aufgegeben

elsa @, Sonntag, 16. Dezember 2012, 07:55 (vor 2186 Tagen) @ Marina

Eure Worte haben mich sehr berührt. Erst jetzt merke ich, wie allein ich mit dieser Entscheidung dagestanden habe. Tatsächlich kann man wohl nicht Betroffenen kaum erklären, dass es nicht mangelnde Lust, Liebe, Geld oder weiss der Geier was ist, was einen zu diesem Entschluss bewegt hat. Es ist Sorge und nackte Angst. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie an Abtreibung gedacht und plötzlich sieht man, da ist ein Schicksal, dass einen auffressen will. Das pack ich nicht. Auch wenn ich alles andere packe. Nicht nochmal, Franziska hat den Begriff schon richtig eingesetzt: eine lebende Leiche sein (es tut mir sehr leid, Du bist auch sehr traurig.) Und trotzdem an Susa: Deine Tochter wird es natürlich vergessen und verkraften. Nachher wird alles gut. Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben. Sie hat dann ein Geschwisterchen und wird es supertoll finden.
Dieses Forum ist ein Segen. Ich war so zuversichtlich. Meine zweite Schwangerschaft lief ja mit Medikamenten ziemlich gut. Diese fing ab Befruchtung schon mit Übelkeit und Schwindel an. Welchen Rat können einem Freunde geben? Die einen sagen: drei Kinder sind toll! (ja, aber man muss es ja austragen) oder sie sagen: puh, drei Kinder, ganz schön viel Arbeit! (Arbeit? Arbeit ist toll, wenn man den Kopf hochbekommt, um es machen zu können. Jeder Tag ist ein Segen, an dem man morgens stark und gesund aufwachen darf)- aber was hier abläuft, was ihr erzählt, das schweigt die Welt tot. So viele Frauen leiden darunter, keine Kinder bekommen zu können. Man forscht und macht und tut. Aber dass es Frauen gibt, die easy schwanger werden (und nach der Geburt auch alles stemmen) und die die Schwangerschaft fast umbringt, das ist nach wie vor Tabu. In der Beratungsstelle der Diakonie, die ich aufzusuchen hatte, hat mich die Dame mit lapidaren Worten bedacht, die unerwartet gut getan haben. Sie meinte: ja, manchmal geht etwas einfach nicht, und das ist sehr schade.
Ja, ich bin traurig. Aber ich glaube beide Wege, sich durch diese Krankheit zu quälen oder Abschied zu nehmen, werden mit Liebe entschieden. Ich danke euch sehr und wünsche Kraft und Zuversicht.
Und Marina: fahr nicht zu Deinen Schwiegereltern. Es gibt dieses Jahr kein richtiges Weihnachten für Dich - dafür wird ab nun jedes weitere mit Kind unbechreiblich schön...
LG, Elsa


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