Cariban

Sonja2 @, Donnerstag, 20. Februar 2020, 21:17 (vor 2185 Tagen) @ Claudia82

Liebe Claudia,

super. Man nimmt der HG-Patientin die first-line-Medikation weg und sie landet im Krankenhaus. Das war überhaupt nicht vorherzusehen ... Weißt Du, ich bin hier seit 10 Jahren aktiv. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass sich die Versorgungssituation verbessert. Gerade habe ich den Eindruck, sie verschlechtert sich wieder. Es frustriert mich so. All die Jahre versuchte ich Optimismus zu verbreiten und Zuversicht und ganz lösungsorientiert Mut zu machen und Informationen weiterzugeben. Aber Ihr, die Ihr gerade schwanger seid, habt es einfach sehr, sehr schwer. Das tut mir so leid für Euch.

Also als ich das erste Mal schwanger war – das ist über 10 Jahre her – da erklärte mir mein Frauenarzt, dass man einige Medikamente geben kann. Und dann zählte er sie alle auf, begonnen bei den Antihistaminika über MCP und Promethazin bis hin zu Ondansetron und den Glucocorticoiden. Bevor es so richtig übel wurde wusste ich bereits, dass es eine ganze Bandbreite an medikamentösen Behandlungsoptionen gibt. Und ein Grund, warum ich mich von der HG nie komplett überrollt gefühlt hatte war der, dass ich immer wusste, dass man etwas dagegen tun kann. Heute weiß ich, was für ein unglaubliches Glück ich hatte. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass man mir im Krankenhaus dann sagte, dass es außer Vomex nichts gäbe und man mich ungläubig ansah, als ich meinen Frauenarzt zitierte. Und dass man mir Angst machte, was ja einfach ist, einer Schwangeren Angst zu machen.

Wenn Du jetzt im Krankenhaus bist und nicht den Eindruck hast, dass man sich dort nicht so gut auskennt, dann ist vor allem einmal wichtig, dass Du Folgendes weißt: Sollte man Dir eine Glukoseinfusion geben, so MUSS diese Infusion auch ein Thiamin enthalten. Thiamin ist ein B-Vitamin und zwar das Vitamin B1. Es wird für den Glukosestoffwechsel benötigt. Im HG-Zustand kommt es nach einiger Zeit zu einem Thiaminmangel. Diesen kennt man in der Medizin sonst vor allem von den Alkoholikern. Fehlt Thiamin und dem Körper wird viel Glukose zugeführt, so kann es zu einer schweren neurologischen Komplikation kommen. Also unbedingt darauf achten und Glukoseinfusionen ohne Thiamin verweigern. An sich müsste sich das inzwischen herumgesprochen haben in den Krankenhäusern, dass auch HG-Patientinnen ohne Alkoholprobleme von einem Thiaminmangel betroffen sein können, doch bekomme ich es immer wieder mit, dass dieser Empfehlung in der Praxis nicht gefolgt wird.

Ich wünsche Dir sehr, dass kompetente und engagierte Ärzte mit Dir in den nächsten Tagen besprechen, welche Behandlungsstrategien in Deinem Fall möglich sind. Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass alleine die Flüssigkeit, die Du gerade i. v. erhältst Dir gut tun wird. Fühle Dich lieb gegrüßt.

Sonja


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum