AN ALLE, DIE DAS FOLGENDE LESEN WOLLEN:

Meine Story ist ziemlich lang. Ich habe sie einfach so runtergeschrieben, wie mir alles in den Sinn kam. Und ich kann auch nichts davon weglassen, weil das einfach alles dazugehört.

Also druckt es Euch einfach aus, bevor Ihr viereckige Augen bekommt.:-))

 

 

Eigentlich fing alles total fröhlich und harmlos an. Es war Sommer 1994 und wir waren gerade 3 Monate verheiratet, als ich schwanger wurde. Ein bißchen Angst hatte ich schon davor, denn meine Schwester war gerade in der12. SSW und ihr war immer so schrecklich übel. Aber wieso sollte mich das auch erwischen. Also war ich frohen Mutes.

Als meine Regel ausblieb, freute ich mich riesig, machte einen Schwangerschaftstest aus der Apotheke und der zeigte an : negativ, also nicht schwanger. Meine Tage kamen nicht also ging ich zu meinem Frauenarzt um einen Schwangerschaftstest machen zu lassen. Die Arzthelferinnen machten einen Test und teilten mir Minuten später mit, daß ich schwanger sei. Aber so richtig sagen könne man das erst in 2-3 Wochen beim Ultraschall. Aber zu 98% sei es sicher. Da ging ich raus, freute mich, fing an zu weinen vor Freude und war total durcheinander.

Jahre hatte ich mir in meinen Träumen ausgemalt, wie es wohl ist schwanger zu sein und auf einmal war es dann soweit. Das überforderte mich richtig. Meine Gefühle waren wie eine Berg,- und Talbahn, aber das kennt wohl jede schwangere Frau.

Ich fuhr heim, rief sofort meinen Mann an, erzählte ihm die frohe Botschaft und auch er war total von den Socken.

Wenige Tage danach fuhren wir in den Urlaub. Eine Woche im Bayrischen Wald. Es war mein erster und bislang auch letzter Hotelurlaub. Kaum waren wir da wurde es mir so komisch. O.K. meine Brust tat weh, alles völlig harmlos und total normal. Mir war ständig flau im Magen und dieses Essen dort, was sicherlich sehr gut war, konnte ich einfach nicht riechen. Ich fand das schrecklich . Diesen Geruch und das dazugehörende "Kotzgefühl" kann ich mir jederzeit wieder in Erinnerung rufen und glaubt mir, das Hotel war wunderschön, aber ich würde nie mehr dort hinfahren, weil es mir glaube ich echt wieder schlecht werden würde.

Naja, soweit so gut. Wir kamen nach einer Woche wieder heim und ich wollte "es" noch niemandem erzählen.

Dann ging schlagartig (dieses Wort ist deshalb fett gedruckt, weil es mich in beiden Schwangerschaften mehrmals begleitete) die Kotzerei los. Ein paar Tage nur morgens. Da dachte ich o.k. das ist normal. Ich habe tapfer im Bett eine kleine Mahlzeit gefrühstückt und habe alles versucht, damit es mir nicht schlecht ging.

Leider habe ich zu dieser Zeit noch gearbeitet und mußte mich dann krank melden, weil ich nicht mehr arbeiten gehen konnte. 2 Wochen habe ich mich mit Magen-Darm-Grippe krank gemeldet, dann habe ich meinen Kollegen die Wahrheit erzählt. Ja ich bin, nachdem es mir nicht mehr nur morgens, sondern den ganzen Tag, ach eigentlich 24 h schlecht war natürlich zu meinem FA gegangen. Von dem habe ich Vitamin B6 verschrieben bekommen. Das hat genauso geholfen, wie ein Plazebo, nämlich gar nicht. Dann hat er mir VOMEX als Dragees verschrieben. Mit denen kam ich so einigermaßen über die Runden. Allerdings habe ich nach und nach immer mehr abgenommen.

Ich konnte weder essen noch trinken. Essen ist ja egal, aber trinken eben nicht. Ich habe es wirklich mit allen Getränken, die es hier in der Gegend zu kaufen gibt probiert. Mein Mann hat einfach alles angeschleppt, was er nur finden konnte. Alle Säfte, Wässerchen, Malzbier, Cola, verschiedene Limonaden, Tee etc...... die es eben so gibt. Und nichts blieb drin. Der eckelhafteste Versuch war eigentlich Cola. Weil Cola beim rausspucken genauso schmeckt wie beim Trinken. Und das ist nicht gerade angenehm!!!!!

