Wieso wird HG nicht ernst genommen?

Christiane, Hamburg, Donnerstag, 14. Dezember 2017, 23:45 (vor 34 Tagen)

Hallo ihr Lieben,

Ich bin nun bei SSW 14+5 und leide seit Beginn der 8.SSW an extremer Übelkeit. Das Gespräch mit meiner Frauenärztin ergab die Diagnose HG, sie hat vollstes Verständnis und hat mich seitdem auch krankgeschrieben, weil einfach nichts mehr ging.

Anfangs musste ich nach jeder Kleinigkeit, die ich zu mir nahm, spucken. Egal ob es sich um etwas zu Trinken oder zu Essen handelte. Gott sei Dank kann ich seit der 10.SSW wenigstens die meisten Getränke bei mir behalten, sämtliches Essen breche ich jede immer noch aus. Und sei es nur ein kleiner Bissen...absolut nichts bleibt drin.

Da mein Hausarzt direkt 2 Eingänge weiter von unserer Wohnung entfernt ist, gehe ich dort zwei Mal in der Woche zur Infusion (Ringerlösung) hin. Ohne diese würde absolut nichts gehen.
Zusätzlich hat mir meine Frauenärztin Vomex A Dragees verschrieben, welche ich alle 8 Stunden nehme. Ohne diese Tabletten geht absolut null, mit den Tabletten ist die Übelkeit zwar nicht weg, aber wenigstens etwas erträglicher. Nichts desto trotz landet alles Essen wieder in der Toilette.

Meinem Hausarzt habe ich von der Diagnose HG erzählt und alle sind sehr nett zu mir, wenn ich zur Infusion komme. Seit der 12.SSW mehren sich jedoch die Aussagen "Mensch, das ist schön die 12. Woche, das muss doch bald mal ein Ende haben. " das ist sicher nicht böse gemeint, doch ich komme mir absolut nicht ernst genommen vor. Ich erbreche jeden Tag weit über 10 Mal, mein bisheriger "Rekord" liegt bei 43 mal täglich.
Zwischenzeitlich fühle ich mich belächelt und nicht ernst genommen, nach dem Motto "Das bilden Sie sich nur ein ", wenn mein Arzt mir den Zugang f0r die Infusion legt. Er ist dabei immer sehr sehr nett und hat mich auch nie des "Schwindelns" oder dergleichen beschuldigt, dennoch habe ich das Gefühl, dass er mir nicht glaubt. Kennt ihr das auch? Man hat einfach so ein Gefühl.

Ab und an gehe ich ein paar Schritte an die frische Luft, da mir vom Liegen (meist geht auch nicht mehr) alles weh tut. Weit komme ich nie, weil der Kreislauf nicht mitmacht.

Heute dachte ich, dass ich es doch schaffen könnte, kurz mit Freunden auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. Ich hatte zwar vorher wieder reichlich gespuckt, allerdings schätzte ich meine Kraft durch die Wirkung der Tabletten als ausreichend ein.
Ich ging also auf den Weihnachtsmarkt, was sich als gnadenlose Überschätzung darstelle, da mir nach sehr kurzer Zeit so schwindelig wurde (neben der Übelkeit, die sowieso permanent da ist, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit), dass ich Sternchen sah und kurz vorm Umkippen war. Ich setzte mich also hin, die anderen passten auf, während ich versuchte, Kräfte zu sammeln. Ich aß ein Milchbrötchen (es später wieder raus kam), das mich für den Moment gerettet hat.

Solche Schwächeanfälle habe ich seit dieser SSW öfter (ich habe seit der 8.SSW ca. 7 kg abgenommen, was ziemlich viel ist).
Nächste Woche habe ich wieder einen Termin bei meiner Frauenärztin und dann sehen wir weiter.
Bisher hat sie mich bis Weihnachten krank geschrieben, in der Hoffnung, dass es mir bis dahin besser geht und ich etwas Kraft sammeln konnte.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zur Arbeit zu kommen und einen 8.5Std-Tag durchzuhalten, erscheint mir undenkbar.

Viele, denen ich von HG erzähle (und denen ich auch erkläre, was der Unterschied zur normalen Schwangerschaftsübelkeit ist), schauen skeptisch und winken es ab. Nach dem Motto "Denk nicht immer dran, dann musst du auch nicht brechen" oder "Wirst sehen, das ist ganz bald vorbei". Haben die mir nicht zugehört?! Denken die, ich habe Spaß am Spucken? Wieso nimmt das keiner ernst im Umfeld? Man kann es noch so oft erklären, die meisten scheinen nicht zu verstehen, dass HG nicht mit der "normalen" Übelekeit zu vergleichen ist.

Gott sei Dank hat mein Freund vollstes Verständnis, nimmt mir vieles ab und unterstützt mich sehr! Es kommen auch nie blöde Kommentare oder so, wofür ich sehr sehr dankbar bin.

Und dennoch fühlt man sich irgendwie allein gelassen...

Das waren meine Gedanken.... Danke, dass es diese Seite und das Forum gibt!

Christiane

Wieso wird HG nicht ernst genommen?

StephMeph, Freitag, 15. Dezember 2017, 16:00 (vor 33 Tagen) @ Christiane

Liebe Christiane,

es tut mir sehr leid was du alles durchmachst. Es liest sich so, als ob du schon viele gute Sachen machst. Medikamente, Infusionen, krank schreiben usw. Halte durch!

Zu dem Gefühl: ich weiß genau was du meinst. Manchmal war ich so wütend, jede Krankheit wie Magen Darm oder noch schwerere Sachen werden ganz anders wahr genommen. Ich wollte dann immer sofort aufzählen, um Beweise zu haben, um mich rechtfertigen für diese schlimme Zeit. Vergeblich. Kaum jemand hat das wirkliche Leid sehen können. Niemand konnte sich was darunter vorstellen. Das muss man wohl akzeptieren.

Aber es gab durchaus Menschen, die mich halt gesehen haben, länger, die haben das verstanden. Wie furchtbar das ist. Mein Schwiegervater hat mich wochenlang jeden morgen beim kotzen gehört. Er erinnert sich nach mehreren Jahren immer noch daran und erzählt, wie furchtbar das war.

Die Reaktionen von den Ärzten...ich hab mich nur eingeigelt.

Irgendwann ist diese Zeit überstanden. Ich muss heute noch, wenn ich von meiner Schwangerschaft erzähle, wie furchtbar es war. Und finde drastische Worte. Und dann verstehen die Menschen das, haben Mitleid. Interessant oder?

Ich wünsche dir ganz viel Kraft!

Wieso wird HG nicht ernst genommen?

Christiane, Freitag, 15. Dezember 2017, 23:23 (vor 33 Tagen) @ StephMeph

Vielen lieben Dank für deine Antwort! Es tut so gut zu wissen, dass man mit solchen Gedanken und Sorgen nicht allein ist.
Natürlich lass ich mich nicht unter kriegen, egal was für blöde Blicke oder Kommentare kommen.

Wenn die Menschen wüssten, was wir teilweise durchmachen, würden sie sich sicher zwei mal überlegen, was sie sagen....

Ich bin mal gespannt, wie es bei mir weiter geht.

Danke, dass es dieses Forum und so liebe Menschen wie euch gibt! :-) das musste einfach mal gesagt werden!

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