Sara

 
Sara hat vor 4 Jahren eine "Höllenschwangerschaft" hinter sich gebracht und ist jetzt zum 2.Mal schwanger. Wieder mit Hyperemesis. Ihr hilft ein ganz klein wenig "Diazepam" (26.06.2010)
 

Also ich heisse Sara, bin 25 Jahre, seit 3 Jahren sehr glücklich verheiratet und habe mit meinem Mann auch schon einen 4 Jahre alten Sohn und bin nun mit unserem 2. Wunschkind in der 24. Woche schwanger.

Schon die Schwangerschaft von unserem Großen war die reinste Hölle... Ich war 9 Monate krank geschrieben und lag eigentlich nur noch im Badezimmer auf dem Boden weil ich eh nur über dem Klo hing. Ich war wie weggetreten vom vielen erbrechen.
Wir haben es erst mit Hausmittelchen versucht, sind ja davon ausgegangen dass es die "normale" Schwangerschaftsübelkeit sei die nach spätestens 3 Monaten vorbei geht. Also Ingwertee, Sea Band, Akupunktur, Akupressur, Globulis... half alles nichts. Da ich so abgenommen hatte bekam ich Infusionen mit Vomex alle 2 Tage ambulant.
Es war schlimm, aber damals waren wir ja noch "allein" so dass es egal war ob ich 24 Stunden dahinvegetierte... Ich konnte mich ehrlich gesagt nicht mal zum duschen aufraffen und was anderes als nen Jogginganzug hatte ich in der Zeit - nicht mal für die Arztbesuche - auch nicht an.
Kurz und gut: 2 Wochen vor dem ET bekam ich eine Schwangerschaftsvergiftung und ich war noch nie so erleichert als der Arzt sagte die Geburt würde nun eingeleitet werden.
Diese endete leider auch noch in einem Disaster... :( Erst am dritten Tag nachdem zum wiederholten mal das Gel gelegt wurde ging es los. Und das dann zu schnell. Die Ffruchtblase platzte und der Muttermund öffnete sich innerhalb von 10 Minuten komplett!! Ich hatte sofort schreckliche Presswehen. Unserem Junior ging das ganze viel zu schnell, seine Herztöne waren schon fast ganz weg und ich auch... Hab nur noch den Arzt rufen hören "Not-Sectio" und dann war alles wie im Film: Eine rote Sirene ging im Flur an, von allen Seiten kamen sie angerannt und mit mir auf dem Bett rannten sie in den OP. Das erschrockene Gesicht von meinem Mann werde ich nie vergessen... Er durfte ja nicht mit. Und ich bekam ganz schnell eine Vollnarkose. Also nach all den Wochen voll Leiden nicht mal den ersten Schrei gehört!! Und noch schlimmer: Unser Kleiner kam auf die Intensivstation und ich konnte ihn erst einen Tag später sehen. Daran habe ich noch heute zu knabbern. :(

Danach habe ich natürlich gesagt das mache ich NIE mehr durch... Doch nun Jahre später war der Wunsch nach einem 2. Kind einfach stärker. Mein Mann hat es sich so sehr gewünscht und auch ich wollte unbedingt nochmal ein süßes Würmchen in den Armen halten.

So haben wir uns entschlossen nicht mehr zu verhüten und es hat auch sehr schnell geklappt. Ich weiss noch wie glücklich wir waren als ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt! Ich habe ihn meinem Mann zum Valentinstag geschenkt... :) Am meisten gefreut hat uns einfach dass es mir so gut ging!
Aber die Freude hielt leider nicht lang... Nur eine Woche später fing es an. Ich musste mich morgens immer übergeben. Aber wir haben uns natürlich gesagt, dass ist ja nicht schlimm so lange es nur morgens ist und auch nur die ersten 3 Monate dieses mal vielleicht...
Aber dann ging es so rapide Bergab, kaum zu beschreiben!
Und dieses mal ist es wie gesagt nicht so einfach wegen unserem Großen. Mein Mann ist selbstständig und muss natürlich arbeiten gehen, so haben wir unseren Sohn 2 Monate aus dem Kindergarten genommen und ich bin mit ihm für diese Zeit zu meinen Eltern "gezogen".
Ich habe zwischen 30 und 40 (!) mal am Tag erbrochen. Bis nur noch Galle kam und letztendlich sogar Blut... An einem Tag dachten wir, ich würde sterben. :/
Und durch den starken Flüssigkeitsverlust war ich schon kurz vorm Nierenversagen.
Habe mich schon gar nicht mehr getraut irgendwas zu mir zu nehmen. Denn selbst jeder Schluck Wasser kam sofort schwallartig wieder raus und mit fester Nahrung ist es ja noch schlimmer mit dem übergeben...
Zuerst haben wir wieder mit den "sanften" Methoden angefangen. Globulis, Ingwertee usw. Vomex habe ich auch in jeglicher Form versucht. Zäpfchen und Tabletten halfen überhaupt nicht. Was einigermaßen gut ging war der Saft (für Kinder) davon hab ich aber 1 Flasche über den Tag verteilt nehmen müssen... Ich konnte nicht mal zum Arzt gehen so dass jeden Tag meine Hausärztin zu meinen Eltern nach Hause kam. Ich bekam täglich Akupunktur und als das nicht angeschlagen hat fingen wir an mit 2x täglich Infusionen. Ich bekam einen Dauerzugang gelegt und entweder meine Mutter oder mein Mann haben mich dann an den Tropf angeschlossen bzw. diesen wieder entfernt damit ich wenigstens bei unserem Sohn bleiben konnte, ich wollte nicht ins KH. Darin waren 1 Liter Kochsalzlösung, 1 Ampulle Frekavit und 1 Ampulle Vomex. Das half ganz gut. Das erbrechen wurde weniger, die Übelkeit blieb 24 Stunden...
Als es mir wieder "einigermaßen" ging wollte ich mit meinem Sohn endlich wieder nach Hause zu meinem Mann.
Aber nur paar Tage später der Schock: Ich bekam Blutungen! Also sind wir sofort ins Krankenhaus gefahren wo sie mich auch gleich dabehielten. 3 Tage wussten wir nicht ob wir unser Baby verlieren würden... Ich musste 11 Tabletten am Tag schlucken, u.a. Hormone damit die Schwangerschaft bestehen bleibt. Aber ehrlich gesagt ging es mir selber so schlecht dass ich mir nicht mal Sorgen um das Baby machen konnte...
Im KH haben wir übrigens dann zum ersten mal die Diagnose "Hyperemesis" erhalten. Ich habe dann in meinem Mutterpass nachgeschaut und schon bei der 1. SSW stand dies drin, wurde mir aber nie gesagt oder erklärt, sonst hätten wir uns ja schon eher schlau machen können darüber.
Wir waren froh wenigstens mal ne Erklärung dafür zu haben, denn Familie und Freunde konnten gar nicht damit umgehen. Wie ich es gehasst habe die Sprüche "Nach dem 3. Monat ist das vorbei", "Da muss man durch", "Ihr habt es doch so gewollt" und das Beste: "Stell dich nicht so an!"
Mein Mann hat dann durch diesen Begriff deine Homepage entdeckt. Es gibt ja sonst auch rein gar nichts darüber und das im Internet...! Sobald es mir so ging dass ich etwas an den Laptop konnte habe ich deine HP gelesen. Bei den Berichten von den anderen betroffenen Frauen muss ich jedes mal heulen.
Es ist teilweise sehr sehr schlimm was da zu lesen ist und erinnert einen noch mehr an die eigene Situation und auf der anderen Seite tut es gut nicht allein zu sein...
Als ich noch vor der 15. SSW war habe ich mehrfach ernsthaft in Erwägung gezogen abzutreiben, so hart es klingt...
Ausser mit meinem Mann habe ich mich nicht getraut mit jemand darüber zu sprechen, erst hier habe ich dann gelesen dass ich nicht alleine damit bin und andere sogar diesen Schritt gegangen sind...
Aber mein Mann hat mir immer wieder Mut gemacht und gesagt wir schaffen das...