Mir ging es einfach hundeelend. Ich kam überhaupt nicht mehr auf die Beine. Egal ob ich nun gerade gekotzt hatte oder nicht, mir war einfach nur schlecht. Ich dachte irgendwann kotzt du einfach das Baby mit raus. Ich hatte noch einen Blutdruck von 80/60 im Höchstfall und habe mich eigentlich schon tot gefühlt. Ich hing entweder, wenn ich es geschafft habe über der Kloschüssel, ansonsten über meinem Eimer, der mir heute noch viel bedeutet (weil mit mir durch dick und dünn gegangen ist :-)))) ) oder ich lag im Dämmerschlaf in meinem Bett. Wenn ich geschlafen habe war mir wenigstens nicht schlecht. Erst als ich wieder wach wurde, war mir wieder kotzübel. In der 9 SSW hatte ich bereits 4 kg abgenommen und konnte mich einfach nicht mehr auf den Beinen halten.

Bis dahin dachte ich noch, daß ich es einigermaßen durchstehe, aber irgendwann konnte ich nicht mehr. Mit Hilfe meines Mannes habe ich es etwa 200 Meter laufen geschafft, dann bin ich einfach zusammengeklappt. Ich hatte dann oft den Eindruck, ich habe nicht mal mehr Kraft zum Kotzen. Ich dachte einfach jetzt sterbe ich.

Und ich hatte mich so auf ein Baby gefreut. Ich wollte immer 5 Kinder! (Jetzt habe ich 2 und will nieeeeeeee meeeeeeeehr im Leben schwanger werden!!!!!!!!!!!!)

Als ich wieder mal (so ca.11/12 SSW) einen ganzen Tag durchgekotzt hatte hat mein Mann, er heißt übrigens Tom, beschlossen mich ins Krankenhaus zu bringen. Das wollte ich nicht. Ich hatte so Angst, daß die mich dabehalten und nie wieder weggehen lassen. Meine Schwester war zu diesem Zeitpunkt schon 8 Wochen im KH gewesen und ich hatte Angst, es würde mir genauso ergehen.

Ich konnte mich eh nicht mehr wehren, Tom packte ein paar Sachen, schaffte mich ins Auto und brachte mich ins KH.

Dort angekommen war es 19.30 Uhr. Wir gingen auf die Station, meldeten uns ganz freundlich, soweit das nun eben mit Eimer unterm Kinn geht, und wurden angewiesen in der Wartezone Platz zu nehmen. Irgendwann kam eine Schwester vorbei, gab uns ein Formular in die Hand, was wir ausfüllen sollten und ging dann wieder.

Irgendwann "erdreistete" sich Tom zu fragen, ob ein Arzt oder eine Schwester sich um mich kümmern könne.

Daraufhin erhielten wir die Antwort, es sei Übergabezeit (von 20.00-20.30 Uhr), danach würde ein Arzt schauen, wenn er Zeit hat.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich habe einen Riesenrespekt vor der Arbeit, die die Angestellten eines KH leisten und ich verstehe auch, daß diese Übergabezeiten enorm wichtig sind, aber ich kam mir in dieser Situation vor wie der letzte Dreck. Ich hing da wie ein Häufchen elend und dachte wieder mal ich sterbe.

Egal, es ist vorbei.

Nach einer mir endlos erscheinenden Zeit bat uns endlich eine Schwester mit zum Arzt zu kommen.

Der befragte mich zunächst ganz harmlos, dann begann er mir Vorwürfe zu machen, wieso ich abends um 21.00 Uhr zur Aufnahme käme, sie hätten schließlich morgens Patientenaufnahme und abends was besseres zu tun, als sich um so Leute, die meinen es sei ihnen jetzt schlecht zu kümmern. Da versagte mein Nervenkostüm und ich fing an zu heulen. Ich hätte ihm am liebsten im hohen Bogen über seinen Kittel gekotzt, aber leider !!! habe ich mich das nicht getraut. Dann nahm er mir in allerseelen Ruhe Blut habe, stellte seine Anamnese fertig, beschwerte sich dann bei mir, daß ich keinen Einweisungsschein meines FA dabei hätte und sagt schließlich zu mir." Sie wollen sicher das Baby nicht, sonst wäre ihnen nicht schlecht". Was sagt denn ihr Mann dazu ? Will der das Bay vielleicht nicht. Naja usw. und so fort.

Ich habe ihm so gut ich eben noch konnte widersprochen und habe ihm erklärt, daß es ein absolutes Wunschkind sei. Aber für ihn war die Sache klar. Wieder mal son psyschisch abgedrehter Hypochonder.

Das einzig gute, was er mir dann tat, war mir eine Infusion mit 2 Ampullen VOMEX zu geben.

Als diese nach eine paar Stunden reingelaufen waren, ging es mir schon viel besser.

