Hyperemesis verlacht und falsch behandelt?

Hyperpinguin, Montag, 02. April 2018, 18:00 (vor 139 Tagen)

Hallo, meine Erfahrung ist auch das es oft nicht ernst genommen wird. Ich unterstütze meine Freundin die eine HG hat und darunter stark leidet. Ich bin fast immer mit dabei, wenn es dann wieder heißt, dass sie ins Krankenhaus muss und an ganz vielen Stellen wurde ihr gesagt: "Das geht ja bald vorbei. Ab der 12 Woche ist das geschichte..." Ist aber nicht so. Sie ist nun in der 15.SSW und es ist nicht besser geworden.

An manchen Tagen ist es so schlimm, dass ich nicht weiß wie ich ihr helfen kann. Sie kann nichts drinnen behalten, weder Flüssigkeit noch Nahrung und ich sehe zu wie es ihr schlechter und schlechter geht. Da kam ich schon mal nicht umhin einen Krankenwagen zu rufen und ich weiß wie schwer es ihr fällt in einem Krankenhaus zu sein und das tut mir sehr Leid.

Wir haben sicherlich alle Hausmittel und Medikamente durch. Vomex, Ondensatron, kleine Schlückchen, Tees... usw, usw und alles wirkt wenn überhaupt nur sehr kurz oder eben landet gleich im Klo.

Es gibt manchmal Tage in denen es ihr ein bisschen besser geht, aber das hält nicht lange vor.

Dann bei Ärzten oder in Krankenhaus kommen sehr oft dumme Sprüche. Das eine mal: Sie hatte sich gerade wiederholt übergeben meinte die Ärztin doch, sie solle mal vor die tür und an die Frische luft gehen, dann würde es ihr schon besser gehen. Pustekuchen, sie konnte sich kaum auf den Beinen halten und ihr war hundeelend. Da hüpft man nicht fröhlich über die nächste Wiese.

Ich bin ja schon froh, wenn ich sie zu den Untersuchungen begleiten darf. Manche Krankenhäuser lassen das nicht zu.

Schwer wiegt jedoch das viele wichtigen Dinge auf der Strecke bleiben. Wir haben noch immer keine Hebamme und das obwohl ich von Anfang an gesucht habe. Es fehlt jede Person mit der man vertraulich über das Thema reden könnte, ohne das es kleingeredet wird und ich sehe wie meine Freundin darunter leidet.

Ich glaube der Austausch mit anderen würde ihr manchmal gut tun. Selbst wenn sich die HG nicht fort reden lässt, so vielleicht diese Hoffnungslosigkeit die sich mit der Zeit einstellt und die auch mir große Sorgen bereitet.

Ganz liebe Grüße an alle die das durchmachen. Ich bekomme es nur von aussen mit, aber ich sehe wie sehr die HG die Freude unter sich erdrückt.

Im Krankenhaus selbst hilft auch ausschließlich das Legen an den Tropf. Warum dies nicht zu Hause möglich ist und das in einer Stadt wie Hamburg entzieht sich meinem Verständnis. Mit Tropf geht es meiner Freundin nämlich schnell ein wenig besser und sie kann soweit stabil bleiben, dass sie nicht ins KH muss.

Überhaupt weiß ich nicht wo sich Ärzte finden lassen die dieses Thema, also HG ernst nehmen und vor allem auch einen Blick auf die psychische Belastung haben. Diese ist ja sehr stark.

Hyperemesis verlacht und falsch behandelt?

Sonja2, Montag, 02. April 2018, 22:09 (vor 139 Tagen) @ Hyperpinguin

Lieber „Hyperpinguin“,

herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft. Was Du schreibst klingt nicht gut und das tut mir sehr leid für Euch beide. Wie schön, dass Du Dich so um Deine Freundin kümmerst. Als ehemals Betroffene weiß ich, wie wertvoll das ist. Und ich weiß von meinem Mann, wie belastend diese Zeit für ihn war: mich leiden zu sehen, hilflos daneben zu stehen, diese Mischung aus Ohnmacht, Wut, Traurigkeit, Angst ...

Es kann sein, dass Ihr noch einige Zeit vor Euch habt, bis das Schlimmste vorbei sein wird. Ich bin mir sicher, dass Du hier - und nicht nur von mir - Zuspruch erfahren wirst.

Du schreibst, dass Deine Freundin bereits Ondansetron (Zofran) erhalten hatte und so wie ich das verstanden habe war das ohne durchschlagenden Erfolg. Wie war denn die Dosierung? Ich frage das, weil es hier über die Jahre in denen ich hier lese und schreibe immer wieder Frauen gab, die Ondansetron lediglich in 2 mg Dosen erhalten haben. Ich selber habe 4 mg erhalten gehabt (2 mg hätten mir definitiv nicht gereicht), anderen Schwangeren wurden mehrmals täglich 8 mg verordnet. Die 2 mg Dosierung scheint mir eine spezifisch deutscher Ansatz zu sein. Vor einigen Jahren hatte ich mir mal die Mühe gemacht, hierzu die Literatur zu sichten. Den Link dazu stellen ich ein: http://hyperemesis.de/forum/index.php?id=12126. Im Zweifelsfall berät Embrytox. Aber Achtung: eine Veränderung der Dosierung muss zwingend ein Arzt absegnen - bitte hier nicht eigenmächtig die Dosierung verändern. Ondansetron in richtig hohen Dosierungen kann Herzrhythmus-Störungen verursachen.

