Kind Nummer 2

Anne @, Montag, 23. Dezember 2019, 23:40 (vor 278 Tagen) @ Flinz

Liebe „Elise“,

hier also meine Antwort auf Deine Frage im Thread "Methylprednisolon und Mirtazapin" (http://hyperemesis.de/forum/index.php?id=29224)

Schön, dass Du Dich meldest. Seit Du geschrieben hast, da hast Du wieder einen Tag hinter Dich gebracht – immerhin. Vielleicht ein kleiner Trost, aber ich rede und schreibe mich ja leicht, schließlich muss ich es nicht durchstehen.

Mir fallen drei Dinge ein. Das eine ist, dass Du mit Embryotox telefonieren könntest wegen der Dosierung des Antihistaminikums. Es gab eine Studie von Atanackovic, Navioz, Moretti & Koren – allerdings aus dem Jahre 2001 – zu einer höheren Antihistaminikadosis bei NVP/HG. Die Dosis wurde wirklich erhöht, allerdings will ich nicht näher darauf eingehen, damit das hier nicht als Empfehlung missverstanden werden könnte. Du bist Ärztin, Du könntest Dir das ansehen und mit Embryotox und Deinen Dich behandelnden Ärzten diskutieren. Hier der Link zur Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11504271 (Atanackovic, G.; Navioz, Y.; Moretti, M. E.; Koren, G. (2001): The safety of higher than standard dose of doxylamine-pyridoxine (Diclectin) for nausea and vomiting of pregnancy. In: J Clin Pharmacol 41 (8), S. 842–845.) Wenn ich das richtig verstanden hatte, so hattest Du in Deiner letzten Schwangerschaft pro Tag 1 bis 1 ½ Tabletten Agyrax pro Tag genommen. Du als Ärztin könntest nun einen Blick in die norwegische Leitlinie werfen, welche eine Dosierungsempfehlung für das Meclozin enthält (http://www.nfog.org/files/guidelines/7%20NGF%20Obst%20hyperemisis%20Vikanes.pdf). Außerdem gibt es eine deutsche Veröffentlichung in einem Fachmagazin von 2015, welche ebenfalls eine Dosierungsempfehlung für das Meclozin enthält (ich verlinke sie nicht – wieder damit das nicht als Empfehlung missverstanden wird, zumal hier eine deutlich abweichende Dosierung angegeben ist) und dann könnte man ja auch mal zum Vergleich einen Blick in den Beipackzettel z. B. von ITINEROL B6 werfen … Wie gesagt: Nur als Diskussionsgrundlage. Bitte bespreche das mit Embryotox und den Dich behandelnden Ärzten, denn es ist ja auch noch die Frage, wie gut Du das verträgst mit Deiner Neigung zur Bradykardie, von der Du mal geschrieben hast und mit möglichen Elektrolytstörungen aufgrund der HG.

Das zweite, was ich Dir noch mitgeben schließt hier direkt an: Ich erinnere mich an eine Ärztin, die ebenfalls zu Hause in Eigenregie mit Infusionen versorgt wurde. Es kam zu Komplikationen und was sich rückblickend herausstellte war, dass es keine einzige Elektrolytbestimmung gab. Es kann aber bei HG zu deutlichen Störungen sowohl im Natrium- wie auch des Kaliumhaushalts kommen, zudem zu einem Thiaminmangel, was die Glukoseinfusionen so gefährlich macht. Pass da gut auf Dich auf und sorge dafür, dass regelmäßige Laborkontrollen erfolgen - solltest Du wie in der letzten Schwangerschaft erneut in Eigenregie eine Infusionstherapie anfangen - und lass einen Mediziner kontrollieren, ob Deine Infusionstherapie so passt. Du bist durch die HG geschwächt und möglicherweise mental eingeschränkt, zudem wirkt das Meclozin ja auch auf die kognitiven Funktionen. Da ist ein zweites paar Augen sicherlich nicht verkehrt, damit Dir da keine Fehler unterlaufen.

Als drittes möchte ich noch in den Raum stellen, dass Du Dir überlegen könntest, wie Du weiter vorgehst, sollte es noch schlimmer werden. Vielleicht entspannt es Dich ja, wenn Du einen Plan hast mit klar definierten Punkten: ab wann gehst Du ins Krankenhaus, ab wann beantragst Du die Haushaltshilfe, ab wann bindest Du Deinen Partner mehr mit ein, ab wann diskutierst Du die Medikation …

Und noch etwas, was mir gerade beim Durchlesen Deiner alten Beiträge aufgefallen war: Vor zwei Jahren hattest Du die Vermutung formuliert, dass es sich um eine genetische Prädisposition handeln könnte: „Ich bin überzeugt davon, dass es einen hormonellen Hintergrund gibt mit genetischer Prädisposition. Wer weiß, vielleicht handelt es sich eben um ein Gen, welches gleichzeitig eine Immunsuppression verursacht (Erkältungen, etc.)“ (http://hyperemesis.de/forum/index.php?id=28441) Hast Du mitbekommen, dass ein Genabschnitt inzwischen gefunden wurde? Hier der Link zur Zusammenfassung auf Deutsch: http://www.hyperemesis-netz.de/gdf15--igfbp7.html

Ich wünsche Dir, dass Du morgen ein Weihnachtsfest erleben kannst, welches Dich froh stimmt. Auch wenn Du selber mit Übelkeit und Erbrechen nur Zuschauerin sein solltest, so wird Deine Tochter diesmal Weihnachten bereits bewusst erleben und das Leuchten in ihren Augen Dich erfüllen.

Alles Liebe, Anne


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