Ich blieb 2 Wochen im KH, bekam täglich 2-3 solcher Infusionen und konnte manchmal sogar etwas essen. Aber Trinken ging immer noch nicht. Bis zur 15 SSW nahm ich trotzdem noch mal 6 kg ab, so daß es insgesamt schon 10 kg waren. Ich fand das sehr heftig, weil es ungeheuer schwächt, so schnell so viel abzunehmen. Und besonders viel zum Abnehmen war bei mir auch nicht vorhanden.

Ich wog dann noch 55 kg bei einer Körpergröße von 1,74.

Jeden Tag war Visite und jeden Tag aufs Neue kam ich mir verarscht vor. Immer hatte ich das Gefühl die denken von mir eh nur, daß ich erzähle es sei mir schlecht. Der Oberarzt war ein besonderes "Herzchen". Er kam einmal die Woche mit und sagte dann ganz lapidar, aber im Brustton der Überzeugung, daß diese Übelkeit, sofern ich sie hätte, spätestens nach der 12.SSW schlagartig verschwinden würde. Das ich da schon angelangt war, juckte ihn nicht. Es war eben sein Standardspruch.

In der ganzen Zeit wurde immer wieder Ultraschall gemacht, um zu gucken, wie es dem Baby geht. Aber dem ging es immer gut. Nur mir leider nicht. Das Brechen hielt sich mit Infusion so einigermaßen in Grenzen, aber es war halt nicht vorbei.

Ich wollte so schnell wie möglich wieder nach Hause, weil ich alleine den Geruch vom Krankenhausessen und alle diese medizinischen Gerüche die da so in der Luft liegen nicht mehr ertragen konnte.

Also hab ich es versucht, mich auf VOMEX-Dragees umstellen zu lassen.

Das gelang mir im KH so halbwegs und einigermaßen, aber eigentlich ging es mir nicht gut. Ich wollte aber nach Hause, also stand ich es durch und sagte, daß ich nicht mehr oft brechen müsse.

Nach 14 Tagen wurde ich also entlassen.

Natürlich ging es mir zu Hause keinen Deut besser. Im Gegenteil da mußte ich ja auch noch selbst aufstehen, wenn ich etwas trinken oder essen wollte (sofern ich das probiert habe). Tom mußte ja arbeiten und so war ich auf mich alleine gestellt, bis er nach Hause kam. In der Zeit, in der er zu Hause war, umsorgte er mich echt liebevoll. Ich wußte, daß er die Übelkeit nicht 100% nachvollziehen konnte, aber er gab sich alle Mühe und ich kam mir wirklich nicht wie ein Simulant vor, der ich auch nicht war.

Besuche habe ich so ziemlich komplett abgeblockt, weil ich es einfach zu anstrengend fand. Immer wenn ich reden mußte wurde mir wieder schlecht, also wollte ich lieber letargisch in meinem Bett liegen und warten, bis alles endlich vorbei ist.

Da mir aber auch die Tabletten nicht so besonders halfen, ging ich wieder zu meinem FA.

Der erklärte sich, ohne lange nachzudenken bereit, mir jeden Morgen die Infusion ambulant in seiner Praxis zu geben. Ich durfte kommen wann ich wollte und ich wurde jederzeit sehr nett empfangen und behandelt und lieb umsorgt.

Er bot mir sogar an, zu mir nach Hause zu kommen, falls ich es nicht in seine Praxis schaffen würde. Das fand ich wirklich sehr nett!!!

Für mich war es ein echtes Problem zu ihm zu kommen. Ich bin sonst immer mit dem Fahrrad in 10 Minuten hingefahren, aber das war überhaupt nicht möglich. Mit dem Bus fahren war auch nicht möglich. Ich denke, ich hätte in den Bus kotzen müssen. Alleine dieses ständige anfahren und wieder bremsen hätte meinen Mageninhalt schon 3x umgedreht. Mit einem Taxi fahren habe ich mich nur manchmal getraut. Ich habe den Fahrern vorher gesagt, daß sie sofort anhalten müssen, wenn ich ihnen ein Zeichen gebe. Dann müsse ich brechen. Ich war zwar immer mit Brechtüte o.ä. ausgerüstet, aber sicher ist sicher. Das ist ein paar Mal gutgegangen. Mein Schwiegervater und mein Schwager haben mich auch hin und wieder mit dem Auto hingefahren, sofern sie es sich einrichten konnten.

Alles in allem war es eine Tortour jeden Tag auf s Neue!

In dieser Zeit fühlte ich mich so schrecklich wertlos. Ich pendelte nur noch zwischen FA, Kloschüssel, Eimer und meinem Bett. Ich hatte das Gefühl aus dem Leben gerissen worden zu sein. Das Leben draußen vor meinem Fenster ging zwar weiter, aber meines nicht. Jeder Tag zog sich wie Kaugummi und immer nur schlecht schlecht schlecht. Von morgens bis abends und von abends bis morgens.