Das wäre jetzt das Erste, was mir so ganz konkret in den Sinn kommt. Ich wünsche Euch viel Kraft.
Alles Liebe, Sonja

Hyperemesis verlacht und falsch behandelt?

Hyperpinguin1, Dienstag, 03. April 2018, 07:15 (vor 139 Tagen) @ Sonja2

Ondensatron schmelztabeletten helfen manchmal ein paar Stunden. Wieviel mg das sind, muss ich nachher mal gucken.

Hyperemesis verlacht und falsch behandelt?

Deichkind, Dienstag, 03. April 2018, 15:23 (vor 139 Tagen) @ Hyperpinguin1

Hallo Hyperpinguin 1!

Ich selbst bin derzeit noch betroffen und nehme selbst Ondansetron. Ich bekomme dies von meinem FA verschrieben. Ich bin derzeit auf
3x 4 mg eingestellt. Ich weiß, dass es das Ondansetron auch als Schmelztablette gibt, da ich diese selbst auch 2x hatte. Das wäre ja vielleicht noch mal ein Versuch wert, denn die werden relativ schnell Vom Körper aufgenommen, auch wenn deine Freundin sich viel übergeben muss. Die können dann ohne Wasser einfach eingenommen werden. Ebenso habe ich den Eindruck, dass erst ein gewisser „Spiegel“ des Medikaments aufgebaut werden muss, damit es richtig hilft.
Ich gehe davon aus, dass ihr das agyrax schon probiert habt? Das soll bei vielen ja Wunder bewirken... das erhältst du im Internet in der Auslandsapotheke.
Ich selbst komme aus Schleswig-Holstein und auch hier sind die Ärzte was HG angeht nicht sehr bewandert, leider. Dafür habe ich eine gute Hebamme gefunden. Daher gib bitte nicht auf und suche weiter. Zur Not ruf Hebammen-Praxen im Umkreis/Umland an und frag nach Empfehlungen! Hebammen sind ja auch immer sehr gut miteinander vernetzt!
Was ich auch noch oft gelesen habe, dass viele Hausärtze die Möglichkeit haben Infusionen zu legen. Dann allerdings in der Praxis. Und sonst kann ich dir noch den Tipp geben mit der Krankenkasse zu sprechen, welche Möglichkeiten euch bleiben. Vielleicht ein ambulanter Pflegedienst, der deiner Freundin die Infusionen legen kann. Ich bin der Meinung, dass ein Arzt sowas auch verschreiben kann.
Ist es denn euer erstes Kind? Wenn ja, kann ich euch nur raten, das Krankenhaus immer in Anspruch zu nehmen. Dort ist man einfach „frei“. Frei von Gerüchen, frei von Aufgaben und frei von Stress. Ich selbst lag einmal für 8 Tage im KH und als ich nachhause kam, haben mich die Gerüche wahnsinnig gemacht. Selbst essen machen oder sich zu trinken zu holen waren eine Qual. Auch ich bin nicht gerne im KH aber in diesem Fall war ich dankbar da zu sein. Aber das muss natürlich jeder für sich entscheiden...

Ich wünsche euch erstmal alles gute und hoffe, dass es Feier Freundin bald besser geht!!!

Liebe Grüße
Deichkind

Hyperemesis verlacht und falsch behandelt?

StephMeph, Mittwoch, 04. April 2018, 20:18 (vor 137 Tagen) @ Hyperpinguin

Hallo,

nur kurz: bei mir hat ein Ortswechsel immer viel gebracht. Ich bin dann endgültig zu meinen Schwiegereltern gezogen, weil die absolut ruhig wohnen, total geruchlos alles (keine kochende Nachbarn, Küche weit entfernt, alle Putzmittel und Gerüche wurden mir zu liebe entfernt) und ich konnte in einem dunklen Raum (Jalousien) liegen. Das alles gibt es in unserer kleinen Stadtwohnung nicht.

Verständnis Geduld und richtig dosierte Medikamente plus Infusionen für die Flüssigkeitszufuhr (soll sehr gut tun) sind daneben natürlich auch wichtige Ansätze.

Ales liebe deiner Frau! Will sie sich nicht anmelden und mal ein bisschen sich Luft machen?

LG

Hyperemesis verlacht und falsch behandelt?

Z, Montag, 16. April 2018, 09:29 (vor 126 Tagen) @ Hyperpinguin

Hallo,

meine Frau litt (1.Schwangerschaft) und leidet momentan wieder unter extremer Schwangerschaftsübelkeit. Unser Mittel der Wahl ist Agyrax. Gibt es nicht in Deutschland zu kaufen, aber übers Internet in Belgien bei der Apotheke Reul. Es ist in der Schwangerschaft völlig unbedenklich und der Wirkstoff ist gut erforscht.
Es ist zwar nur ein kleiner Strohhalm, ich würde ihn aber ergreifen. Vielleicht könnt ihr ja dann die heftigen Schmerztabletten absetzen.

Viel Kraft

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum