Medikamente um Speiseröhre und Magen zu schützen

Sonnenschein @, Köln, Sonntag, 27. November 2022, 23:58 (vor 62 Tagen)

Hallo,

ich habe jetzt schon zum zweiten Mal nach häufigem heftigen Erbrechen Schmerzen/Brennen in der Speiseröhre und auch so Magenkrämpfe. Auch fühlt es sich in der Luftröhre irgendwie kalt an, wenn ich atme. Ich hatte selber recherchiert und meine FA meinte, Pantoprazol könnte ich ruhig nehmen. Finde allerdings die Medenwirkungen (u.a. Erbrechen und Übelkeit ^^) abschreckend.

Habt ihr irgendwelche Erfahrungen mit Magengelen oder sowas wie Rennie oder so? Bin in der 18.Woche.
Wäre sehr dankbar über eure Meinungen :)

Liebe Grüße,
Sonnenschein

Medikamente um Speiseröhre und Magen zu schützen

Alatah Sta-Weeches @, München, Mittwoch, 30. November 2022, 11:55 (vor 60 Tagen) @ Sonnenschein

Ich empfehle zuerst einmal die Ursachen für die Symptome abzuklären und wenn möglich, abzustellen.

Wenn es nur ein einfacher Reflux ist, gibt es sehr gute evidenzbasierte Behandlungsmethoden, die ohne Arzneimittel und Medikamente funktionieren.

Im Fall eine Hyperemesis als Ursache sind spezielle Akupunkturen (TCM) hochwirksam.

Die Hebammen im HebammenZentrum München haben damit bemerkenswerte Erfolge erzielt.

Allerdings stellt sich die angestrebte Symptomfreiheit nicht sofort nach einer Sitzung ein.

In der Regel dauert eine komplette Behandlung 7 - 10 Tage bis alle Symptome verschwunden sind - aber bereits nach wenigen Sitzungen wird die Situation erträglich.

Medikamente um Speiseröhre und Magen zu schützen

Sonja2 @, Mittwoch, 30. November 2022, 15:22 (vor 60 Tagen) @ Sonnenschein

Hallo, lieber Sonnenschein (was für ein schöner Name!),

erste einmal herzlichen Glückwunsch zu Deiner Zwillingsschwangerschaft!

Ich habe gelesen, was Du hier und unter anderen Threads geschrieben hast und will meine Erfahrung mit Dir teilen:

Bei mir war es so, dass ich in der ersten Schwangerschaft lediglich Dimenhydrinat bekam (Vomex®) und einmal ein Versuch mit MCP gestartet wurde, was mir aber nichts brachte. Vomex® brachte auch nichts, außer dass es mich so müde machte, dass ich Teile des Tages verschlafen konnte, was bei einer 24-Stunden-Übelkeit ja auch nicht das Verkehrteste ist. Ich war insgesamt 15 Wochen in der Klinik und das wollte ich in der zweiten Schwangerschaft so nicht wiederholen. Also erhielt ich ambulant beim Hausarzt Infusionen und der Frauenarzt stellte mir bereits in der Planungsphase ein Rezept für Meclozin aus, damit ich mir dies bereits vorab über das Ausland besorgen konnte. (Wobei es für Meclozin gar kein Rezept braucht, aber das Ansetzen der medizinischen Kosten in der Steuererklärung ist mit Rezept leichter.) Als ich dann schwanger wurde, da brachte mir das Meclozin vier Tage lang eine gewisse Linderung. Dann stieg ich auf Ondansetron um, welches ich zu diesem Zeitpunkt bereits zu Hause hatte: Der Gynäkologe gab mir einen Blister mit, damit ich sofort anfangen konnte, sollte es über das Wochenende eine Verschlimmerung geben. Ziel war, dass ich in dieser Schwangerschaft gar nicht erst in solch schlimme Zustände hineinrutschen sollte, wie ich sie in der ersten Schwangeschaft erlebt hatte.

Ondansetron half, wenn auch nicht ausreichend. Allerdings nahm ich nur 3 x 4 mg. Wäre ich nochmals schwanger geworden, so hätte ich mit meinem Arzt besprochen, ob ich auch 8 mg nehmen könnte. Mit dreimal täglich 4 mg benötigte ich über Monate täglich zusätzliche Flüssigkeits-Infusionen, um nicht auszutrocknen. Ich verlor Gewicht, war wiederholt im Krankenhaus, doch dort jeweils nur für wenige Tage.

Beschwerden in der Magengegend führten dann dazu, dass sowohl der Hausarzt, wie auch der Gynäkologe wie auch der Gastroenterologe zusätzlich zum Ondansetron die Einnahme eines Protonenpumpenhemmers (Omeprazol, Pantopazol ...) befürworteten. Hier war ich zögerlich. Ich telefonierte mit Embryotox wegen möglicher Wechselwirkungen und nach wochenlangem Zögern rang ich mich schließlich zur Einnahme durch. Das war im 3. Trimester. Ab da wurde Omeprazol mein wichtigstes Medikament zur Reduktion der HG-Symptomatik: Es reduzierte mein Erbrechen signifikant.

Ich erklärte mir das ganz laienhaft so: Ich hatte einen Reflux und wenn dann der saure Mageninhalt in die ohnehin entzündete Speiseröhre aufstieg, dann führte das ziemlich unmittelbar zum Erbrechen. Mit dem Omeprazol aber war das, was aufstieg, nicht mehr sauer. Mitunter erreichten die Speisen den Mundraum, aber ich schluckte sie einfach wieder hinunter. Wenn ich Omeprazol wegließ, dann genügte der geringste Reflux und ich hing über dem Klo. Mit Omeprazol gelang es mir tageweise ohne Ondansetron auszukommen, die Übelkeit war deutlich reduziert und ich erbrach seltener.

Wobei noch wichtig ist anzumerken, dass man Omeprazol nicht als Bedarfsmedikation einnahmen sollte, sondern wirklich täglich und zwar morgens auf nüchternen Magen. On-off kann eine Magenschleimhautentzündung begünstigen. Aber all das würde ja Dir der verordnende Arzt auch erklären.

Nach der Entbindung ließ ich dann Speiseröhre und Magen spiegeln und es zeigten sich massive Entzündungsherde. Insofern bin ich rückblickend sehr froh, dass ich mich dazu durchgerungen hatte, der Empfehlung meiner Ärzte zu folgen, die in meinem Fall klinische Hinweise darauf hatten, dass mein Magen und meine Speiseröhre entzündet sein könnten – auch ohne gespiegelt zu haben. Entzündungen der Speiseröhre sind bei HG bekannt und können auch unschön verlaufen. Da würde ich also auf jeden Fall an Deiner Stelle mit einem Internisten und/oder Gastroenterologen sprechen. Ich bin meinen Ärzten dankbar, dass sie diesen Aspekt im Blick hatten und nicht alles nur auf die Hyperemesis gravidarum schoben. Es dauerte so schon nach der Geburt noch einige Monate, bis die Entzündungen der Speiseröhre abgeheilt waren und hätte ich noch länger mit dem Magensäurehemmer gewartet, dann hätte ich da noch eine größere Baustelle gehabt.

So war es bei mir. Dir wünsche ich, dass Du gute Ärzte hast und die jetzige Verschlimmerung bald zu Ende geht. Ich wünsche Dir viel Kraft!

Liebe Grüße,
Sonja

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