Und dann das Unverständnis vieler Leute. Das machte mich wahnsinnig. Natürlich man sieht es niemandem an, ob ihm gerade schlecht ist oder nicht, aber ich hatte so oft das Gefühl, die nehmen mich nicht ernst, daß ich schon selbst überlegte, ob mit mir was nicht stimmt. Die Leute, die so scheinheilig fragten:"Na wie geht`s Dir denn, ist Dir immer noch schlecht?", hätte ich auf den Mond schießen können. Alleine die Tonlage sagte mir, daß sie mich nicht für voll nahmen. Ehrlich, ich bin eigentlich kein gehässiger Mensch und wünsche diese Übelkeit niemandem an den Hals, aber ein paar von den "Gestalten" hätte ich es gegönnt. Und wenn sie es nur mal 4 Wochen am eigenen Leib spüren könnten,ja ich würde es ihnen gönnen. Ich weiß, daß es gemein ist, aber manche haben mich so doof behandelt, daß ich diesen Gedanken einfach nicht mehr los werde.

Selbst meine Eltern, die es schon bei meiner Schwester 3 Monate zuvor mitbekommen hatten, ließen nicht unbedingt locker. Der beste Tip meines Vaters war immer, daß ich mehr an die frische Luft gehen solle, dann wäre mehr Sauerstoff im Körper und mir wäre nicht mehr so schlecht und ich wäre nicht mehr so müde.

1)war ich müde vom ständigen Kotzen

2) war ich müde von VOMEX

3) konnte ich wie schon erwähnt vielleicht 200 meter zu Fuß gehen und das wars

4) wird eine Hyperemesispatientin nicht wohler, wenn sie spazieren geht.

Aber damals redete ich hier gegen eine Wand. Ich muß ihnen zu Gute halten, daß sie es ja einfach nicht so nachvollziehen können bzw. konnten. Das ist etwas , was ich immer wieder betonen muß, wenn man es nicht erlebt hat am eigenen Leib kann man es sich einfach nicht vorstellen. Selbst ich hatte vorher immense Schwierigkeiten damit!!!!

Aber nichts destotrotz hofft man natürlich bei der eigenen Familie auf mehr bzw. sehr viel Verständnis. Aber da es meiner Mutter in den Schwangerschaften mit meiner Schwester und mir "nur normal" schlecht war , war es für sie unerklärlich.

Diese endlose Zeit, die ich oben beschrieben habe, ging auch wirklich nur sehr langsam vorwärts. Ich habe noch bis zur 28. SSW fast täglich meinen FA mit meiner Übelkeit "behelligt", in dem ich mir entweder Infusionen oder Spritzen geben lassen habe.

Es war einfach eine Totour. Ich hatte mich so sehr darauf gefreut schwanger zu sein, der Zustand, den ich mir immer so traumhaft vorgestellt hatte und dann sowas. Mein ganzes Weltbild war zerstört, meine Lebensfreude war weg, das Leben fand woanders statt nur nicht bei mir. Ich habe immer wieder darum gebetet, daß ein Mittel erfunden wird, daß mich jetzt auf der Stelle einschlafen läßt und erst nach der Geburt wieder weckt. Leider hat das meines Wissens nur Dornröschen bisher geschafft so ewig zu schlafen.

Naja, nach 6 langen Monaten wurde die Übelkeit tatsächlich besser, ich konnte manches essen und sogar manches trinken.

Es war nicht das non plus ultra, aber es war so gut, daß ich eigentlich so gut wie gar nicht mehr gebrochen habe, sogar wieder bis zu meinem FA und zurück Fahrrad fahren konnte und das ich eigentlich selten noch ein Kotzgefühl im Mund hatte.

Ich habe bis kurz vor Ende der Schwangerschaft VOMEX A Dragees genommen und bin so über die Runden gekommen.

Allerdings habe ich mir immer Vorwürfe deswegen gemacht. Ich hatte immer Angst dem Kind zu schaden. Heute bin ich klüger, Kotzkinder sind die gesündesten Kinder die man sich nur vorstellen kann.

Tom hat mir in dieser Zeit auch versucht die Angst zu nehmen. Er sagte mir, daß es ihm wichtig sei, daß es mir einigermaßen gut ginge, denn wenn es mir schlecht geht, spürt das auch das Baby und dem geht es dann auch schlecht.

