tag schon etwas flau im Magen und beim Autofahren ist mir richtig schlecht geworden.
Am Samstag dann schlimme Übelkeit und Erbrechen...na toll dachte ich. jetzt hab ich mir zu Beginn meines Urlaubs auch noch einen Norovirus eingehandelt.
Leider ist die Übelkeit in den nächsten Tagen nicht besser geworden, irgendwann ein positiver Test und die Bestätigung durch meine Frauenärztin, dass eine Schwangerschaft besteht mit der Bemerkung, dass ich einen ungewöhnlich hohen HCG-Wert habe.
Die Schwangerschaft war zwar nicht direkt geplant aber trotzdem gewollt und ich hab mich am Anfang auch gefreut und hatte die Hoffnung die Übelkeit geht schon wieder weg.
In der nächsten Woche hab ich versucht meine Probleme mit Nausema und Ingwertee zu bekämpfen, das hat natürlich nichts gebracht und es wurde immer schlimmer.
Meine Ärztin hat mir geraten es auszuhalten und die ersten 3 Monate keine Medikamente zu nehmen, also lag ich den ganzen Tag auf dem Sofa und mein Mann hat diverse Süppchen und Tees gekocht immer in der Hoffnung ich kann etwas bei mir behalten.
Irgendwann war mein Urlaub vorbei und an Arbeit war nicht zu denken, deswegen erstmal Krankenschein und später dann Beschäftigungsverbot.
Zu dem Zeitpunkt konnte ich schon keine 500m mehr laufe und die Fahrt zum Arzt war das schlimmste was es gab.
In der 8. Woche war mein Zustand dann so übel, dass meine Ärztin darauf bestanden hat, dass ich sofort ins Krankenhaus eingeliefert werde. (Hatte da schon 10% Körpergewicht verloren und seit Tagen keine Flüssigkeit mehr bei mir behalten)
Im Krankenhaus wurde ich Aufinfundiert und bekam Vomex i.v., irgendwann wurde ich wieder entlassen und mein Mann, der zum Glück Examensvorbereitung hatte und den ganzen Tag zu Hause war, pflegte mich zu Hause weiter.
Ich begann schon morgens zu Erbrechen und dann oft alle 20 Minuten, wenn garnichts mehr ging nahm ich Vomex als Zäpfchen, weil Tabletten unmöglich waren. Oft wusste ich nicht wie spät es ist und vegetierte nur noch dahin ohne viel zu realisieren. Mein Mann musste mich zur Toilette bringen und mich waschen, weil ich dafür einfach keine Kraft mehr hatte, ich konnte mich nicht mal mehr allein anziehen.
In der 14. Woche dann wieder Krankenhaus und eine Therapie mit Vomex, was natürlich nur kurzzeitig Linderung verschafft.
Als ich wieder zu Hause war, weil ich dort einfach besser gepflegt wurde ging der Horror wie gewohnt weiter.
Das schlimmste waren auch die ganzen Menschen die angerufen haben und jedesmal neue tolle Ratschläge hatte, wie zum Beispiel dass ich mich endlich mal wieder aufraffen soll und meinen Haushalt erledigen soll, dass es nicht besser werden kann wenn ich nie an die frische Luft geh oder dass ich mir den Bauch mit Öl einreiben soll. Das ist natürlich alles totaler Schwachsinn und hilft bei HE nicht und ich denke jeder der das durch hat kann mich verstehen, dass ich einfach nicht mehr aufstehen konnte.
Im 4. Monat sagte mir meine Ärztin, dass man die HE nur durch einen Abbruch loswerden könnte das wollten wir aber beide nicht, weil ich wusste, dass ich wahrscheinlich niemals wieder den Mut finden werde Schwanger zu werden.
Irgendwann haben wir uns dann doch getraut regelmäßig Medikamente zu nehmen und ich hab jeden Tag Vomex genommen.
Als ich das erste mal wieder bewusst und freiwillig vor der Tür war, war der Winter schon fast vorbei und überall war Schneematsch.
Im 6. Monat war es dann etwas besser, sodass ich wenigstens Morgens essen konnte und die Übelkeit und das Erbrechen erst mittags begonnen haben.
Zum Glück hatten wir die Seite gefunden und wussten auch von Embrytox da haben wir uns dann im 7. Monat gemeldet.
Die haben Agyrax in Verbindung mit MCP empfohlen und das hab ich dann auch den Rest der Schwangerschaft genommen.
In der 35. Woche lag ich dann wieder im Krankenhaus, weil die Ärzte da der Meinung waren, dass HE so selten ist, dass es eher vom Magen her kommt. Also wurde eine Magenspiegelung gemacht, was wirklich nicht besonders angenehm war. Die Speiseröhre und die Magenschleimhaut waren zwar extrem geschädigt, aber sonst alles negativ - auch Heliobakter.
Kurze Zeit später hab ich leider noch eine Eklampsie bekommen und deswegen wurde dann auch in der 37. Woche eine Einleitung versucht. Am zweiten Tag hab ich unter den Wehen so doll angefangen zu Erbrechen, dass ich nach 8 Std. einen Wehenhemmer bekommen habe und mich erstmal wieder erholen sollte.
In der 38. Woche wurde dann endlich ein Kaiserschnitt gemacht, im OP musste ich nochmal etwas gegen das Erbrechen bekommen, aber kaum war das Kind da wurde es besser und noch am gleichen Abend konnte ich das erste mal wieder Essen ohne zu erbrechen und dann kam die erste Nacht ohne Übelkeit.
Ich kann nur sagen, trotz Kaiserschnitt war das die angenehmste Nacht seit Monaten!!!
Die Narbe ist gut verheilt und ich konnte schon eine Woche später wieder Autofahren und war mit der Kleinen einkaufen also ich würde mir lieber noch 5 Mal den Bauch aufschneiden lassen als noch einmal schwanger zu werden.