Manchmal wollte ich selber am liebsten sterben. Aber wenn man schon ein Kind hat geht das ja auch nicht...
Ohne ihn wüsste ich auch ehrlich gesagt nicht wie ich das aushalten sollte. Also der richtige Partner an der Seite ist sehr sehr wichtig. Er übernimmt hier seit Februar praktisch ALLES. Kümmert sich um Kind, Frau, Hund, Haushalt und muss noch arbeiten gehen... Er nimmt viel frei wenn es mir ganz schlecht geht, wofür ich ihm so so dankbar bin.
Genauso wie der richtige Arzt.
Denn als ich endlich daheim war konnte ich endlich mal zu meinem Frauenarzt gehen (zuvor war ich bei einer Ärztin in der Stadt wo meine Eltern wohnen).
Und der ist wirklich ganz große klasse. Mir ging es so schlecht dass ich nicht mal sprechen konnte und musste ständig aus dem Zimmer springen aufs WC dort um mich zu übergeben. Er hat es also gleich sofort miterlebt wie es mir geht. Und ich weiss noch wie mein Mann an dem Tag auf dem Weg zum Arzt meinte (ich hatte die 10 Minuten Autofahrt ne halbe Einkaufstüte vollgekotzt): "Entweder der verschreibt dir jetzt mal was richtiges oder die müssen dich ins Koma versetzen!" Da lagen unsere Nerven echt blank...
Von Zofran hat mein Arzt abgeraten!
Als der Arzt dann aber sagte er verschreibe mir jetzt Valium damit mein Körper mal von dem "Kotztrip" runter kommt war ich ganz baff. Konnte damit gar nichts anfangen. Kannte das nur aus dem TV und dachte das sei gegen starke Schmerzen. Dass das eigentlich Psychopharmaka ist hab ich erst später mitbekommen. Und seit ich das Diazepham bekomme geht es mir DEUTCHLICH besser! Ich kann endlich wieder ab und zu mit unserem Sohn spielen, war sogar mit meinem Mann und Kind mal eine Ausflug machen und ich kann selbstständig essen und trinken.
Ausserdem hab ich noch etwas flüssiges bekommen namens Tepilta was meinen stark gereizten Magen beruhigt hat. Nach nur 3 Tagen musste ich das nicht mehr nehmen.
An manchen Tagen geht es sogar ganz ohne Tablette aber dafür brauch ich an anderen wiederrum 2 Stück...
Nun meinte der Doc jedoch dass ich diese nicht bis zum Schluß nehmen darf. :/ Und davor habe ich nun große Angst. Was, wenn er mir kein Rezept mehr ausstellt und ich wieder in das extreme abrutsche??? Ich mein, die Übelkeit wird man glaub nie wegbekommen. Egal mit was. Also schlecht ist mir 24 Stunden nach wie vor, aber wie gesagt, man kann sich auf den Beinen halten, das ist schon mal ein großer Erfolg wenn man unter Hyperemesis leidet.
Mein Gyn meinte übrigens dass das wohl erst in gut 30 Jahren (!) erforscht sein würde und er aber davon ausgeht dass es was mit dem Gehirn zu tun hat. Und je mehr ich darüber nachdenke umso logischer kommt mir das vor. Denn schließlich ist das Einzige was Linderung bringt dieses Psychopharmaka. Kann ja sein dass das die Störung im Gehirn ausschaltet die dafür verantwortlich ist?!
Ich finde es echt "gemein" dass wir im Jahr 2010 leben und eigentlich ALLES erforscht ist und es für sämtliche Krankheiten Heilmittel gibt aber bei Hyperemesis macht sich irgendwie keiner die Mühe weil so wenig betroffen sind...
Hinzu kommen in dieser Schwangerschaft eh noch weitere Faktore die einen nervlich sehr belasten. :/ Es ist nicht auszuschließen dass unser Baby eine Fehlbildung hat. Erst hieß es die Nabelschnur habe nur 2 Stränge statt 3 was u.a. Trisomie hätte bedeuten können. Dies wurde zum Glück mittlerweile ausgeschlossen aber bei der Feindiagnostik letzte Woche wurde festgestellt dass ein Gehirnventrikel von der Größe her an der Grenze ist...
Aber wie gesagt bin ich nun in der 24. SSW was bedeutet dass wir schon viel mehr geschafft haben als noch vor uns liegt!! Das halte ich mir immer vor Augen. Und der Kleine - wir bekommen wieder einen Jungen :) - wird auch schon früher per Kaiserschnitt geholt. Im Normalfall ja 2 Wochen vor dem ET aber ich hoffe das vom Gewicht usw. alles so gut ist dass er schon 4 Wochen vorher geholt werden kann und wir endlich wieder ein ganz normales Familienleben haben können.
Ich hoffe die noch 3 Monate gehen schnell vorbei...
Könnte noch ewig weiterschreiben, aber ich glaube das meiste ist gesagt und würde sonst den Rahmen sprengen. ;) Hoffe das Ganze ist nicht zu durcheinander.