Er hat mich wirklich ge-stütz in dieser harten Zeit. (Er ist auch ein absolut postiv denkender Mensch, was in dieser Situation sehr hilfreich war)

Die Geburt von Lea hat mich dann wirklich für die harte Zeit entlohnt. Ich hatte als errechneten Termin den 18.05.1995. Bis zum 28.05. tat sich rein gar nichts, also mußte ich zum Wehenbelastungstest. Da habe ich vorher und währenddessen wieder mal geheult wie ein Schloßhund. Die wollten mich im KH behalten, aber ich wollte nicht. Es war Sonntag der Wehenbelastungstest wurde gemacht. Auf dem CTG schlugen die Wehen bis zum Anschlag aus, aber ich habe rein gar nichts gemerkt. Abends wollte ich wieder heim, durfte nicht. Heute wäre ich auch klüger und würde auf eigene Verantwortung wieder gehen.

Montag morgen Visite, ich habe gesagt ich gehe wieder, Fruchtwasser in Ordnung, nicht eine Wehe, Muttermund 3 cm offen. Also alles bestens.

Die Ärzte und Schwestern haben es mir zwar schwer gemacht mit Verantwortung dem Kind gegenüber aber egal(ich bin dickköpfig), ich bin gegangen.

Ich habe in allerseelen Ruhe diesen Tag mit Tom verbracht, wir waren gemütlich spazieren, haben uns was schönes gekocht und haben einen geruhsamen Tag verbracht.

Abends um 20.00 Uhr sollte ich noch mal zum CTG ins KH. Als wir gegen 20.45 Uhr von dort wieder nach Hause fuhren, wußte ich, irgendetwas ist anders.

Um 21. 30 Uhr sind wir wieder ins KH. Da hatte ich von jetzt auf gleich alle 2 Minuten Wehen. Im KH angekommen, durfte ich sofort pressen und Lea war um 22.30 Uhr da.

Das war eine echte Entlohnung für diese Schwangerschaft.

Sie war und ist kerngesund. Alle Finger und Füße sind dran, sie hat nichts an Krankheiten, einfach nichts.

Also ein kerngesundes KOTZKIND.

Ich behaupte immer, wenn ein Kind so eine Schwangerschaft durchgemacht hat und so zäh ist , sich in dieser Zeit nicht von dannen zu machen (Abgang , Fehlgeburt etc.) dann ist es gewappnet fürs Leben. Lea ist zäh und willensstark (andere nennen das trotzig :-)) ).

Ja , jetzt seid ihr wahrscheinlich schon müde vom Lesen und ich habe ne ganze Menge Schrott geschrieben, aber gleich gehts weiter mit meiner zweiten Schwangerschaft.

Nein, es kommt die Zeit dazwischen.

Nach dieser Schwangerschaft mit Lea war mir klar, schwanger werde ich nie wieder . NIE WiEDER!!!!!!

Aber es kam wie es kommen sollte, der Kinderwunsch war größer als mein Verstand, meine Vergangenheit war verschwommen und irgendwie!!!!! Würden wir es schon packen.

Hätte ich vorher gewußt was auf mich zukommt, hätte ich das nie wieder gemacht.

Versteht mich nicht falsch, ich liebe beide Kinder, aber die Schwangerschaft, wie ich sie mit Carolin mitgemacht hab war die Hölle auf Erden.

"Es war ein schöner Tag der letzte im August (ne es war Juli), die Sonne brannte so, als hätte sies gewußt.......(Peter Maffay, fiel mir gerade so ein)

Ja wir waren, wie schon so oft , in , nein auf Korsika. Und schwups haben wir uns doch ein kleines Mitbringsel mitgebracht. Es war Stecknadelkopf groß und ist jetzt liebliche 75 cm,liegt auf dem Wickeltisch und heißt Carolin.

Ich weiß genau, wie es weiterging. Ich nahm mir vor, daß mir nicht schlecht wird, also wird mir auch nicht schlecht (dachte ich in der postitven Denkweise von Tom) Wir kamen nach Hause, es war Anfang August 1998, und mir wurde jeden Morgen schlecht. Juchuh dachte ich , ich bin schwanger und mir ist nur morgens schlecht,. Ich bin jetzt eine ganz normale Schwangere. Der 6.8.1998 war der letzte Tag an dem ich noch etwas bei mir behalten habe. Das weiß ich deshalb so genau, weil mein Dad da Geburtstag hat und ich da noch gegessen habe (Kuchen etc.) Ich muße schon 2-4 Stunden am Tag schlafen, aber das war ja nicht weiter schlimm. Das wunderte meine Eltern an diesem Tag schon sehr, daß ich mich so lange hinlegte, aber von Schwangerschaft hab ich nichts erzählt.

Ich dachte mir nämlich, daß ich das alles frühestens Weihnachten erzähle, weils ja keiner merkt, wenn mir nur morgens schlecht ist.

Es kam wieder mal wie es kommen mußte. Mir wurde am 7.8. schlagartig den ganzen Tag und die ganze Nacht schlecht. Da spürte ich ganz tief drin in mir, daß es noch schlimmer kommen würde. War nur son Gefühl, was sich aber leider bestätigt hat.

Ich hab gekotzt, was das Zeug hält. Tag und Nacht. Ich hing nur noch über dem Eimer oder der Kloschüssel. Treusorgend immer mit Begleitschutz. Tom und Lea ständig in meiner Nähe. In der Zwischenzeit hatte ich von meinem FA die Bestätigung schwanger zu sein.

(Die hätte ich nicht gebraucht, ich wußte es ja auch so).

Jedenfalls mußten wir Lea erzählen, was mit mir los ist. Also haben wir ihr erzählt, daß wir im nächsten Jahr an Ostern ein Baby bekommen. Sie hat sich gefreut und es dann auch gleich jedem, der vorbeikam erzählt. Das war auch o.k. so, denn wir wollten es ja dann auch nicht mehr für uns behalten.

Lea war mir in dieser Zeit und auch nach dem KH - Aufenthalt eine rührende Hilfe. Immer wenn mir wieder schlecht wurde und sie das merkte, sagte sie: "Ach Mama geh doch spucken, wenn Dir so schlecht ist. Ich pflege Dich doch". Spuckte ich dann, stellte sie sich hinter mich, streichelte mir den Rücken und sagte: "Du schaffst das schon, sei tapfer".

Da kamen mir oft auch noch die Tränen, weil ich so gerührt war, wie sensibel ein 3 jähriges Kind sein kann.

Bis zum 11.8. hatte ich soviel gekotzt, geheult und gelitten, daß Tom mich gleich am nächsten Tag ohne Umschweife und vormittags! Ins KH brachte.

Dort saß ich dann wieder mit Anmeldeformular und Kotzschale stundenlang wartend, daß endlich eine Infusion für mich da war. Tom hat mir in der Zwischenzeit die Hand abwechselnd mit der Kotzschale gehalten. Lea haben wir bei meinen Schwiegereltern tagsüber geparkt.

Es war glaube ich mittwochs und sonntags spätestens wollte ich wieder zu Hause sein. Ich wollte nur mal ein paar Infusionen in mich reinlaufen lassen und dann wieder nach Hause.

Ich blieb natürlich dort, weil es mir sauschlecht ging. Solange die Infusion(Kochsalzlösung mit 1-2 Ampullen VOMEX A) reinlief, ging es einigermaßen, aber ansonsten hab ich einfach nur gekotzt. Immer und immer wieder. Und ich war mir so sicher wie nie zuvor, daß ich dieses Kind nicht austragen wollte. Ich wollte es entweder auskotzen oder abtreiben. Dessen war ich mir sicher.

Montags bot sich dann über Fresinius AG (eine Pharmafirma) an, daß man diese Behandlung , die ich im KH bekam auch ambulant zu Hause bekommen kann. Diese Firma hat einen Zweig, der sich Home Care nennt und Patienten zu Hause betreut. Es wäre also mehrmals täglich eine Krankenschwester/Pfleger zu mir gekommen und hätte mich zu Hause versorgt. Das erschien mir damals so ideal, weil ich dann wieder in meiner vertrauten Umgebung gewesen wäre und meine Familie um mich rum gehabt hätte. Die Krankenkasse hätte immense Kosten (nämlich die für meinen KHAufenthalt) gespart und meiner Seele, Lea und Tom hätte es gut getan. Aber es gab ein Kompetenzgerangel zwischen dem Stationsarzt, meinem FA und Fresenius, so daß die ganze Aktion einfach abgeblasen wurde und ich bis Ende Oktober 1998 im KH blieb. ( = 3Monate = 12 Wochenen=84 Tage!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!)

In dieser Zeit hab ich soviel erlebt, so viel dazu gelernt, so viele verschiedene Menschen kennengelernt, mich gut und schlecht gefühlt, den Tod und das Leben ganz nah gespürt, die Verzweiflung in mir wahrgenommen, Freunde und Bekannte von ganz anderen Seiten kennengelernt, mir einen neuen Blickwinkel für das Leben geschaffen und ehrlich gesagt auch unendlich gelitten.

Es gab Tage, da ging es ein bißchen besser. Da konnte ich ein paar Krümel essen oder gar ein paar Schlucke trinken. Es gab sogar Tage, an denen ich Tom gebeten habe mir eine Pizza oder Tiramisu (in der Schwangerschaft wegen der rohen Eier tabu, aber das interessierte mich nicht) mitzubringen. Ein oder zweimal habe ich sogar chinesisches Essen probiert. Aber im Gegenzug dazu gab es mehr Tage, an denen es mir einfach nur übel war.

Morgens gegen 6.30 Uhr war wecken, je nach Schwester mit oder ohne Neonlicht angesagt, aufstehen zum Bettenmachen. Wer schon mal mit Übelkeit schwanger war, weiß was es heißt von jetzt auf gleich aufstehen zu müssen zum Betten machen.

Ich hätte den Schwestern, die mich förmlich rausgescheucht haben auch gerne mal auf den Kittel gespuckt, aber das klappt ja leider dann nicht, weil man doch zu viel Anstand hat.

Es gab wenige, die zumindest ein wenig Mitleid hatten und man durfte liegenbleiben, wenn man versprach, das Bett später selbst zu machen. Toll, oder????

Irgendwann kam dann das Frühstück, was mir jedes Mal den Mageninhalt schon umdrehte, bevor ich den Deckel aufgemacht hatte. Meistens hatte ich bis dahin auch schon 3-5 Mal gespuckt.

Nach langem Betteln bekam ich dann auch irgendwann meine Infusion, mit der ich je nach dem wie gut sie lief, einigermaßen über den Vormittag kam.

Im laufe des vormittags kam dann täglich die Visite. 1 Mal pro Woche mit meinem "Schätzchen" , dem Oberarzt.

Auch in der17.SSW sagte er mir noch, daß diese Übelkeit schlagartig nach der 12.SSW vorbei sei. Ein sehr mildes Grinsen meinerseits und ein Hinweis des Stationsarztes, daß diese bereits längst überschritten sei, rief bei ihm auch nur ein verwirrtes MMhhh hervor.

Danke, den hätten sie sich sparen können und das Geld was er für sein dummes Gelaber 1 Mal die Woche bekommt auch.

Den Rest des Tages und der Nacht habe ich je nach Tagesform verbracht.

Ich war 4 Wochen lang nur von meinem Bett bis zur Toilette oder gar nicht unterwegs.

In dieser Zeit habe ich den Plan geschmiedet mich umzubringen. Verstärkt wurde das durch eine Bemerkung einer Krankenschwester, die ich heute noch auf den Mond schießen könnte und die zu dem Personenkreis derer gehört, denen ich die Übelkeit an den Hals wünsche.

Ich hatte 10 kg abgenommen, fühlte mich als würde ich jeden Moment sterben und wußte genau, wenn jetzt nicht irgendetwas passiert, springe ich aus dem Fenster.

Diese Krankenschwester kam zu mir, räumte mein Tablett ab, sah daß ich wie immer nichts bis gar nichts davon gegessen hatte und sagte zu mir: "Frau Braun, sie müssen das jetzt essen, sie stellen sich vielleicht an. Jeder von uns hat doch schon mal eine Magen-Darm-Grippe gehabt, dann ißt man wieder eine Kleinigkeit und dann geht es einem auch wieder besser".

Jede, die Hyperemesis mitgemacht hat, würde ihr glaube ich ohne zu zögern das Tablett um die Ohren hauen. Ich war so sauer, so enttäuscht, so wütend, so traurig, ach ich kann es gar nicht in Worte fassen.

Jedenfalls reifte so mein Entschluß mich umzubringen. Ich hoffte, daß dann endlich die Übelkeit und alles was damit zusammenhängt vorbei sei. Als ich es also endlich wieder schaffte zu laufen (ich wurde in der Zwischenzeit künstlich ernährt um wieder zu Kräften zu kommen) ging ich in den 7 Stock des KH und sah mir an, wo ich am Besten runterspringen könnte um sicher zu gehen, daß ich auch tot bin. Aber leider, heute sage ich zum Glück, waren die Fenster verschlossen und es ging keines auf. Warum wohl?

Aus weniger Höhe zu springen traute ich mich nicht aus Angst zu überleben. Also wollte ich mich von einem Taxi an einen Turm im Wald fahren lassen von dem aus man sich ganz sicher zu Tode stürzen kann.

Das ich heute noch unversehrt lebe habe ich Lea zu verdanken. Ich kam ins grübeln, was wohl aus ihr werden würde, wenn ihr Tom irgendwann sagen müßte , die Mama ist tot aus diesem und jenen Grund.

Tom alleine ohne Lea hätte mich glaube ich nicht zurückgehalten, denn zu dieser Zeit war ich immer mal wieder wütend auf ihn, weil er mich von einer Abtreibung abgehalten hat.

Er sagte zu mir: "Wenn Du jetzt abtreibst, kriegen wir nie wieder ein Kind zusammen." Das klingt logisch und ist auch total nachvollziehbar, weil man bestimmt nicht zum Spaß immer wieder schwanger wird und dann wieder abtreibt. Aber ich hatte es halt voll auf der Gefühlsebene aufgenommen und dachte er unterstützt mich nicht richtig.

Was wirklich nicht so war!!!!!!!!!! Gefühlvoller und lieber hätte sich niemand anders um mich kümmern können!!!!!

 Ein weiterer Punkt der nicht ganz unwesentlich für die Zeit war, stellten die Besucher dar. Ich hatte ausdrücklich darum gebeten keinen Besuch haben zu wollen, weil es mir danach immer deutlich schlechter ging. Durch das Reden mußte ich wieder brechen usw......Ein Kreislauf.

Und so bekam ich auch wirklich wenig Besuch. Tom kam fast täglich (wie er es mit Arbeit, Lea usw. schaffte), unser Freundeskreis schickte hin und wieder einen, der mir dann etwas mitbrachte und grüßte und ein paar Pfarrer und Seelsorger kamen vorbei.

Trotzdem ich das selber so wollte kam ich mir unendlich verlassen alleine und verstoßen vor. Ich habe so oft geheult, weil ich genau wußte es versteht mich keiner. Es kann keiner nachvollziehen. Nur wenige haben den Griff zum Papier und Stift gefunden um mir ein paar liebe Zeilen zu schreiben. Ich war einfach traurig und meine Seele war am Boden zerstört. Es klingt ein bißchen wirr, aber vielleicht wißt ihr was ich meine.

Eine meiner größten Sorgen galt Lea. Sie kam im September in den KIGA und ich war nicht da. Sie wurde seit ich ins KH gekommen war von verschiedenen Leuten betreut. Meine Schwiegereltern, meine Schwester und verschiedene Freunde und Nachbarn von uns. Das war alles total lieb, aber trotzdem war es enorm viel für Lea. Sie hatte immer wechselnde Bezugspersonen, andere Umgebung, das neue mit dem KIGA etc... Irgendwann wollte sie nicht mehr mit ins KH kommen um mich zu besuchen. Ich konnte es verstehen, aber traurig machte es mich schon. Und sie verlor im Laufe der Zeit ihr Leuchten in den Augen, was ich immer so an ihr geliebt habe. Es war einfach verschwunden.Ihre Lebensfreude war eingebuddelt. Das tat mir sehr weh und tut mir auch jetzt beim Schreiben noch weh. Jetzt ist sie wieder der alte Schelm, aber es war ein harter Weg bis dahin!!!!!!!!!!!!!!!

 Nach meiner Entlassung aus dem KH vegetierte ich bis zum Ende meiner Schwangerschaft zu Hause vor mich hin. Ich ließ mir täglich von meinem FA morgens eine Infusion geben, mittags versuchte ich eine oder mehrere Tabletten zu nehmen und am späten Nachmittag ließ ich mir VOMEX nochmals als Spritze verpassen.

Die Zeit war schrecklich. Spucken und viel würgen mußte ich bis zum Schluß. Das ließ erst nach, als Carolin komplett draußen war. Mein erster Satz war:" Mir ist nicht mehr schlecht". Das war eine Erlösung!!!

Ich weiß, es ist alles ein bißchen konfus und vor allem viel zu lange geschrieben, aber ich habe es einfach so geschrieben ,wie es mir in den Sinn kam ohne lange darüber nachzudenken. Oft hat mich auch einfach mein Gefühl übermannt und die Gedanken sind mit mir durchgegangen.

In meinem Buch werde ich trotzdem noch ausführlicher auf manches eingehen, weil das Buch kein Medizinischer Ratgeber sondern eine psychische Unterstützung sein soll.

Alles in allem bin ich sehr sehr froh, daß ich diese Zeit durchgestanden habe. Sicher war mir Ashli (siehe Links) eine große Hilfe in dieser Zeit. Tom hat sie während meines KH -Aufenthaltes über s Internet in Amerika aufgegabelt . Sie hat 3 solcher Schwangerschaften hinter sich und hat mich immer wieder ermuntert durchzuhalten.

Ich bin glücklich, daß ich 2 so gesunde Kinder habe und sicher werden sie nie genau wissen bzw. nachvollziehen können durch welche Hölle ich für sie gegangen bin. Aber das erwarte ich auch nicht.

Jeder Frau, die in dieser scheußlichen Situation steckt, rate ich, wenn sie kann, durchzuhalten. Irgendwie lohnt es sich schon, wenn man dann endlich den kleinen Zwerg im Arm halten kann und das Leben wieder weitergeht.

Aber ich will ganz ehrlich sein. Wenn eine Frau in einer solchen Situation abtreiben möchte, kann ich das auch voll und ganz verstehen und wäre sicher die Letzte, die sie davon abhalten würde. Man muß in sich hineinhorchen und sich fragen, ob man das durchstehen kann oder nicht.

 

Ich hoffe trotz mancher negativer Aussagen von mir, der ein oder anderen Frau hiermit helfen zu können. Wenigstens zu wissen, daß man mit dieser Übelkeit nicht alleine ist!!!!!!!!